Jedes 4. Kind hat Sex übers Internet: Sexyangel (13): «Mein Freund muss geil sein»

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ZÜRICH – Sie sind noch halbe Kinder und wissen nicht, was sie da tun. Wie Sex-Stars posieren Tausende Schweizer Mädchen im Internet. Und ihre Eltern haben keine Ahnung.

Sie nennt sich Sexybaby*, ist 14 Jahre alt und wohnt in Zürich. Auf dem Foto präsentiert sie sich im knappen Bikini, die Beine gespreizt. «Wie gehts? Wer mich kennen lernen will, kann mir schreiben.»

Sogar noch ein Jahr jünger ist Sexyangel*. Die junge Aargauerin gibt gleich einen genauen Steckbrief an: Sie hat braune Haare, braune Augen, tanzt und singt gern. Und genaue Vorstellungen von ihrem künftigen Freund hat die 13-Jährige auch schon: «Er muss süss sein, nett, ehrlich und geil.»

Ebenfalls 13 ist Sexlady*, die für die weltweite Internet-Gemeinde ihren Pulli hochzieht. Als Hobbys nennt sie: «ficken und mit meinem 14-jährigen Freund rummachen.»

Sexybaby, Sexyangel und Sexlady. Wie die drei Teenager zeigen sich Tausende Schweizer Mädchen im Internet. Wüssten das ihre Eltern – der Schock wäre riesig.

Blutjunge Mädchen. Sie wissen nicht, was sie da tun. Die Jüngsten sind gerade mal 12, die da in speziellen Internet-Jugendforen halbnackt posieren.

Allen ist eines gemeinsam, glaubt man den Internet-Einträgen. Mit ihren offenherzigen Auftritten wollen sie einen Freund finden. 80 Prozent der Mädchen und Buben treffen sich in den Jugendforen, um zu flirten.

Viele der Mädchen sind so naiv, dass sie ihren Namen und Wohnort angeben. Ein gefundenes Fressen für Pädophile.
Laut einer holländischen Studie macht bereits jedes vierte Mädchen Sex per Internet – mit erotischen Worten und heissen Bildern.
Cyber-Sex haben aber nicht nur Jugendliche untereinander. Die 12- bis 15-jährigen Mädchen chatten häufig auch mit erwachsenen Männern – nicht immer merken sie es. Da geht es dann rasch zur Sache. «Was trägst du für Unterwäsche?», fragt der Erwachsene die 13-jährige Punkilady*. Und dann: «Ich habe nichts mehr an und du?»
Was sagen die Verantwortlichen zum Sex übers Internet? Nik Hostettler von einem der grössten Schweizer Internet-Jugendforen: «Wir versuchen, so weit es geht, Extremes zu löschen. Aber bei über 20000 Mitgliedern und täglich 1200 neuen Fotos ist es schwierig, alles zu kontrollieren.»

Hostettler ist erst 21, aber: «Ich verstehe die heutige Jugend auch kaum mehr», sagt er. Ihm ist aufgefallen, dass sich in den letzten fünf Jahren die Wertvorstellungen massiv verändert haben.

Heute drängt die sogenannte «MTV-Generation» (MTV ist ein Musiksender) ins Internet. «Die Mädchen posieren so sexy und aufreizend wie ihre Hip-Hop-Vorbilder in den Musikvideos», sagt Hostettler. Er gibt daran den Eltern eine Mitschuld. «Diese interessieren sich teilweise zu wenig dafür, was ihre Kinder im Internet treiben.»

Die neue Generation für Sex im Internet steht bereits in den Startlöchern. 90 Prozent aller Computer in der Schweiz verfügen über einen Internetzugang. Bei den Sechs- bis Zwölfjährigen surft bereits die Hälfte im weltweiten Netz.

* Namen von der Redaktion geändert

So können sich Eltern und Kinder schützen

ZÜRICH – Darauf müssen Kinder und Eltern achten:
Tipps für Kinder
  • Niemals den wirklichen Namen, die Adresse, Telefon- oder Handynummer im Chat angeben, auch nicht bei der Anmeldung oder im Profil.
  • Niemals das eigene Passwort weitergeben.
  • Nicknames sollten nie das Alter verraten und nichts mit Erotik zu tun haben.
  • Chatfreunden gegenüber immer misstrauisch bleiben.
  • Chatfreunde nur in Begleitung von Erwachsenen und in öffentlichen Räumen treffen.
  • Kein Foto ins Profil stellen oder verschicken.
  • Sollte beim Chatten ein mulmiges Gefühl auftreten, unbedingt mit Freunden oder Eltern darüber reden.


Tipps für Eltern
  • Mit dem Kind zusammen chatten und sich dabei selbst als Kind ausgeben. So sehen Kinder, dass Erwachsene falsche Identitäten annehmen können.
  • Öfter mit den Kindern über Chat-Erfahrungen reden.
  • Den Kindern erklären, wie sie sich gegen sexuelle Anmache und Exhibitionisten wehren können.
  • Kein Chatverbot aussprechen. Damit erreichen Eltern nur, dass die Kinder heimlich chatten.
  • Die Internetzeiten begrenzen. Eine Stunde pro Tag sollte reichen.
  • Den Computer ins Wohn- oder Arbeitszimmer stellen und Kontrollen ankündigen.


Quelle: SonntagsBlick

Schweiz