Eveline Widmer-Schlumpf Lassen Bündner sie doch fallen?

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Von Simon Spengler
- Igor Krawarik

CHUR – Der Ruf nach Sistierung der Parteimitgliedschaft von Eveline Widmer-Schlumpf wird auch in der Bündner SVP lauter. Jetzt setzt sich Ständerat Christoffel Brändli von der eigenen Bundesrätin ab.

Lange hat er geschwiegen. Nach dem deutlichen Ergebnis des Zentralvorstands, der am Samstag mit 84 zu 13 Stimmen für einen Ausschluss der Bündner Sektion votierte, kommt das Bündner SVP-Schwergewicht Christoffel Brändli aber aus der Deckung: «Bundesräte sollten ihre Parteimitgliedschaft sistieren», sagte der Ständeratspräsident der Zeitung «Sonntag».

Brändli greift damit eine Idee von SVP-Bundesrat Samuel Schmid auf. Gemäss Brändli könne die SVP-Schweiz so auf eine Parteisäuberung verzichten. Das habe SVP-Präsident Toni Brunner angedeutet.

Dass Brändli gerade jetzt die Idee Schmids aufgreift, kommt nicht von ungefähr. Auch im Bündnerland ist die Unterstützung für die eigene Bundesrätin nicht so geschlossen, wie es von aussen aussieht. Immer mehr Parteiexponenten wollen den drohenden Ausschluss abwenden.

Die Idee der «freiwilligen Sistierung» der Parteimitgliedschaft durch Widmer-Schlumpf macht die Runde. Selbst der Interimspräsident der Bündner SVP, Ueli Bleiker, äusserte sich am Freitag gegenüber BLICK in dieser Richtung: «Es könnte der Moment kommen, wo wir darüber sprechen müssten.» Zwar rückte er am nächsten Tag schon wieder davon ab. Dafür springt jetzt auch der SVP-Fraktionschef im Grossrat, Domenic Parolini, auf diesen Zug auf. Für ihn ist gemäss der «Südostschweiz» eine Sistierung «sicherlich eine Option».

Ein seltsames Doppelspiel führen auch Exponenten des Berner liberalen Flügels vor. Nationalrat Hans Grunder begrüsst einerseits die Gründung einer neuen Partei. Andererseits sagt er in der «Südostschweiz»: «Am einfachsten wäre es, Widmer-Schlumpf würde aus der SVP austreten.» So bliebe der Partei die schwerste Zerreissprobe ihrer Geschichte erspart.

Und ihm und seinen Mitstreitern die Entscheidung. Die könnte nämlich weh tun: Wer verzichtet schon gerne auf Posten und Kommissionssitze. Brändli, Präsident des Krankenkassen-Verbands Santésuisse, wohl kaum. Dort dürfte man kaum an einem teuren Mann an der Spitze interessiert sein, der im Parlament nur den Rückhalt einer Regionalpartei hat.

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