Pierre Koella (71) war ein Fall für die Bundesanwaltschaft Knast für Vignetten-Sünder

Weil er die Vignette mit Klebefolie fixierte, bekam Pierre Koella (71) eine saftige Busse.

  • Publiziert: 09.07.2012
  • Von Mark Walther
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Jetzt klebt sie fest! Pierre Koella fixierte die Autobahnvignette zuvor mit Selbstklebefolie, um sie leicht entfernen und ersetzen zu können. Dafür wurde er bestraft.

(Bertrand Rey)

Er ärgert sich wahnsinnig. Und das sei nicht gerade gesund in seinem Alter, meint Schulfotograf Pierre Koella (71) aus Lausanne. Grund für seinen Ärger ist die saftige Strafe, die er für nicht gesetzmässiges Anbringen der Autobahnvignette an seinem Mercedes aufgebrummt bekam.

«Ich habe sie zwar am korrekten Ort platziert, aber mit Selbstklebefolie befestigt», erklärt Koella. Damit verstösst er gegen das Gesetz. Anfang Juni ist er am Genfer Grenzübergang Bardonnex angehalten worden. «Da waren viel mehr Zollbeamte als üblich. Sie haben mein ganzes Auto durchsucht, sogar mit Spürhunden.»

Keine Gnade für den Vignettensünder

Die Zöllner bemängeln Koellas Autobahnvignette. Er muss vor Ort 500 Franken Busse hinterlegen. Dabei wollte Koella sich eigentlich nur lästige Handarbeit ersparen. «Ich finde es jedes Jahr mühsam, mit einer Rasierklinge die alte Vignette wegzuschaben. Ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste – man schneidet sich in die Finger und die Autoscheibe wird auch zerkratzt.»

Trotzdem macht das Gesetz vor Koella nicht halt. Letzte Woche flattert der Strafbefehl der Bundesanwaltschaft bei ihm ins Haus. Wegen «Fälschung amt­licher Wertzeichen» wird er zu einer bedingten Strafe von zehn Tagessätzen à 30 Franken und Busse von 200 Franken verdonnert. Zusätzlich zu den 500 Franken, die er schon bezahlt hat.

«Ich habe es nicht nötig zu fälschen»

Der Schulfotograf versteht die Welt nicht mehr. «Ich habe es in meinem Alter doch nicht mehr nötig, eine Vignette zu fälschen. Hier wird die Grenze des Grenzwertigen überschritten!», findet der Westschweizer.

«Ich habe mich mit dem Rechtsschutz des TCS in Verbindung gesetzt, auch an dem Tag, als ich am Zoll festgehalten wurde. Sie haben mir geraten, freundlich zu bleiben, um so die Busse runterzudrücken. Hat aber nichts gebracht.» ­Koella will gegen das Urteil auf jeden Fall Berufung einlegen. «Die Aussichten auf Erfolg sind gering. Denn rechtlich gesehen war die Vignette falsch angebracht», räumt der 71-Jährige ein. «Dennoch: Dass man wegen so etwas als Schwerverbrecher hingestellt wird und in den Knast wandern könnte, ist doch einfach nur lächerlich.»

So geht Vignette (viel)leicht ab

Jährlich stehen Autofahrer vor dem gleichen Problem: das lästige Entfernen der ausgedienten Autobahnvignette. Etliche Tipps dazu findet man im Internet. Besonders beliebt sind der Föhn, die Rasierklinge oder das Schweizer Sackmesser. Auch für die nervigen Klebereste auf der Scheibe findet man die Lösung: Nagellackentferner oder Brennsprit helfen hier. Sollte das alles nicht klappen, kann man einen netten Tankwart um Hilfe bitten.

Beliebteste Kommentare

  • Hansruedi  Meier
    Typisch Schweiz, ohne Vignette 200.-, falsch befestigte Vignette 500.- plus plus plus.. Leider wirklich typisch!!!!
  • Rolf  Oehen , Hünrnberg
    Ich hoffe er kämpft bis nach Strassburg. Wo ist unsere Justiz gelandet Frau Schlumpf?
    Verbrecher gröbster Art erhalten Unterstützung und psych. Unterstützung jeglicher Art. Und hier?
    Wo bleibt hier die Verhältnismässigkeit!!??
    Ich schäme mich immer öfter Schweizer zu sein!

Alle Kommentare (56)

  • Hugo  Lenggenhager , Zürich
    Es gibt nur eine Lösung um das ganze Vignetten- Theater jedes Jahr zu lösen.
    Das gleiche wie man es mit der Billag gemacht hat, für jeden Haushalt, ob Geräte vorhanden sind oder nicht.
    Ein Obligatorischer vernünftiger Vignettenbeitrag für jede eingelöste Nummer die man auf die Verkehrsjahresgebühr des Benützers traufschlägt.
    Dies hat nur Vorteile:
    1.Man muss nicht daran denken, ob man eine Eingelöst hat oder nicht.
    2.Kein Hin kleben und mühsames entfernen.
    3.Für Wechselnummer Besitzer auch nur Vorteile. Man braucht für weitere Fahrzeuge keine Plakette.
    4.Einen Obligatorischer Verkauf am Zoll für EU Reisende.
    5.Es braucht keine Vignettenkontrolle durch die Polizei sowie Administrations arbeiten durch die Behörden.
    6.Die Polizei kann sich wichtigeren Aufgaben widmen wie z.B. dem kriminalisierten Touristen gerecht zu werden und die Bevölkerung schützen
  • Peter  Hänsenberger
    Wenn unser Kuscheljustiz den Dreck am Stecken zeigen würden, wo sie selber verursachen, würden viele von dem Volk, verlangen das man im Bereich Kuscheljustiz aufräumen würde in den Ämter. Wer jemand mit Knast Droht nur weil man seine Vignette mit Selbstklebefolie befestig hat, wird auch nie den Mut haben sein wahrer Charakter zu zeigen wenn es um eine Strafe geht wo jemand getötet worden ist.
    • 09.07.2012
    • 31
    • 8
  • Christoph  Bodensohn , Rorschach
    Nun, ich finde es auch etwas hoch, aber es ist in 3 Sprachen beschrieben, wie die Vigniette an zu bringen ist.
    Also, liebe Autofahrer/inen.............aufmerksam lesen und für alle die es bis her noch nicht erwischt hat......Glück hält nicht ewig an.
  • Heinz  Schweizer
    Selber Schuld. Es gibt kein Grund die Vignette normal, wie ca.2 Millionen andere auch, aufzukleben. Muss einer ja schön blöd sein sich dabei die Finger zu verletzen oder gar die Scheibe zu zerkratzen.
    Wer dazu nicht mehr fähig ist soll doch den Lappen gleich abgeben.
  • Rees  Keller , Basel
    Und wieder mal ein Beispiel, dass unser Rechtssystem dringend überarbeitet werden sollte. Für dieses Vergehen total 1000.- zu berappen ist doch völlig absurd. Würde es begreifen, wenn solche Bussen ausgeteilt werden, wenn man am telefonieren ist oder im Auto Zeitung liest während der Fahrt. Der Strafenkatalog lässt mich immer wieder aufs Neue den Kopf schütteln...
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