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Was würden Sie tun? Wenn Ihnen Krankenkassen-Minister Pascal Couchepin folgenden Deal vorschlagen würde: «Wenn Sie 5 Franken investieren und sich 30 Minuten Zeit nehmen, schenke ich Ihnen 760 Franken.»
Würden Sie auf das Geschäft eingehen? Blöde Frage? Leider nein: Drei Viertel aller Schweizer gehen nicht auf den Deal ein. Für drei Viertel aller Schweizer sind 755 gesparte Franken anscheinend kein Anlass, auch nur einen Finger zu rühren.
760 Franken: So viel könnte jeder von uns im Schnitt sparen, wenn er mit seiner Grundversicherung zur günstigsten Krankenkasse wechseln würde. Für uns alle zusammen läge das Sparpotenzial laut dem Internet-Vergleichsdienst Comparis bei fast 5 Milliarden Franken. Nicht Millionen – Milliarden! 5 Milliarden.
Trotzdem wechselt fast niemand die Kasse. Obwohl jede in der Grundversicherung das exakt gleiche Produkt anbietet. Das zu 100 Prozent identische Produkt. Das Gesetz schreibt genau vor, was die Kassen zahlen müssen. Und für alle Kassen gilt das gleiche Gesetz.
Wechsel ohne Risiko
Ein Wechsel von einer teuren zu einer billigen Kasse ist also völlig ohne Risiko. Wer krank ist oder wird, ist bei allen Kassen genau gleich geschützt. Niemand darf abgelehnt werden. Egal ob alt oder jung, ob gesund oder gebrechlich. Selbst Schwerstkranke müssen von jeder Kasse aufgenommen werden. Ohne Wenn und Aber.
Kommt hinzu: Der Kassenwechsel ist ein Kinderspiel. Alles, was es braucht, ist ein eingeschriebener Brief. Der kostet eben 5 Franken. Darin stehen folgende Sätze: «Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit kündige ich meine Grundversicherung per Ende Dezember. Bitte schicken Sie mir eine Bestätigung der Kündigung. Freundliche Grüsse.» Der Brief muss jeweils Ende November bei der Krankenkasse sein. Mehr braucht es nicht. Eine Sache von 30 Minuten.
Ein Kinderspiel, mit dem beispielsweise eine 4-köpfige Familie in der Stadt Zürich mehrere tausend Franken pro Jahr spart (siehe Tabelle). Bei der teuersten Kasse zahlt die Familie fast doppelt so hohe Prämien wie bei der billigsten Kasse. Für genau das Gleiche.
«Ich bin zu bequem»
Halten wir fest: Ein Kassenwechsel ist risikolos, einfach, schnell erledigt und spart viel Geld.
Warum wollen dann drei Viertel der Schweizer nichts davon wissen? Warum verschenken wir freiwillig 5 Milliarden?
Häufigste Antwort der Nicht-Kassenwechsler laut repräsentativen Umfragen: «Ich bin mit meiner bisherigen Krankenkasse zufrieden.» Wie bitte? Wie kann man mit einem Angebot zufrieden sein, das einem massiv überteuert angeboten wird? Sinn macht das nicht, vernünftig ist es ebenso wenig.
Da ist die zweithäufigste Antwort der Nicht-Wechsler wenigstens ehrlich: «Ich bin zu bequem.»
Die Schweizer nerven sich über die fetten Margen der Pillenhersteller, motzen über die unverschämten Löhne der Krankenkassen-Bosse und rufen aus über die saftigen Tarife der Spitäler. Aber wenn sie selbst einen dreizeiligen Brief schreiben müssten, um auf einen Schlag mehrere hundert Franken zu sparen, tun sie nichts.
Offensichtlich ist der Leidensdruck in der Bevölkerung nicht gross genug, um auf Couchepins Deal einzugehen – und das mitten in der grössten Wirtschaftskrise und trotz absehbaren Prämienerhöhungen von bis zu 14 Prozent.
Viele Schweizer jammern über die hohen Prämien, wechseln die Kasse aber nicht. Was halten Sie davon?