Kindsmord in Horgen

  • Publiziert: 24.12.2007, Aktualisiert: 03.01.2012

HORGEN – Dramatischer Anruf mitten in der Nacht. Eltern melden der Polizei die Ermordung ihrer Zwillinge. Doch stecken sie selbst hinter der Tat?

Kurz vor 02.30 Uhr alarmierten die Eltern die Polizei mit der Meldung, ihre Zwillinge seien umgebracht worden. Die Beamten rückten auf der Stelle zum Tatort aus, fanden aber nur noch den leblosen Körper des Knaben vor. Die eilends herbeigerufene Sanität versuchte noch, seine Schwester zu reanimieren. Doch alle Bemühungen waren vergebens, auch das Mädchen verstarb kurze Zeit später.

Laut Kantonspolizei Zürich muss davon ausgegangen werden, dass die beiden 7-jährigen Kinder Opfer eines Tötungsdelikts wurden. Unter dringendem Tatverdacht stehen ihre Eltern.
Die beiden mutmasslichen Täter, die 34- und 39-jährigen Eltern sind Schweizer, wie Kapo-Sprecherin Cornelia Schuoler sagte. Sie wurden verhaftet und der Staatsanwaltschaft für Gewaltdelikte zugeführt.

Die Eltern hätten die Tat nicht gestanden, präzisierte Polizeisprecherin Cornelia Schuoler. Wie die Zwillinge starben, wollte Schuoler aus ermittlungstechnischen Gründen nicht sagen. Das Tatmotiv sei unklar.
Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. (SDA/zeb)

Wieso kommt es zum Drama?

BRUGG – Bei Kindstötungen stehen häufig Selbstmordgedanken der Eltern oder eine Überforderungssituation im Vordergrund. Gerade in der Weihnachtszeit können sich die Stressfaktoren noch verstärken, wie Josef Sachs, Leitender Arzt bei Gerichtspsychiatrie der Psychiatrischen Klinik Königsfelden in Brugg, sagte.

Wenn Eltern ihre Kinder töten, geschehe dies häufig im Zuge eines Suizidgedankens. So stehe die Absicht, sich selbst zu töten am Anfang. Danach folge der Gedanke, was danach mit den allein gelassenen Kindern geschehe. «Sie wollen sie deshalb mitnehmen», sagte Sachs. Dann gebe es aber auch Überforderungssituationen. «Vielleicht sind die Kinder nicht einfach, geben besonders viel Arbeit oder die Eltern haben persönliche und finanzielle Probleme», erklärt Sachs. Dann würden die Kinder aus Verzweiflung getötet.

In der Weihnachtszeit könnten Stressfaktoren noch verstärkt werden. So sei der Anspruch auf Harmonie höher und für bereits überforderte Menschen könne der Stress den Tropfen darstellen, der das Fass zum Überlaufen bringe. (AP)

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