Kantonschemiker testeten Eisproben aus Bars und Beizen. Die Resultate sind gruselig: Achtung, S..eiss-Würfel!

Da dürfte vielen der Durst vergehen: Jeder vierte Eiswürfel in der Schweiz entspricht nicht der Norm. Manche enthalten sogar Fäkalbakterien.

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Im Cocktail, in der Cola oder pur: Eiswürfel erfrischen. Aber sind sie auch immer frisch? Die Frage beschäftigte im letzten Jahr die Kantonschemiker. In einer landesweiten Kampagne sammelten sie Proben in Restaurants, Bars und Kantinen. Die Resultate wollen sie im nächsten Quartal präsentieren. SonntagsBlick kennt bereits das wichtigste Ergebnis: 26 Prozent aller Eiswürfel fielen durch! Ihre «mikrobiologische Qualität» entsprach nicht den gesetzlichen Vorgaben.

Kommentieren könne er das Resultat noch nicht, sagt Otmar Deflorin (48), Präsident des Verbands der Kantonschemiker, der auch Vorsteher des Kantonalen Laboratoriums Bern ist. Dort fiel die Beanstandungsquote mit 29 Prozent «etwa gleich hoch aus wie bei der gesamtschweizerischen  Kampagne», sagt er.

Keiner putzt die Eismaschine

Die Mikrobiologen fanden überhöhte Mengen von Pseudomonas-Bakterien, die Infektionen auslösen können, und Fäkalkeime wie Enterokokken oder E.-coli-Bakterien, ebenfalls potente Krankheitserreger: «Ein deutliches Zeichen für eine unhygienische Herstellung der Eiswürfel», so Deflorin.

In manchen Fällen wandern die Keime über verschmutzte  Schöpfgeräte in die Eiswürfel. Oder das Wasser, aus dem sie hergestellt wurden, ist bereits verschmutzt. Und was ist der Hauptgrund für die Verunreinigung? Deflorin: «Dass die Eismaschine an sich nicht richtig gereinigt und gewartet wird.»

In vielen Betrieben fühlt sich offenbar niemand dafür zuständig. «Vor allem, wenn die Eismaschinen – wie häufig angetroffen – im Keller stehen.»

Wenn die Inspektoren einen Mangel entdecken, muss der Betrieb die Ursache abklären und  Massnahmen ergreifen, um die Kontamination künftig zu vermeiden. Zudem muss er auf eigene Kosten eine neue Probe analysieren lassen, um die Wirksamkeit seines Vorgehens zu belegen.

«In gravierenden Fällen erstatten wir Strafanzeige», sagt Deflorin. Wegen verunreinigter Eiswürfel sei dies aber noch nie geschehen. Fäkalkeime im Drink seien zwar unhygienisch, aber: «Die gefundenen Werte gefährden die Gesundheit nicht.»

Konsumentenschutz findet Resultate «erschreckend»

Sara Stalder (49) ist da skeptischer. «Gerade bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem können diese Bakterien beispielsweise zu schweren Magen-Darm-Erkrankungen führen.» Das Resultat der Untersuchung sei erschreckend, der Anteil beanstandeter Proben enorm hoch, so die Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz. «Im Ausland ist man immer vorsichtig mit Eis. Aber in der Schweiz würde man nie erwarten, dass jeder vierte Eiswürfel über dem Grenzwert liegt», so Stalder.

Es gehe nicht nur um die Gesundheit. «Wer für sein Essen bezahlt, der darf einwandfreie Hygiene erwarten.» Sie fordert einen Praxiswechsel in der Gastronomie. «Der Normalfall muss sein, dass man explizit Eiswürfel für sein Getränk verlangt. Und nicht, dass diese automatisch im Glas landen.»

Ein Praxis-Wechsel?

Casimir Platzer (54), Präsident des Branchenverbands GastroSuisse, hält dagegen: «Das wäre sicher nicht im Sinne des Gastes.» Bei vielen Cocktails oder auch einer Cola gehöre Eis einfach dazu. «Die Kunden wären enttäuscht, wenn sie ohne serviert würden.»

Die Ergebnisse der Untersuchung sind laut Platzer «unerfreulich». Er betont, dass die gemessenen Werte nicht gesundheitsgefährdend seien. «Mir jedenfalls sind keine Erkrankungen bekannt, die auf den Genuss von einem Getränk mit Eiswürfeln zurückzuführen sind.»

Publiziert am 26.03.2016 | Aktualisiert am 27.03.2016
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  • Annemarie   Setz 27.03.2016
    Am besten ist immer noch, auf Eiswürfel im Getränk zu verzichten, dann hat man nachher nichts zu jammern. Die Keimresistenz der Menschen nimmt immer mehr ab. Anderseits nehmen Mängel in der Hygiene zu. Heute kann ja jeder ein Lokal öffnen. Früher brauchte es viel mehr Vorkenntnis, Wirteprüfung, Fähigkeitsausweise. Schade.
  • uli  folly aus Genève
    27.03.2016
    Die Kantonschemiker geben die Proben Ergebnisse weiter an den an die entsprechende stelle beim Kanton,und vergeben die Warnungen oder können sogar das Lokal schliessen.Früher hatte man Kontrollen oft durchgeführt heute schläft man und nahm es nicht ernst.
  • Burkhard  Vetsch 27.03.2016
    Habt ihr es noch nicht gemerkt? Wir sind zu sterile.
    Wir haben die Milch direkt ab der Kuh gedruckten, den Apfel nicht gewaschen und die Erdbeeren ab dem Stock gegessen. Auch die Karotten haben wir einmal kurz abgewischt und dann gegessen.
    Die Sterilität führt zu Krankheiten, die man noch gar nicht kennt.
  • Matthias  Neuenschwander 27.03.2016
    Kein Problem: Resultate veröffentlichen, und der Markt wirds richten.
  • Patrick  Smart 27.03.2016
    kann sein.. aber z.B. bei McDonalds ist der Automat so eingestellt, dass immer die bezahlte Menge SoftDrink im Becher ist, das Eis kommt dann sep. dazu. Fair oder? Und erst noch billiger als in der Bar...
    • Burkhard  Vetsch 27.03.2016
      Auch bei Mc ist nicht alles Gold was glänzt.
      Fragt mal Insider, aber zur Panik reicht es nicht. Die macht nur die Behörde.