Korruption, Bestechung und Millionengewinne? Jetzt nehmen Schweizer Politiker die Fifa ins Visier

BERN - Das Negativ-Image der Fifa schadet der Schweiz, glauben Politiker. Jetzt fordern sie in Bern und Zürich mehr Transparenz beim Weltfussballverband – sonst soll Schluss mit Steuergeschenken sein.

  • Publiziert: 01.06.2011, Aktualisiert: 20.01.2012

Das Fifa-Affentheater sorgt auch für rote Köpfe in der Politik. «Ich habe Angst um die Reputation unseres Landes», sagt Nationalrat Roland Büchel (SVP/SG) heute im BLICK.

Der Rheintaler hat deswegen der Fifa im Parlament den Kampf angesagt.

«Schwarzgeld-Oase Schweiz»

«Als ich während der WM-Vergabe 2010 in England war, hiess es nach dem Verdikt: Typisch Schweiz dort ist so etwas möglich», sagt Büchel.

Es ist bekannt: Die WM wurde in den Wüstenstaat Katar vergeben. Und noch immer bestehen Zweifel, ob die Wahl sauber ablief. Das Gschtürm vor der heutigen Präsidentschaftswahl ist der beste Beweis für das Misstrauen gegen die Fifa-Chefs.

Auch «Spiegel online» schreibt in einem Artikel über die Fifa von der «Schwarzgeld- und-Kriminellen-Oase Schweiz».

Verfahren gegen die Fifa läuft

Illegale Machenschaften im Dunstkreis der Fifa sind nämlich längst keine blossen Gerüchte mehr. Als der Fifa-Vermarkter ISL (Firmensitz in Zug) Konkurs anmelden musste, wurden Schmiergeldzahlungen über 140 Millionen Franken publik.

Die Staatsanwaltschaft Zug hat ein Verfahren gegen die Fifa eingeleitet. Diese versucht mit allen juristischen Mitteln, die Angelegenheit unter den Tisch zu kehren ().

Der Bundesrat soll die Fifa unter die Lupe nehmen

Stehen Grossorganisationen mit Sitz in der Schweiz über den hiesigen Gesetzen? Nein, heisst es im Nationalrat. Er hat deswegen bereits Ende 2010 eine Motion an den Bundesrat verabschiedet: Der Bundesrat muss bis Ende 2011 aufzeigen, wie Fifa, Uefa oder etwa das IOK Korruption bekämpfen.

Als deren Gastgeber müsse die Schweiz alles Interesse daran haben, dass diese Verbände ihre Geschäfte sauber führen.

Erfüllen Fifa und Kosorten nicht, muss man ihnen den Vereinsstatus aberkennen, verlangt Roland Büchel. Für Fifa, Uefa und Co. würde das bedeuten: Steuern zahlen.

Denn als gemeinnützige Organisationen werden sie kaum besteuert. Unglaublich, wenn man bedenkt, dass die Fifa alleine in diesem Jahr rund 200 Millionen Franken Gewinn machte. Büchel betont, dass es ihm nicht ums Geld geht: «Mir geht es primär um den Ruf unseres Landes.»

Zürich nimmt Steuerbegünstung der Fifa in Angriff

Auch in der Stadt Zürich wächst der Unmut der Politiker über die lasche Besteuerung der Fifa. Der Regierungsrat wurde von SP-Parlamentariern beauftragt, zu prüfen, ob die Fifa die Bedingungen für die Steuerbegünstigungen wirklich erfülle. (rrt)

play Sorgt sich wegen der Fifa ums Image der Schweiz: Nationalrat Roland Büchel (SVP/SG) (RDB)

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Schweiz

Soll die Schweiz Vereinen wie der Fifa weiterhin Gastrecht gewähren und sie von Steuern befreien?»

  • 11,6% Ja, wir profitieren von den grossen Verbänden.
  • 76,2% Nein, diese Milliardenkonzerne sollen Steuern zahlen oder gehen.
  • 12,2% Was soll die Frage? Die Banken werfen wir ja auch nicht raus.