Hart gefragt «Kampagne? Das ist so etwas Doofes!»

  • Publiziert: 11.04.2008, Aktualisiert: 20.01.2012

Die SVP macht jetzt ohne ihn Politik. Doch Ex-Präsident Ueli Maurer redet sich gegen Eveline Widmer-Schlumpf ins Feuer wie in alten Tagen.

BLICK: Herr Maurer, ist Ihnen noch wohl bei der Kampagne der SVP gegen Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf?
Ueli Maurer: Das ist keine Kampagne gegen Frau Widmer-Schlumpf. Es geht darum, dass 30 Prozent der Bevölkerung nicht mehr im Bundesrat vertreten sind. Deshalb müsste sie zurücktreten.

Entschuldigung, Frau Widmer-Schlumpf wird von Ihrer Partei massiv unter Druck gesetzt. Das ist eine Kampagne.
Zu behaupten, das sei eine Kampagne gegen Widmer-Schlumpf und gegen die Frauen, entspricht der Realität bei weitem nicht. Das ist so etwas Doofes! Frau Widmer-Schlumpf hat mit der SP zusammengearbeitet, unserer schärfsten Konkurrentin, ohne uns etwas zu sagen. So jemand ist nicht tragbar.

Wenn Sie noch SVP-Präsident wären, hätten Sie also alles genau gleich gemacht?
Selbstverständlich. Frau Widmer-Schlumpf hat gelogen und die Partei hinters Licht geführt. Als Bundesrätin hat sie keinen Platz, weil sie das Volk nicht repräsentiert. Das ist ein Betrug am Volk, das SVP gewählt hat, damit die SVP-Politik im Bundesrat vertreten ist. Und das ist sie jetzt nicht.

Ihr Nachfolger Toni Brunner versucht doch einfach, mit dieser Kampagne aus Ihrem Schatten zu treten.
Nein, das stimmt nicht. Wir hatten solche Anträge gehabt und es war immer klar, dass es so laufen wird. Ob Brunner oder Maurer spielt überhaupt keine Rolle.

Sie bleiben also dabei: Widmer-Schlumpf muss nicht nur aus der Partei, sondern auch aus dem Bundesrat austreten.
Das wäre ein Akt staatsmännischer Grösse. Die Leute haben die SVP gewählt, weil sie diese Politik im Bundesrat wollen.

Trotzdem: Die Art und Weise, wie die Debatte geführt wird, wühlt das Volk auf. Ist das Ihr Stil?
Ja, es ist bis jetzt kein böses Wort gefallen. Aber alle jene, die dieses Debakel verschuldeten, haben jetzt ein schlechtes Gewissen. Und immer, wenn man keine sachlichen Argumente mehr hat, beginnt man, den Stil zu kritisieren.

Und Sie haben wirklich das Gefühl, dass das Volk das so versteht?
Nein, mit dieser Kampagne, die im Moment für Widmer-Schlumpf läuft, ist es in den nächsten paar Tagen noch ein wenig schwierig. Aber die Leute aus den vier Kantonen, in denen gewählt wurde, haben es verstanden und SVP gewählt.

Wird das nicht viel mehr zu einem Bumerang für die SVP?
Im Gegenteil, das stärkt die Partei, wenn wir das so
durchziehen.

Nehmen wir an, Bundesrätin Widmer-Schlumpf tritt zurück. Wird dann Christoph Blocher wieder als Bundesrat aufgestellt?
Die Frage hat man noch nicht diskutiert. Das ist offen.

Es gibt also keinen Vorschlag der SVP, wie es nach dem Abgang von Widmer-Schlumpf weiterginge?
Selbstverständlich würden wir einen Kandidaten oder eine Kandidatin aufstellen. Und dann gibt es wieder eine Wahl.

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