Der Abschiedsbrief des Badener Bankräubers «Lieber Chef, ich komme nicht mehr»

  • Publiziert: 17.09.2009, Aktualisiert: 20.01.2012
  • Von Ralph Donghi & Adrian Schulthess
play «Centro Penitenciario Palma»: Hier sitzt der Bankräuber Daniel N. (l.), wohl ohne Sonnenbrille. (Keystone)

Bankräuber Daniel N. (33) bezahlt noch die Miete, schreibt seinem Chef. Dann nimmt er das Postauto zur Kantonalbank.

Mit 10000 Franken Beute aus der AKB-Filiale beim Bahnhof Baden AG setzt sich Daniel N.* in den nächsten Flieger nach Mallorca. Doch statt am Ballermann zu feiern, schmort der Maler jetzt im Knast. Nach einer Nacht im Hotel hat ihn die Polizei am Dienstag in Palma verhaftet (im BLICK). Er war nicht mal 24 Stunden auf der Flucht.

Der Coup des Aargauers ist kläglich gescheitert. Trotz Planung. Offensichtlich hat Daniel N. den Banküberfall seit einiger Zeit vor. Er überweist noch die September-Miete (830 Franken inklusive Nebenkosten) für seine Dreizimmerwohnung in Ehrendingen AG. Dann löscht er sein Facebook-Profil.

Von Chef und Familie verabschiedet

Und kurz vor dem Überfall verfasst er zwei Abschiedsbriefe. Die legt er auf die Kommode im Flur seiner Wohnung.

BLICK weiss: Den einen Brief hat Daniel N. von Hand geschrieben. An seinen Chef: «Lieber Chef, ich komme nicht mehr», schreibt er. Er sei weg, mit ihm müsse man nicht mehr rechnen. Der andere Brief, am PC getippt, ist für seine Familie: Er habe sie alle gern, schreibt Daniel. Und hoffe, dass sie ihm den Seich verzeihen können, den er jetzt tun werde. Vielleicht melde er sich per E-Mail.

Postauto statt Fluchtwagen

Schon am Montagmorgen finden die Schwester und sein Chef die Briefe. Weil Daniel immer pünktlich ist, hat sein Chef sofort reagiert, als er am Arbeitsplatz nicht auftaucht. Um diese Zeit hat Daniel N. die Aargauische Kantonalbank bereits überfallen. Für seinen Coup hat er nicht etwa einen Fluchtwagen besorgt, sondern das Postauto genommen.

Anja B.*, seine Schwester, sorgt sich sehr. Aus dem vorgefundenen Brief schliesst sie, dass Daniel N. sich etwas antun wolle. Sie geht zur Polizei, meldet ihren Bruder vermisst. Die Fahnder zählen zwei und zwei zusammen: Die Beschreibung des Vermissten passt auf die Beschreibung des Badener Bankräubers.

Am Dienstagmorgen schnappt die spanische Polizei den Flüchtigen in seinem Hotelzimmer in Palma.

Keine Maske und kleine Beute

Daniel N. hats der Polizei aber auch leicht gemacht. Für den Bankraub zieht er keine Maske über. 10000 Franken will er und bekommt das Geld. Keinen Franken weniger. Aber auch keinen Franken mehr. «Wenn er doch wenigstens eine anständige Summe verlangt hätte», sagt eine Nachbarin. «So hätte er richtig weit flüchten können.»

Langjährige Freunde sind erstaunt, dass der ruhige Maler zum Bankräuber wurde. «Er ist ein lieber Kerl, aber sicher nicht der hellste», sagt sein Lotto- und Euro-Millions-Spielpartner. «Und dass er die Nerven für so etwas hat, das kann ich mir fast nicht vorstellen.»

Ein Träumer sei er, sagen andere. «Ein Löli. Ein Löffel.» Aber einen, den man gern hat. «Ich sage nichts. Nur dass ich ihn liebe», äussert seine Schwester Anja.

*Namen der Redaktion bekannt

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play Daniel N. (ZVG)

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