Weil die Stadt Pyros im Stadion erlaubt Kantone feuern vs. Zürich

Pyros bleiben verboten, das Abfeuern ist strafbar. Das teilten die Polizei­direktoren gerade den Fans mit. Doch die Stadt Zürich fällt den Kantonen in den Rücken.

  • Aktualisiert: 06.10.2012
  • Von Walter Hauser
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Wenn es nach der Stadt Zürich geht, sollen Fans Pyros in Stadien kontrolliert abfeuern dürfen. Die Polizeidirektoren sind dagegen.

(Keystone)
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Zürcher Fussballfans freuten sich diese Woche über eine Meldung der NZZ. Sie dürfen, schrieb das Blatt, am 24. November Feuerwerk abbrennen. Mit einer amtlichen Bewilligung und in einer speziellen Sicherheitszone des Letzigrund-Stadions. Die Sonderbewilligung gelte für das Spiel gegen Servette, das als unproblematisch eingestuft wird. Gewalttätigkeiten seien nicht zu befürchten.

Feuerwerk im Stadion – nachdem die Polizei Pyros daraus zu verbannen versucht?

Marc Caprez, Sprecher des zuständigen Zürcher Stadtrates Gerold Lauber, begründet das Zürcher Experiment so: «Ziel ist es, eine Lösung zu finden, die es den Fans erlaubt, bestimmte Feuerwerkskörper zu verwenden, ohne dass die Sicherheit dadurch gefährdet wird.» Eine Arbeitsgruppe mit den Stadträten Lauber und Daniel Leupi sei daran, einen Kompromiss mit allen Beteiligten zu finden. Involviert sind auch Sicherheitsfachleute und Fanvertreter.

Sollte sich die Arbeitsgruppe nicht einigen können, will man den geplanten Versuch wieder abblasen. Das von der NZZ genannte Datum dafür, der 24. November, stehe noch nicht fest, sagt Caprez.

Bei der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizei­direktoren (KKJPD) löste die Meldung aus Zürich Kopfschütteln aus. Sie Schweizer Polizeichefs stehen dem Zürcher Versuch höchst «skeptisch» gegenüber. Die politischen Verantwortlichen in Zürich würden ein völlig verkehrtes Signal aussenden – und die Bestrebungen im Kampf gegen den Hooliganismus unterlaufen, heisst es aus dem Umfeld der KKJPD.

Wer sich nicht an das Verbot hält, kommt in die Hooligan-Datenbank

Denn die Haltung der Polizei­direktorenkonferenz ist glasklar: Sie will Gewalt und Ausschreitungen in Schweizer Fussball- und Eishockeysta­dien eindämmen. Hooligans sollen künftig draussen bleiben.Deshalb verfügt die KKJPD strenge Massnahmen: Leichtbier mit maximal drei Prozent Alkohol bei normalen Spielen, Bierverbot bei Hochrisiko-Spielen (SonntagsBlick berichtete). Und: Abbrennen von Feuerwerk ist verboten.

Die Fans sehen das natürlich anders. Sie kämpfen hartnäckig dafür, ihre Klubs mit Fackeln und Raketen zu feiern. Das «Netzwerk Fan­arbeit Schweiz» hat dazu ein Papier verfasst. Dieses spricht sich klar für Feuerwerk an Fussball- und Eishockeyspielen aus.

Am 24. September hat die KKJPD die Vorschläge der Fans diskutiert – und ist zu einem eindeutigen Entscheid gekommen: Pyros bleiben verboten, eine Lockerung des Gesetzes kommt nicht in Frage. In einem Brief, der SonntagsBlick vorliegt, informiert die Konferenz die Fan-Gemeinde darüber. «Das Mitführen oder Verwenden von pyrotech­nischen Gegenständen gilt als gewalttätiges Verhalten», hält die KKJPD fest.

Wer sich nicht an das Verbot hält und mit den Pyros absichtlich Menschen gefährdet, kann in die Hooligan-Datenbank Hoogan aufgenommen werden. «Wir bitten Sie», heisst es im Brief an die Fans weiter, «mit uns zusammen darauf hinzuwirken, dass Pyros aus dem Umfeld von Sportveranstaltungen verschwinden. Eine positive Fankultur ist auch ohne Pyros möglich.»

Für «Alleingänge» wie jenen in Zürich hat beispielsweise der Zuger ­Sicherheitsdirektor Beat Villiger (CVP), Vizepräsident der KKJPD, «null Verständnis». Er könne nicht nachvollziehen, wie der Zürcher Stadtrat «ein derart falsches Signal setzen kann», sagte er zur «Neuen Luzerner Zeitung». An dem Pyroverbot will er unbedingt festhalten. Villiger: «Fackeln sind gefährlich und haben beim Sport nichts zu suchen.»

Busse möglich

Philippe Guggisberg, Sprecher der Swiss Football League, teilt die Bedenken. Solange das Abbrennen von Pyros gemäss den derzeit gültigen Regeln verboten sei, halte sich die Liga daran «und erachtet ein Mitführen von Feuerwerk an Spiele als illegal».

Die Liga hat die Möglichkeit, den FCZ zu bestrafen, falls er zulässt, dass Pyros im Stadion gezündet werden. Es droht ihm eine Busse – oder ein Geisterspiel ohne Zu-schauer.

Beliebteste Kommentare

  • Walter  Holtze , Frauenfeld
    Bravo FCZ, ich schlage vor, dass ein weiterer Sektor für kleine Schlägereien eingerichtet wird. Dadurch wird ein Fussballspiel noch attraktiver fü Zuschauer und Medien.
    W.Holtze, Frauenfeld
  • Beat  Steiner , Zug
    Wo Leben wir eigentlich?
    Vermutlich darf das ganze Stadion in Zukunft das Pausenbier nicht mehr trinken weil einige Fans, meistens dort anzutreffen wo auch das Feuerwerk gezündet wird, den Umgang mit Alkohol nicht unter Kontrolle haben. Aber genau diesen Idioten will man nun das abfackeln von Feuerwerk erlauben. Ich fühle mich verarscht vom Verein wie auch von der Stadt??.

Alle Kommentare (31)

  • Esther  Bosshart , via Facebook
    Dass der Kanton Stadtrat dies erlaubt, ist eine Schweinerei.
    Ein Vater kann mit sein fussballbegeistern Sohn nicht mehr an einen Match ohne Gefahr zu laufen.
    Der Stadtrat hat anscheinend Spass an Feuer und Schlägereien.
    • 07.10.2012
    • 6
    • 7
  • erika  muntwyler , zürich
    mir jagen solche bilder angst und schrecken ein. wohin führt dieser
    fussball noch hin. - also sowas subito verbieten und starke kontrollen rauch- und trinkverbot, sodass man wieder angstfrei hingehen kann und die sicherheit für alle gewährleistet ist. - man bezahlt ja schliesslich auch eintritt, die ja nicht billig sind. also dann möchte man doch das auf angenehme weise geniessen können.
    • 07.10.2012
    • 4
    • 11
  • Aldo  Squarise
    Für mich ein Grund, kein Fussballspiel im Letzigrund-Stadion mehr zu besuchen. Überlassen wir es den Hooligans mit ihren Pyros und ihrer Verantwortungslosigkeit gegenüber anderen Zuschauern. Lässt sich Stimmung nur mit dem Abbrennen der Pyros erzielen? Kläglich...
    • 07.10.2012
    • 10
    • 6
  • Andreas  Zehnder , Oberwil-lieli
    Die Idioten die Menschenleben gefährden dürfen alles und dem Familienvater oder Großvater verbietet man das matchbier. Schoene soziale Schweiz
    • 07.10.2012
    • 35
    • 7
  • Ruedi  Greub , Lotzwil , via Facebook
    Ich selbst gehe nicht an Fußballspiele.
    Aber wenn ich am TV sehe wie Fans Pyros zünden so sieht es nach sehr guter Stimmung aus.
    Leider gibt es dort auch Idioten die Pyros aufs Spielfeld und andere Personen werfen.
    Das find ich das eigentliche Problem nicht die Pyros an sich.
    Das Resultat ist das wo immer, weil ein par Idioten sich nicht benehmen können,
    müssen wieder einmal alle darunter leiden.
    • 07.10.2012
    • 26
    • 6
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