Schweinegrippe Kein Impfstoff für die Schweiz

  • Publiziert: 13.06.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Guido Schätti und Iso Ambühl

Novartis hat einen Impfstoff gegen Schweinegrippe hergestellt. Die Schweiz stehe aber nicht auf der Lieferliste, sagt Novartis-Manager Andrin Oswald.

Gegen 150 Tote, fast 30000 Kranke in 47 Ländern: Die Schweinegrippe ist weiter auf dem Vormarsch. Epizentrum ist derzeit der amerikanische Kontinent. Doch spätestens im nächsten Winter wird das Virus auch bei uns wüten.

«Die Gefahr wird sich nicht verflüchtigen», sagt Andrin Oswald (38), Chef der Impfstoff-Division beim Pharmamulti Novartis. Bei Ausbruch der Krise vor sieben Wochen habe man noch hoffen können, das Schweinegrippevirus A (H1N1) werde sich auf Mexiko und Nordamerika beschränken. Ein Irrtum: «Derzeit breitet sich das Virus auf der südlichen Hemisphäre aus», sagt Oswald. In Südamerika und Australien steigt die Zahl der Fälle rasant an.

Für den Manager mit Medizinstudium ist deshalb kar: «Bei der nächsten Grippewelle im Norden wird das Virus mit viel grösserer Wucht auf uns zukommen.» Schon heute sei das Schweinegrippevirus aggressiver als normale Grippeviren. «Für junge Leute und Patienten mit schwachem Immunsystem ist es sehr gefährlich.» Mit Mutationen könnte es noch aggressiver werden.

Der Run auf die Impfstoffe ist voll im Gang. «Die Produktionskapazitäten werden mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht reichen, um die Nachfrage zu decken», sagt Oswald. Vier Pharmafirmen wollen einen Impfstoff entwickeln, geschafft hat es bislang erst Novartis. Wer zuerst bestellt hat, wird von den Baslern auch zuerst beliefert. «Diese Länder waren bereit, einen Teil der Investitionen zu tragen», sagt Oswald. Nun sollen sie belohnt werden. Zu den Glücklichen gehören die USA und verschiedene europäische Länder. Und die Schweiz? «Sie hat keinen Vertrag mit uns», sagt Oswald.

Immerhin: Die Schweiz hat vor zwei Jahren einen Vertrag mit GlaxoSmithKline abgeschlossen. Bleibt zu hoffen, dass den Briten auch bald der Durchbruch gelingt.

Impfstoff-Chef: «Das ist kein Zufall»

Einen Tag, nachdem die WHO die höchste Pandemie-Alarmstufe ausgerufen hat, meldet Novartis, man habe einen Impfstoff produziert. Ein Zufall?
Andrin Oswald:
Dass wir exakt am Tag zuvor den Durchbruch geschafft haben, ist tatsächlich Zufall. Kein Zufall ist aber, dass wir schon sehr früh angefangen haben, mit neuen Produktionstechnologien zu arbeiten, die auf Zellen basieren. Dadurch konnten wir schneller einen Impfstoff produzieren.

Was ist neu daran?
Bislang stellte man Impfstoffe her, indem man Embryonen in Eiern mit dem Virus infizierte und dieses dann herausdestillierte. Dafür braucht man Millionen von Eiern, entsprechend viele Hühner – und viel Zeit. Neu werden Zellkulturen geklont und mit dem Virus infiziert. Aus dem replizierten Virus wird dann der Impfstoff hergestellt. Das geht viel schneller.

Wird Novartis auf den Patentschutz verzichten, um die Verbreitung des Impfstoffs zu fördern?
Unsere Grippeimpfstoffe haben keinen Patentschutz. Die Impfstoff-menge wird nicht durch den Patentschutz beschränkt, sondern durch fehlende Produktionskapazitäten und den fehlenden Willen der Regierungen, in solche zu investieren.

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