Affäre Gaddafi «Jetzt ist fertig mit Entschuldigungen»

  • Publiziert: 01.10.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Lilian Spörri
play Er will ein weiteres Sorry von der Schweiz: Hans-Rudolf Merz (l.) und Muammar al-Gaddafi beim Treffen in New York. (Keystone/«10vor10»)

BERN – Wüstendiktator Gaddafi will eine erneute Entschuldigung. Wegen der Veröffentlichung der Polizeifotos seines Sohnes. Diese Forderung empört die Schweizer.

Er hat noch nicht genug: Muammar al Gaddafi will eine zweite Entschuldigung. Eine erneute Entschuldigung dafür, dass durch eine Lücke bei der Genfer Polizei Fotos seines Sohnes Hannibal nach der Verhaftung veröffentlicht wurden. «Für ihn (Muammar al-Gaddafi) war das der Beweis, dass die Schweiz die Libyer ein weiters Mal demütigen wollte», sagte Merz in einem Interview mit «LHébdo».

Die Schweizer sind erzürnt über diese Forderung. «Beendet mal die diplomatischen Beziehungen mit diesem Irren aus Libyen. Die Geiseln wird er NIE freilassen», fordert Blick.ch-Leser René Meyer. «Die Schweiz ist ein Witz. Am besten noch zehn Mal entschuldigen und noch Lösegeld bezahlen, natürlich mit Steuergeldern», ärgert sich Gregor Gautschi aus Chur.

Spiess nun umdrehen

Nicht nur die Schweizer Bevölkerung ist verärgert über diese neuste Entwicklung. Auch SVP-Nationalrätin Natalie Rickli hat kein Verständnis mehr: «Jetzt ist fertig mit Entschuldigungen!», verlangt sie. «Bundesrat Merz soll sich einfach nicht mehr Richtung Libyen bewegen.» Man müsse nun den Spiess umdrehen und die Gespräche abbrechen. «Sonst verkommen wir definitiv zur Lachnummer der Welt!» Rickli meint, Libyen werde seinem Ruf als Schurkenstaat immer noch gerecht.

Erstaunt reagiert SP-Nationalrat Mario Fehr: «Bundesrat Merz sollte jetzt einfach schweigen», findet er. «Für ihn, die Schweiz und die Geiseln.» Er könne nicht verstehen, dass er sich erneut so in einem Interview äussere. «Offenbar hat er ja in der Affäre Gaddafi nichts erreicht. Also soll er doch einfach die EDA-Diplomaten arbeiten lassen.»

Kritik an Polizei

FDP-Nationalrätin Doris Fiala meint: «Ich habe zwei Seelen in meiner Brust.» Einerseits sei in dieser Affäre von allen Seiten politisch so viel dreingeredet worden. «Wir kennen all die diplomatischen Verhandlungen nicht, die im Hintergrund laufen», meint sie, die auch Mitglied der Aussenpolitischen Kommission ist. Andererseits sagt Fiala jedoch: «Ich hätte aber Verständnis, wenn man irgendwann sagen würde: Jetzt ist genug!»

CVP-Nationalrätin Kathy Riklin, ebenfalls Mitglied der Aussenpolitischen Kommission, will das «neuste Puzzleteil» in der Affäre Gaddafi nicht weiter kommentieren. Riklin ist jedoch über etwas ganz Anderes beunruhigt: «Man fragt sich schon, wie diese Polizei-Fotos überhaupt an die Öffentlichkeit gelangen konnten.»

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Schweiz

Soll sich die Schweiz bei Gaddafi ein zweites Mal entschuldigen?»

  • 6,7% Ja. Nur so kommen die beiden Geiseln endlich frei.
  • 19,6% Nein. Das nützt ja am Ende doch nichts!
  • 73,7% Auf keinen Fall! Wenn das passiert, hat die Schweiz ihr Gesicht verloren.