Bei Krebs-Patientin Krankenkasse wollte Brust-OP nicht bezahlen

  • Publiziert: 02.08.2012
  • Von Karin Müller

ZÜRICH - Ein Gutacher der Visana wertete einen Eingriff nach Brustkrebs als Schönheits-OP. Die Patientenstelle Zürich gelangte ans Sozialversicherungsgericht.

Die Patientenstelle Zürich kämpfte kürzlich gegen einen Vertrauensarzt der Krankenkasse Visana. Nach einer Brustkrebsdiagnose musste einer 48-jährigen Frau die linke Brust entfernt werden.

Ein schwerer Einschnitt in die Unversehrtheit einer Frau. Sie muss sich einerseits mit ihrer Krebserkrankung auseinandersetzen. Andererseits wird die  Krankheit durch die fehlende Brust jeden Tag sichtbar. Dies erst recht, weil die Frau einen grösseren Brustumfang hatte.

Abwehrreaktionen gegen mehrere Implantate

Die Patientin bekam einen Brustaufbau. Doch ihr Körper zeigte Abwehrreaktionen gegen mehrere Silikonimplantate. Ihr behandelnder Arzt riet, die Prothese total zu entfernen. Und: Durch die Asymmetrie litt die Patientin unter Haltungsschäden und vermehrten Rückenschmerzen.

Nach mehreren intensiven Gesprächen mit ihrem Arzt und dem Einholen einer Zweitmeinung entschloss sich die Frau, zusätzlich die noch bestehende Brust zu verkleinern. So wurden ihr rund 550 Gramm der gesunden Brust abgenommen. Dadurch gingen die Schmerzen und das Rückenleiden merklich zurück.

Kassenarzt taxierte Eingriff als Schönheits-OP

Ein klarer Fall für die Krankenkasse? Mitnichten. Der Vertrauensarzt der Visana lehnte die Kostenübernahme ab und behauptete, die 48-Jährige hätte durch die Brustverkleinerung eine Schönheits-Operation machen lassen.

Laut Erika Ziltener vom Dachverband Schweizerischer Patientenstellen sind solche Auseinandersetzungen mit Vertrauensärzten keine Einzelfälle: «Es geschieht immer wieder, dass sich Patienten in Zeiten, wo sie eh schon gesundheitlich angeschlagen sind, noch gegen ihre Krankenkasse oder einen Kassenarzt kämpfen müssen.» Die Betroffene wandte sich an die Patientenstelle.

Visana lenkte schliesslich ein

Erika Ziltener: «Wir forderten vom Vertrauensarzt eine sorgfältige und objektive Prüfung des Sachverhalts. Denn nach einer Brustentfernung ist die Rekonstruktion eine Pflichtleistung der Krankenversicherung.»

Der Visana-Vertrauensarzt zeigte wenig Einsicht. Die Patientenstelle rief darauf das Sozialversicherungsgericht an. Während des laufenden Gerichtsverfahrens entschied die Krankenkasse schliesslich zugunsten der Patientin und übernahm die Kosten vollumfänglich.

Beliebteste Kommentare

  • Vreni  Meier , Schweiz
    Wollt ihr wirklich noch mehr aus der Grundversicherung streichen? Vor 30 Jahren kostete die Krankenkasse 80Fr und alle Leistungen waren inbegriffen. In Österreich kostet die Krankenkasse derzeit 80€ und man bezahlt keinen Selbstbehalt. Scheint zu funktionieren - aber bei uns läuft alles den bachab. Die Möchtegern Gesundheitspolitiker von SVP und FDP, die im Grunde die grössten Pharmalobbysten sind, tun ihr übriges, um die Situation zu verschlimmern. Vielleicht ist die Einheitskasse tatsächlich unsere letzte Hoffnung, das Gesundheitssystem wieder in den Griff zu bekommen.
  • Adrian  Teuscher , via Facebook
    Viele Dank, das ist dann mein Argument wenn der nächste Visana Agro-Makler anruft!

Alle Kommentare (34)

  • Heiniger  Silvia
    Ich frage mich schon lange, für was haben wir so teure Krankenkassen???? Viele können die KK bald nicht mehr bezahlen, und dann muss man erfahren, das bei einer schwerwiegende Krankheit die Kosten zuerst nicht bezahlten werden wollten. Zum Glück hat sich die Patientin richtig gewehrt, das zeigt doch auch auf, das man als Patientin doch zum Ziel kommt. Ich hoffe Sie das Leben in Zukunft wieder gniessen kann!

    Zum Glück muss ich die Schulmedizin nicht in Anspruch nehmen, und muss trotzdem KK-Prämien bezahlen.... meine Ansicht wäre, die unterem Jahr die KK nicht belasten, sollten auch honoriert werden von den KK.
    Eine Einheitskasse wäre wohl für die Zukunft das Beste, da könnten viele Verwaltungskosten eingespart werden, und somit würden die Prämien an vielfaches wieder billiger werden!
    • 03.08.2012
    • 16
    • 8
  • Nadja  Kopp
    Hört doch bitteschön auf zu jammern! Das Leben in der Schweiz ist halt einfach teuer..

    Viele verstehen unter Krankenkasse: Ach ja, jetzt muss ich in die Massage, ich habe das bei meiner Krankenkasse eingeschlossen! Ach ja, Fitnessabo auch gerade, wenn ich schon Geld bezahle für das! Viele verstehen unser Gesundheitssystem soviso nicht. Machen wir doch weiter so, möglichst viel in die Grundversicherung einschliessen. Jeder motzt, jeder klagt. Jedoch haben die wenigsten eine Ahnung. Geht noch mehr zum Arzt, habt noch mehr "Leiden". So kann es nicht funktioneren.

    Zahlt so viel ihr könnt selber, die Franchise so hoch wie möglich setzen, ein Hausarztmodell abschliessen, Zahnversicherung!!!! und mindestens die allgemeine Spitalversicherung, da es sehr schwierig ist, im Alter noch in die Zusatzversicherung hinein zu kommen. Und schaut auf dem Markt nicht nach Billigkassen, denn diese sind vielleicht im Moment günstig, werden jedoch in den nächsten Jahren massiv in die Höhe steigen.
  • Daniel  Muenger , Zürich
    Auch da gehen sie hin, in Rechtsstreite, unsere teuer bezahlten Krankenkassenbeiträge. Deshalb unbedingt eine grosse All-Inklusive-Kranken-Versicherung! IV, SUVA und KK zusammenführen, sonst verbuttern sie als Einzellösungen weiterhin Milliarden in unzähligen Rechtsstreitigkeiten gegeneinander.
  • Lichtenhagen  Peter , Adliswil
    Liebe KK Manager, liebe Bürgerliche PolitikerInnen, liebe Neoliberale

    Dieser Beitrag zeigt inemal mehr auf dass es in unserem Gesundheistsystem die soziale Komponente klar abhanden gekommen ist. Zu gunsten eines Neoliberalen von Raffgier gesstützten System wo eine Zweiklassengesellschaft herrscht. Es kann doch nicht sein das unsere Gesunsheitssystem, welches ich immer noch als eines der besten dieser Welt ansehe von einigen wenigen Reichen kaputtgemacht wird. Die Schuldigen sind in Bern Lobby, Basel Pharmabrnache und dann auch in Herrliberg zu finden.
    Wir alle sollten den Menschen in den Mittelpunkt stellen und nicht den Dollar, Euro oder Franken. Raffgier macht nur kurzfristig glücklich.
  • Melanie  Hauser
    Bei diesem Fall handelt es sich um die gesunde Brust, welche nicht vom Krebs befallen ist. m.E. ist die Grundversicherung für die erkrankte Brust kostenpflichtig und nicht für die gesunde Brust. Die Kasse hat ja für die erkrankte Brust sämtliche Aufbaukosten übernommen. Dies steht übrigens auch im KVG. Wie der Artikel festhält, ist die Rekonstruktion nach einer Brustentfernung eine Pflichtleistung der Krankenkasse. Diese Kosten hat ja die Visana ohne wenn und aber übernommen. Schön, dass sie überhaupt kulant war die zusätzlchen Kosten zu übernehmen. Dies muss auch mal gesagt werden!!
    Wir können uns in diesem Land wirklich nicht beklagen. Schaut mal ins Ausland...
    • Gabriela  Dänzer
      Liebe Frau Hauser

      Ich hoffe Sie erkranken nie ernsthaft selber.
      • 03.08.2012
      • als Kommentar auf Melanie  Hauser
      • 38
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    • Gabriela  Dänzer
      liebe frau hauser

      ich hoffe sie werden nie ernsthaft krank!
      • 03.08.2012
      • als Kommentar auf Melanie  Hauser
      • 66
      • 9
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