«Vogelscheuchen»-Kuhns neuster Streich Jetzt hetzt er gegen die SVP

  • Publiziert: 20.12.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Marcel Odermatt und Silvana Guanziroli
play Hobbyautor. René Kuhn mit seiner Frau Oxana und Töchterchen Melina (3) in ­ihrem Heim in Luzern. (ZVG)

Im Sommer giftelte René Kuhn über «Kampf-Emanzen» und «ungepflegte Weiber». Nun nimmt der Luzerner SVP-Politiker die eigene Partei ins Visier – in Buchform.

Er müsse sich «tagtäglich linke, ungepflegte Weiber ansehen», Schweizer Frauen liefen «zerlumpt» herum. Mit solchen Sprüchen füllte der Luzerner SVP-Lokalpolitiker René Kuhn (42) im August das Sommerloch. Es scheint ihm Freude gemacht zu haben. Jetzt legt der Informatiker seine Suada in einem 232-seitigen Buch vor: «Zurück zur Frau. Weg mit den Mannsweibern und Vogelscheuchen – ein Tabubruch».

In seinem Erstlingswerk im Eigenverlag, das er ab 7. Januar für Fr. 32.90 an den Mann bringen will, zieht Kuhn erneut über Feministinnen und Kampf-Emanzen her. Zudem rechnet er gnadenlos mit seiner Partei ab. Von ihr sieht er sich in seinem Kampf «gegen die Ungleichberechtigung der Männer» verraten. «Die grösste Enttäuschung in dieser ganzen Geschichte war für mich der Präsident der SVP des Kantons Luzern – Josef Kunz», schreibt der Hobbyautor.

Kunz (64), ein wertkonservativer Luzerner Landwirt und Nationalrat, hatte sich erdreistet, Kuhn und dessen Aussagen als «frauenfeindlich» zu geisseln und seinen Rücktritt zu fordern. «Josef Kunz aus dem Luzerner Hinterland ist ein klassischer Ein-Themen-Politiker. Ausser Milchstreiks für höhere Preise hört man nichts von ihm», so Ex-Grossgemeinderat Kuhn. Er macht Kunz persönlich dafür verantwortlich, dass sich die SVP Luzern noch nicht durchgesetzt habe, anders als in anderen Kantonen.

Auch eine nationale Parteigrösse bekommt ihr Fett weg: Christoph Mörgeli (49). Der Zürcher Nationalrat hatte sich in seiner «Weltwoche»-Kolumne über den früheren Autoparteiler Kuhn lustig gemacht, weil der mit einer Russin verheiratet ist. «Die blonde Oxana scheint mir übrigens etwas ausgebleicht, wie wärs mit etwas Solarium oder Tönungscreme?», schrieb Mörgeli gewohnt spitz. «Ich musste bei dieser ganzen Geschichte lernen, dass bei einigen SVP-Personen die Hirne völlig verwirrt werden, wenn es um Ausländer geht», giftelt Kuhn in seinem Buch zurück. Sie seien tatsächlich der Auffassung, ein SVP-Mitglied dürfe keine Ausländerin zur Frau haben. «Sie würden sich noch wundern, wenn sie wüssten, wie viele SVP-Wähler eine Ausländerin zur Frau haben und glücklich mit ihr sind», schreibt der Stadtluzerner, der immer noch Mitglied der SVP ist.

Kuhn rechnet damit, dass seine «Streitschrift» zum Bestseller wird. «Das Buch wird sich auch in Deutschland verkaufen, da bin ich mir sicher. Ein Verkauf von 10000 Exemplaren sollte deshalb drinliegen.» Und schon plant er das nächste Werk. Arbeitstitel: «Die Verblödung der Schweizer – Wie viel Dummheit erträgt ein Land?»

Kuhn glaubt, dass er auch zu diesem Thema viel zu sagen hat.

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