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Frank A. Meyer am Brandenburger Tor: «Das alles muss einmal gesagt sein.»
(Antje Berghäuser)Wegelin-Banker Konrad Hummler ist nicht mehr Verwaltungsratspräsident der «Neuen Zürcher Zeitung». Die Klage der USA gegen seine Bank erfordere «den vollen Einsatz sämtlicher physischer und intellektueller Kapazitäten».
Nachfolger von Konrad Hummler ist Franz Steinegger, Nationalrat von 1980 bis 2003, Präsident der freisinnigen Partei von 1989 bis 2001.
Steinegger trägt den Übernamen «Katastrophen-Franz», denn er gilt als erprobter Krisenmanager: 1987 meisterte er die Überschwemmungskatastrophe in seinem Urnerland; 1999 rettete er mit seinem «bon sens helvétique» auch die Expo.02.
Was ist der Unterschied zwischen Franz Steinegger und Konrad Hummler? Der Rechtsanwalt aus Flüelen ist das Gegenteil des Bankers aus St. Gallen.
Steineggers persönlicher wie politischer Kanon besteht aus drei klassischen Begriffen: Mass, Vernunft, Anstand.
So verkörpert er auch Schweizer Freisinn: liberal mit Mass, veränderungsfreudig mit Vernunft, kämpferisch mit Anstand.
Und Konrad Hummler? Sein Netzwerk spann sich bis weit, sehr weit nach rechts, wo sich Populisten, Neokonservative und Neoliberale gute Nacht sagen – und den Morgen herbeisehnen, der ihnen endlich die publizistische Macht im Land bringen möge, die sich gegenwärtig auf die «Schweizer Monatshefte», die «Weltwoche» und die gerade klandestin gekaufte «Basler Zeitung» beschränkt.
Wäre die «Neue Zürcher Zeitung» nicht der krönende Schlussstein eines neuen rechten Medienkonstrukts?
Wer die NZZ in den letzten Monaten aufmerksam und kritisch las, konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, der prononciert rechte Geist Hummlers habe in manchen Artikeln Spuren hinterlassen. Zum Beispiel in der Propaganda für Blocher oder im blinden Beten für das Bankgeheimnis. Der «Tages-Anzeiger» zählte zehn Texte in einer einzigen Ausgabe der «NZZ am Sonntag» zum Fall Wegelin, in denen der Name Hummler «kein einziges Mal» vorkam.
Zensur durch Hummler? Wohl kaum. Selbstzensur durch die Schere im Kopf? Wohl schon.
Die «NZZ am Sonntag» gehört zum Besten, was die Schweizer Publizistik zu bieten hat. Und die NZZ ist immer noch eine Tageszeitung von europäischem Rang.
Hummlers Milieu aus politisch verbiesterten Verschwörern und marktradikalen Militanten passt zum Zeitungshaus an der Zürcher Falkenstrasse wie die Faust aufs Auge.
Dagegen passt Franz Steinegger vortrefflich auf den NZZ-Präsidentensitz, denn die «Neue Zürcher Zeitung» hat eine strategische Auf-gabe von hohem Rang: das journalistische Kapital als Schweizer Blatt im deutschen Sprachraum zu wahren – und zu mehren.
Ja, zu mehren! In Deutschland nämlich macht die liberal-konservative «Frankfurter Allgemeine Zeitung» intellektuell Bella Figura: mit einem Journalismus, der sich konsequent an bürgerlichen Tugenden orientiert – und deshalb auch konsequent am klassischen Kanon von Mass, Vernunft und Anstand.
Bürgerlichkeit bedeutet für die FAZ nicht nur Abgrenzung nach links, sondern ebenso Abgrenzung nach rechts. Die Zeitung geht mit Scharlatanerie und Schlawinertum hart ins Gericht – und zwar unbesehen des jeweiligen politischen Lagers, ob mit Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor Guttenberg oder Bundespräsident Christian Wulff.
Auch liefert die FAZ täglich ein faszinierend farbiges Denkblatt, vor allem in den Kommentaren auf der ersten Seite, aber auch in der Wirtschaft. Das Feuilleton unter seinem Spiritus Rector Frank Schirrmacher schliesslich ist schlicht Weltklasse.
Doch genug der Schwärmerei! Sie dient nur dem Wunsch, die «Neue Zürcher Zeitung» möge zurückfinden zu Freisinn im Wortsinn. Alles Kleinere und Engere ist dem Blatt, das doch so gerne Weltblatt wäre, nicht angemessen.
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