Kritik von links bis rechts

  • Publiziert: 07.10.2007, Aktualisiert: 13.01.2012

BERN – Alle Parteien verurteilen die Berner Krawalle. Doch auch die Frage nach der Verantwortung der SVP wird gestellt.

Die SVP sprach von einer Schande für die Schweiz. Die Demokratie und das freie Wort seien mit Füssen getreten worden. Das Volk müsse zur Kenntnis nehmen, dass eine linksfaschistische Gewaltbereitschaft über die verfassungsmässigen Bürgerfreiheiten triumphieren könne. Dies seien die Früchte der links-grünen Politik, erklärte die SVP.

Auch die SP verurteilte die Gewalttätigkeiten aufs Schärfste und bezeichnete das Vorgehen der Chaoten als inakzeptabel. Die SP habe zwar die ausgrenzende und diskriminierende SVP-Kampagne wiederholt verurteilt. Dennoch gälten Grundrechte wie die Versammlungs- und Meinungsäusserungsfreiheit für alle. Die Jungsozialisten erklärten, dass die Ausschreitungen letztlich der SVP nützten, weil diese sich nun als Opfer linker Gewalt profilieren werde.

Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey zeigte sich traurig über die Bilder aus Bern. Ein paar Hundert Extremisten könnten die Demokratie aber nicht gefährden, sagte sie dem «SonntagsBlick». Die Meinungsäusserungsfreiheit und die Versammlungsfreiheit seien das Fundament der Demokratie. Sie appellierte zugleich an die Verantwortung aller Akteure: «Die derzeitigen Provokationen und Anschuldigungen in der Politik hinterlassen Spuren. Man soll aufhören, mit den Ängsten zu spielen, nur um ein paar Stimmen zu gewinnen», sagte die SP-Bundesrätin.

Der freisinnige Berner Polizeidirektor Stephan Hügli sprach von einem schwarzen Tag für die Demokratie und die Meinungsäusserungsfreiheit. Seine Kantonalpartei zeigte sich schockiert und verurteilte alle Form von Gewalt. Die FDP sah aber auch ein Resultat von stilloser Politik von links und rechts und erklärte: «Wer Hass sät, wird Hass ernten.»

Noch deutlicher auf Distanz zur SVP ging Bundesrat Pascal Couchepin im Westschweizer Fernsehen. Er sagte, er habe seine beiden SVP-Kollegen im Bundesrat gefragt, ob sich die Kundgebung wirklich lohne, wenn man wisse, dass die Polizei mit Ausschreitungen rechne. Der FDP-Bundesrat machte einen Kontrast aus zwischen der eigenen Partei, die zwei Wochen vor den Wahlen Zukunftsprojekte erörtere, und dem Theater der SVP, das für die beiden für die Sicherheit verantwortlichen Bundesräte unglücklicherweise damit ende, dass sie mitten in Ausschreitungen stünden.

Berns Stadtpräsident Alexander Tschäppät nahm auch die Organisatoren der unbewilligten linksalternativen Kundgebung in die Pflicht und sagte der «SonntagsZeitung», Stadtrat Daniele Jenni werde sich kritische Fragen gefallen lassen müssen. Im Zentrum vieler Reaktionen und Kritiken stand der Angriff der Randalierer auf den Bundesplatz und der Umstand, dass zu diesem Zeitpunkt keine Polizei präsent war.

Die Polizeispitze verteidigte sich mit dem Argument, dass die Einsatzkräfte kurzfristig zum Schutz der SVP-Anhänger und der eigenen Leute in die untere Altstadt abgezogen worden seien. Hätte sich die SVP auf eine Kundgebung auf dem Bundesplatz beschränkt, wäre der Schutz einfacher gewesen, sagte Polizeikommandant Jörg Gabi. (AP)

Mindestens 100'000 Franken Sachschaden

BERN – Die Schäden durch die gewalttätigen Ausschreitungen des «Schwarzen Blocks» gegen das SVP-Wahlfest vom Samstag in Bern belaufen sich nach einer ersten Aufstellung auf mindestens 100000 Franken. Mit einer sechsstelligen Summe sei klar zu rechnen, sagte Polizeisprecher Franz Märki. Er ging davon aus, dass noch weitere Schäden gemeldet werden. (AP)

Chaoten wieder frei

Die 42 bei den Krawallen festgenommenen Personen wurden noch im Laufe des Samstagabends alle wieder auf freien Fuss gesetzt, wie Polizeisprecher Franz Märki. Bei elf Personen handelte es sich um Jugendliche, vier waren Frauen. Zur Herkunft hatte die Polizei am Sonntag noch keine genauen Angaben. Einer der vorübergehend Festgenommenen sei ein Franzose.

Ausschreitungen auch in der Nacht

In der Nacht ist es zu weiteren Ausschreitungen gekommen. Vermummte bewarfen bei der Reithalle vorbeifahrende Autos mit Flaschen und Steinen. Dabei wurden auch zwei Polizeiautos beschädigt. Ein Polizist musste sich von einem Arzt behandeln lassen, nachdem er von einem Glassplitter einer geborstenen Autoscheibe im Gesicht getroffen worden war. Auch Feuer wurden gelegt und SVP-Plakate abgerissen. Die Polizei konnte keine Randalierer festnehmen. Sie zogen sich in die Reithalle zurück und mischten sich unter mehrere hundert Konzertbesucher. (AP)

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