Jetzt zieht er sein Geld aus der Schweiz ab

  • Aktualisiert am 14.01.2012

BERN - Zuerst dreht Gaddafi der Schweiz den Ölhahn zu, jetzt zieht er seine Milliarden ab. Damit will er gegen die «Misshandlung» von lybischen Diplomaten durch die genfer Polizei protestieren.

Die libysche Regierung will ihre gesamten Guthaben von Schweizer Banken zurückziehen. Diese umfassen etwa acht Milliarden Franken, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Jana heute.

Im Bericht wurde auch ein Öllieferstopp bestätigt, den die Ölfirma Tamoil zuvor bekanntgegeben hatte. Jana beruft sich auf einen Verantwortlichen im Aussenministerium.

Man werde jegliche wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Schweiz einstellen, hiess es weiter. Mit dem Schritt wolle man gegen «die Misshandlung von libyschen Diplomaten und Geschäftsleuten durch die Genfer Kantonspolizei» protestieren.

Verhaftung des Gaddafi-Sohnes

Zwischen der Schweiz und Libyen hatte es in den vergangenen Monaten Spannungen gegeben, nachdem ein Sohn von Machthaber Muammar Gaddafi Mitte Juli in Genf vorübergehend festgenommen worden war. Der nordafrikanische Staat hatte bereits damals gedroht, der Schweiz den Erdölhahn zu schliessen.

Zwei Hausangestellte hatten Hannibal Gaddafi und dessen Frau der Nötigung, einfacher Körperverletzung und Drohung beschuldigt. Das Genfer Verfahren gegen das Paar war Anfang September eingestellt worden. Noch immer sitzen aber zwei Schweizer in Libyen fest.

Betroffen vom Öllieferstopp ist die Tamoil-Raffinerie in Collombey VS, die in libyschem Besitz ist, sowie die 320 Tamoil- Tankstellen in der Schweiz. Die Raffinerie in Collombey liefert jährlich 2,2 Mio. Tonnen Erdölprodukte, was einem Fünftel des schweizerischen Bedarfs entspricht.

Keine Bedrohung

Für die Schweizerische Erdölvereinigung ist der Lieferstopp ärgerlich, aber nicht bedrohlich, wie ihr Geschäftsführer Rolf Hartl am Mittwoch sagte. Die Versorgung mit Erdöl in der Schweiz sei dadurch nicht im Geringsten gefährdet.

Der libysche Lieferstopp würde in der Schweiz erst in zwei bis drei Wochen Auswirkungen zeigen, sagte Hartl weiter. Bis dahin hätten die Importeure Zeit, sich an andere Lieferanten zu wenden.
(SDA)

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