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Stimmen die Berechnungen von Professor Otto Rössler, müssen wir ab dem 1. August mit dem Schlimmsten rechnen: dass nach Inbetriebnahme des grössten Teilchenbeschleunigers der Welt am Genfer Forschungszentrum Cern sogenannte «Schwarze Löcher» entstehen.
Diese bestehen aus extrem verdichteter Materie und saugen durch ihre gewaltige Anziehungskraft alle Materie um sich herum auf – und könnten letztlich die ganze Erde verschlucken.
Die Physiker des Cern selbst lachen über Rösslers Warnung. Unverdrossen basteln sie weiter an ihrem Experiment, mit dem sie letztlich die Ereignisse bei der Entstehung der Welt, beim Urknall, nachstellen wollen. Gefahr durch Schwarze Löcher gebe es nicht, beteuern sie immer wieder. Wenn tatsächlich solche Löcher entstehen sollten, dann wären sie so klitzeklein, dass sie gleich wieder zerfielen.
Jetzt wird das Schwarze Loch zur Chefsache. Forschungsminister und Bundespräsident Pascal Couchepin (65) nimmt sich des Themas an und wird nach seinen Ferien Rössler persönlich empfangen.
Das Treffen eingefädelt hatte der grüne Nationalrat Daniel Vischer (58). «Ich habe Rössler in Zürich getroffen und halte ihn für eine nachdenkliche, seriöse Persönlichkeit», hatte Vischer dem Forschungsminister geschrieben. Und Couchepin aufgefordert, eine öffentliche Debatte unter Wissenschaftlern über Rösslers Thesen zu organisieren.
«Die Warnung vor einer möglichen Gefahr durch das Experiment kann uns nicht gleichgültig sein», ist Vischer überzeugt.
Dass gleich die ganze Welt untergeht, glaubt auch Vischer nicht. Seine Sorgen sind noch von ganz anderer Natur: «Weil das Cern aufgrund seiner absoluten Immunität rechtlich nicht belangbar ist, könnte die Eidgenossenschaft als einer der Betreiber-staaten für Schäden haftbar gemacht werden.»
Vischers Argumente leuchteten offensichtlich auch Couchepin ein. Postwendend liess er durch sein Büro ausrichten: «Herr Bundespräsident ist bereit, Herrn Professor Rössler zu empfangen.» Soll es nicht nur ein Alibi-Treffen werden, muss es bald stattfinden. Am 1. August startet das Experiment – in 10 Tagen.
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Bundesrat Couchepin wird Professor Rössler empfangen. (Keystone)