Wegen Rauchverbot in Discos Jetzt stinkts nach Schweiss

  • Aktualisiert am 19.01.2012
  • Von Hansjakob Frey
Rauchfrei Die vermeintlich saubere Luft wird durch unangenehme Gerüche getrübt.- Goran Basic

Manche Nachtschwärmer vermissen den guten alten Zigarettenrauch. Denn jetzt kommen alle unangenehmen Düfte zur Geltung, die vorher vom Qualm überdeckt wurden.

Seit dem 1. Oktober hat das St. Galler Partyvolk ausgeraucht. Die Luft ist aber nicht besser geworden. Benjamin Züllig (19) und Sven Geissler (19) stehen vor dem St. Galler Kugl-Club und paffen. «Es stinkt grausam da drin. Nach Schweiss, verschüttetem Bier und Parfum. Es ist unerträglich», klagt Benjamin. Sein Kumpel Sven rümpft ebenfalls die Nase: «Die grosse Mehrheit der Clubbesucher raucht ja sowieso. Der Geruch vom Qualm wär mir lieber.»

Der Neurologe und Geruchsspezialist Professor Reinhard Stocker von der Universität Freiburg bestätigt: «Zigarettenrauch maskiert unangenehme Gerüche, sodass diese nicht mehr wahrgenommen werden.» Als Rauchen noch erlaubt war, übertünchte der blaue Dunst alle anderen Gerüche. Das ist nun vorbei. In der Disco stinkts nun nach allem Möglichen: nach verschwitzten T-Shirts, penetranten Parfums und noch Schlimmerem: Hat sich ein Betrunkener übergeben, dann stinkt es tagelang.

Die Betreiber der Diskotheken haben das Problem erkannt. Roman Buff (26), Geschäftsführer des Backstage-Clubs in St.Gallen: «Wir haben erste Versuche mit Duftstoffen gemacht. In Zukunft werden wir über die Lüftung angenehme Aromen in den Raum blasen.»

Gegen das Schweissproblem haben bereits deutsche Diskotheken verschiedenste Massnahmen ergriffen. Einige Musikclubs richteten in ihren Toiletten Deo-Stationen ein. Andere installierten komplett neue Lüftungssysteme oder versprühen in regelmässigen Abständen angenehme Düfte über die Rauchmaschine.

Auch Lumnije Jahija (21) ist seit dem Rauchverbot zum ersten Mal im Ausgang. Mit einem Drink in der Hand, steckt sie sich vor der Tür gleich eine Zigarette an. Der Türsteher pfeift sie zurück: «Getränke nicht nach draussen nehmen!» Lumnije ist genervt: «Das isch de Tod!»

Drinnen dürfe man nicht rauchen, draussen nicht trinken. «Und dann stinkt es auch noch.» Bei fast allen St. Galler Partyfreunden ist die neue Geruchskulisse ein Thema. Auch Geschäftsführer Andi Messmer (35) vom Elephant-Club beklagt sich über die ungewohnte Geruchsbelästigung: «Man riecht, wenn jemand nicht geduscht oder vor dem Besuch einen Kebab verdrückt hat.» Über Abhilfe hat er noch nicht nachgedacht. Er will schauen, ob sich seine Gäste daran gewöhnen. 

Nur Ärger mit Rauchverbot

Seit dem Rauchverbot müssen sich die Clubbesitzer mit vielen weiteren Ärgernissen herumschlagen. Wenn sie drinnen nicht mehr rauchen dürfen, stellen sich die Gäste vor die Tür und machen Radau. Anwohner beklagen sich über die Lärmbelästigung, die Stadtreinigung beschwert sich über die weggeschmissenen Kippen.

Raucher, die im Regen oder in der Kälte paffen müssen, sind keine glücklichen Gäste. Deshalb stellen manche Betreiber ein Zelt mit Heizpilzen zur Verfügung. Diese Wärmequellen passen jedoch den Umweltschützern nicht, weil sie unnötig Energie verbrauchen. Clubs, die es sich leisten können, spendieren ihren Gästen ein Fumoir.

Für manchen ist das aber ein Stimmungskiller. Andi Messmer vom Elephant-Club: «Dann drängen sich alle im Raucherraum, anstatt sich auf der Tanzfläche zu vergnügen.» 

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