Kander-Drama: Luftwaffenchef Knutti fliegt

BERN – Das Kander-Drama führt zu personellen Konsequenzen in der obersten Armee-Führung: Luftwaffenchef Walter Knutti tritt per sofort zurück.

  • Publiziert: 20.06.2008, Aktualisiert: 14.01.2012
play Tritt nach dem Kander-Drama zurück: Luftwaffen-Chef Walter Knutti. (Reuters)

Nach dem Bootsunfall auf der Kander entlässt Armeechef Roland Nef Luftwaffenkommandant Walter Knutti. Eine exemplarische Massnahme: «Ich will Ordnung in der Armee. Wo keine Ordnung herrscht, werde ich sie durchsetzen», sagte Nef.

Selber bezeichnete er sich vor den Bundeshausmedien als «vehementen Verfechter des Ordnungsprinzips». Sein Credo sei das Dienstreglement. «Danach führe und handle ich, und das erwarte ich auch von meinen Untergebenen», sagte Nef.

Daran hat sich Knutti nicht gehalten. Drei Dossiers mit Vorschlägen für die Ausbildung zu Generalstabsoffizieren hat er an den Chef der Armee zur Genehmigung weitergeleitet, ohne diese vorher selber zu überpüfen.

Darunter war auch jenes des Kommandanten der verunfallten Kompanie, obwohl der Hauptmann das Mindestalter von 30 Jahren nicht erfüllte.

Mit anderen Worten: Um ein Haar wäre Yves M. also noch zu einem Beförderungs-Lehrgang zugelassen worden!

Das war rund zwei Wochen vor dem Vorfall auf der Kander.

Nach dem Unglück nahm Nef das Dossier des Kompaniekommandanten noch einmal unter die Lupe. Eine Untersuchung förderte weitere Fälle zu Tage, in denen Knutti die Dossiers nicht gecheckt hatte. Worauf der Armeechef ihm den Rücktritt nahelegte.

Für Nef ist dies nicht nur eine Vorschriftswidrigkeit, sondern ein Vertrauensbruch. Es sei die Pflicht jedes Kommandanten eines grossen Verbandes, sich persönlich mit der Person eines Anwärters und dessen Eignung als Generalstabsoffizier auseinanderzusetzen.

Er als Chef der Armee müsse darauf vertrauen können, dass seine direkt Untergebenen diese Aufgabe wahrnähmen, sagte Nef. In einem grossen System wie der Armee passierten Fehler. Unregelmässigkeiten bei der Kaderselektion dürfe es aber nicht geben, betonte Nef.

Pro Jahr absolvieren 30 bis 40 Offiziere den Generalstabslehrgang. Nach Angaben des Armeechefs wurden bei den Vorschlägen der anderen Verbänden keine Unregelmässigkeiten festgestellt. Keine Konsequenzen gibt es auch für andere Angehörige der Luftwaffe.

Am Donnerstag vor einer Woche kenterten auf der Kander zwei Armeeschlauchboote mit zehn Mann Besatzung. Vier Wehrmänner wurden bisher tot geborgen, einer wird noch vermisst. Fünf weitere Armeeangehörige wurden verletzt.

Bundesrat Schmid voll hinter Nef

Bundesrat Samuel Schmid stehe voll und ganz hinter Nef, sagte sein Sprecher Jean-Blaise Defago. Die vom Armeechef jetzt getroffenen Massnahmen unterstütze Schmid vollumfänglich.

Hans Altherr, Präsident der Sicherheitspolitischen Kommission (SIK) des Ständerates, sagte, es sei «ehrenwert», dass Knutti mit dem Rücktritt die Verantwortung übernehme.

Auch die Schweizerische Offiziersgesellschaft (SOG) wertet Nefs Durchgreifen als positives Signal. Es zeige, dass der Armeechef bereit sei, Konsequenzen anzuordnen, wenn Gründe dafür gegeben seien, sagte SOG-Präsident Hans Schatzmann (SDA)

play Das Kander-Drama erschüttert die Armee: Armee-Chef Nefgreift hart durch. (Keystone)

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