«Lahme Ente»

  • Publiziert: 10.00 Uhr, Aktualisiert: 03.01.2012

BERN – Der Rücktritt seines Generals hat für den Militärminister nicht zum Waffenstillstand geführt. Viele Zeitungskommentatoren fordern auch den Abgang von Bundesrat Schmid.

Schmid sei definitiv eine «lahme Ente», und für die Armee wäre es vermutlich am besten, wenn er raschmöglichst zurücktreten würde, meint die «Aargauer Zeitung». Schmids Führungsschwäche sei im Departement schon länger aktenkundig und eigentlich untragbar für ein Mitglied der Landesregierung, doppelt der «Tages-Anzeiger» nach.

Selbst bei den Kommentatoren der beiden grossen Berner Tageszeitungen «Berner Zeitung» und «Bund» hat der Berner Schmid seinen Kredit verloren. Schmid könne sich nur im Amt halten, weil gewisse Parteien kein Interesse an einer Vakanz hätten, meinen beide.

Dies heisse nicht, dass Schmid aus dem Schneider sei», so die «Berner Zeitung». Und: Wenn sich Schmid damit beruhigt, dass die nationalrätliche Sicherheitskommission nicht seinen Rücktritt fordert, dann mache er sich etwas vor, glaubt der «Bund».

Angst vor SVP-Rückkehr

Schmids könne sich nur halten, weil das Gros der Schweizer Politiker derzeit nichts mehr fürchte als eine Rückkehr der SVP in die Landesregierung, glaubt die «Neue Luzerner Zeitung». Es wäre Schmid zu wünschen, dass er in stillen Stunden selber zum Schluss komme, dass er nicht mehr der richtige Mann sei, heisst es in der «Thurgauer Zeitung».

Als gelbe Karte interpretiert die «Südostschweiz» den Entscheid der SiK. Eine parlamentarische Untersuchung eines Departements müsse unter normalen Umständen als Rücktrittsaufforderung interpretiert werden.

Schmid habe klar versagt, schreibt die «Basler Zeitung». Die Affäre Nef sei die letzte, gravierendste Fehlleistung eines längst als schwach erkannten Verteidigungsministers.

Pro-Schmid-Stimmen

In anderen Zeitungen finden sich aber auch gnädige Stimmen. Die Rücktrittsforderungen seien von der Kommission vernünftigerweise zurückgewiesen worden, meint die «Neue Zürcher Zeitung». Auch dieser Sturm werde an Samuel Schmid vorbeiziehen, glaubt das «St. Galler Tagblatt».

Schmid müsse sich im Moment keine Sorgen machen, glaubt auch «La Liberté», er sei unantastbar. Ausser für die Grünen und die SVP sei das Szenarium für die Nachfolge von Schmid noch nicht bereit.

Schmid stehe isolierter da als je zuvor, meinen dagegen zwei Westschweizer Zeitungen. Die politische Verankerung Schmids legitimiere ihn nicht mehr, Mitglied der Landesregierung sein, heisst es in «Le Temps». Für «24 heures» ist Schmid wörtlich «le poids mort du gouvernement». (SDA)

play Hat keine ruhigen Sommerferien: VBS-Chef Samuel Schmid. (Keystone)

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