Ein Trend erfasst die Schweiz Kinder ohne Mann

  • Publiziert: 19.12.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Romina Lenzlinger
play Karriere wichtiger als Liebe? Doch die biologische Uhr tickt – da hilft nur noch eine Samenspende. (iStockphoto)

Karriere wichtiger als Liebe. Doch die biologische Uhr tickt – da hilft nur noch eine Samenspende.

Gabriela R.* ist attraktiv, sportlich – und erfolgreich. Die Juristin wohnt an bester Lage, leistet sich Gucci-Schuhe und Prada-Taschen. Doch ihren grössten Wunsch konnte sich die 38-Jährige lange nicht erfüllen: ein eigenes Kind.

«Ich bin beruflich total engagiert. Mir fehlt die Zeit, mich zu verlieben.»

Anfang des Jahres, nach ihrem letzten Geburtstag, begann sie sich zu fragen: «Bin ich schon zu alt für ein Baby? Was, wenn ich nicht mehr schwanger werden kann?» Das Problem quälte sie nächtelang.

anonymer Samenspender aus Spanien

Einen Partner hat die Zürcherin noch immer nicht. Und doch ist sie jetzt im 4. Monat schwanger – dank eines anonymen Samenspenders aus Spanien.

Den Entschluss zum Kind ohne Vater fasste sie an einem lauen Sommerabend im Juni. Vier Wochen später sass sie in einer Reproduktionsklinik im spanischen Alicante. Dort liess sie sich über die Risiken einer Schwangerschaft aufklären – und wählte schliesslich einen Spender aus.

«Haar- und Augenfarbe sowie die Körperstatur habe ich bestimmen können», sagt sie. Drei von fünf Kriterien, die das Institut den Patientinnen vertraglich garantiert. 10000 Franken gab Gabriela für die Behandlung aus – Hotel und Flug nicht inbegriffen.

Den Spender wird sie nie kennenlernen, selbst dann nicht, wenn ihr Kind eines Tages nach dem Papa fragen sollte. Auch das gehört zu den Vertragsbestimmungen.

Kein Einzelfall

Ist Gabriela R. ein Einzelfall? «Ganz und gar nicht», sagt der Schweizer Reproduktionsmediziner Peter Fehr. «Die Nachfrage von Single-Frauen nach Samenspendern steigt rasant. Ein Trend, der sich zum Gesellschaftsphänomen entwickelt.»

Neben R. aus Zürich reisten allein in diesem Jahr 247 weitere Schweizerinnen nach Alicante, um sich künstlich befruchten zu lassen. 2008 waren es noch 156. Für das kommende Jahr rechnet Fehr mit bis zu 380 Frauen (siehe Tabelle, rechts).

Neue Anlaufstelle in Zürich

Inzwischen eröffnete er mit dem spanischen Reproduktionsmediziner Jon Aizpurua eine Anlaufstelle in Zürich. Fehr: «Beratungsgespräche sind in der Schweiz legal.»

Als «emanzipiert und beruflich erfolgreich», beschreibt Aizpurua seine Schweizer Klientinnen. «Die Frauen, die in meine Praxis kommen, sind gut informiert, wissen, was sie wollen und können sich als Alleinerziehende bestens behaupten», so der Arzt.

Auch sei das Aussehen des Samenspenders für viele nebensächlich. «Ein gebildeter Spender mit gesundem Samen ist den meisten Frauen lieber als ein Muskelprotz», sagt Aizpurua.

Auch Gabriela möchte ein intelligentes Kind. «Einen Schönling hätte ich auch in der Disco finden können», sagt die werdende Mutter, für die immer klar war: « Ich hätte mein Kind nie irgendeinem Mann untergejubelt – dafür bin ich einfach zu korrekt.» 

*Name der Redaktion bekannt

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