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Ueli Mäder ist Soziologie-Professor – und Fussball-Fan. Bereits als 12-Jähriger radelte er mit seinen Kumpels 25 Kilometer weit ins «Joggeli», um den FC Basel anzufeuern. Damals, in den 60er-Jahren, ging rund ums Stadion noch alles friedlich zu und her – im Gegensatz zu heute.
Die heftigen Ausschreitungen nach der 1:3-Pleite des FC Zürich im Spitzenkampf gegen den FC Basel führten zu massiven Sachschäden, 14 Krawallbrüder wurden festgenommen – darunter auch vier Minderjährige.
Ueli Mäder: Ein Gewaltpotenzial haben wir alle. Im Fussball steigert es sich. Da spielen die Masse und die Rivalität mit. Zudem können sich einzelne so selber besser in Szene setzen. Aber bei den meisten Fans dominiert die Freude am Sport.
Es ist eine allgemeine Entwicklung, dass die Delinquenz bei den ganz Jungen steigt. Woran das genau liegt, ist schwierig zu sagen. Vielleicht weil die Teenager schon sehr früh viel Verantwortung übernehmen müssen und deshalb emotional überfordert sind. Ein Problem ist auch, dass wir ihnen viel Gewalt zumuten – gerade im Fernsehen.
In der so genannten Unterschicht gibt es zwar mehr körperliche Gewalt. Es ist eher selten, dass gut Ausgebildete an Fussballspielen handgreiflich werden. Dennoch: Es gibt Personen, die sich unter der Woche sehr angepasst verhalten und dann am Wochenende beim Stadion völlig überborden. Eines möchte ich festhalten: Häusliche Gewalt ist ein viel grösseres Problem für die Gesellschaft als die Strassenschlachten rund um Sportanlässe. Und diese Delikte im privaten Bereich kommen gerade auch in Haushalten mit höherem Einkommen vor. Aber das rechtfertigt keine Ausschreitungen im Sport.
Wichtig ist, was wir Erwachsenen vorleben. Wie wir beim Sport die Freude vermitteln. Und die Bedeutung des Sieges runterfahren.
Das könnte in Ausnahmen beruhigen, die Auseinandersetzung aber tendenziell eher anheizen. So wie die Sektoren mit den eingepferchten Fans, die sich hoch schaukeln und mit der provokativ aufgerüsteten Polizei anlegen. Wir sollten die Stadien offener und durchmischter gestalten. Dann funktioniert auch die Selbstkontrolle besser.