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Persönliche Erklärung Armeechef Roland Nef gestern vor den Medien.
Da steht er, der Schweizer Armeechef. Für einmal nicht in Uniform, sondern im dunkelblauen Anzug mit gelb glänzender Krawatte. Im Scheinwerferlicht.
Im Bundeshaus Ost, im VBS, umringen ihn Dutzende Journalisten. Hören seine «persönliche Erklärung». Eine weitere.
Roland Nef (49) kämpft um seine Karriere. Und er muss zugeben, dass all die Enthüllungen der letzten Tage zutreffen.
Es stimmt also, dass er seine Ex-Freundin nach der Trennung mit Eifersuchtsszenen terrorisierte. Es stimmt also, dass er ihr monatelang böse Mails und SMS schickte. Es stimmt also, dass Lynn S.* (50) daraufhin gegen ihn Anzeige wegen Nötigung einreichte. Ein Offizialdelikt, das unter den Oberbegriff «häusliche Gewalt» fällt.
Und es stimmt also, dass Nef seiner Ex nach deren Anzeige Geld bezahlte. In seiner Erklärung nennt er es «Wiedergutmachungszahlung».
Überhaupt hat Nef für sein privates Treiben lauter wohlklingende Umschreibungen: Alles geschah im «Spannungsfeld einer persönlichen Beziehung, die ich vor meiner heutigen Ehe hatte». Es betreffe den «Privatbereich zweier erwachsener Menschen». Es sei eben eine «intensive Liebesbeziehung» gewesen.
Intensiv war vor allem das Ende: Seine Freundin zog nach nur vier Monaten aus der gemeinsamen Wohnung am noblen Zürichberg aus. Offenbar eine totale Nieder-lage für den Berufsmilitär. «Dabei ist mir die Ablösephase schwergefallen», gibt er zu. Der Chef der Armee muss gestehen: «Ich habe nicht immer besonnen gehandelt.»
Was heisst das konkret? «Das ist privat», antwortet der Armeechef. «Wir haben eine Stillschweige-
vereinbarung unterzeichnet.» Mit Unterstützung der zuständigen Zürcher Staatsanwältin, wie er sagt. «Es gibt zu dieser Sache nichts mehr zu sagen», meint Nef.
Bundesrat Samuel Schmid habe jedenfalls genau Bescheid gewusst. Auch über die «Wiedergutmachungszahlung» an seine Ex?
«Ich habe Bundesrat Schmid über das Strafverfahren informiert», kommt die stereotype Antwort. Zweimal.
Wichtig war dem damaligen Brigadier vor einem Jahr nur eines: Dass er Schmid melden konnte, die Sache werde aus der Welt geschafft. Rechtzeitig zu seiner Nominierung zum obersten Soldaten.
Schmid selber reichte das Wort seines Kronprinzen. Er verzichtete darauf, selber Akteneinsicht zu nehmen. Das bestätigte das VBS. Wie viel Nef seiner Ex zahlte, dazu sagt er noch immer nichts. Radio DRS meldete, es seien mehrere Tausend Franken gewesen.
Diese Zahlung rettete Nef den Karrieresprung – BLICK nannte sie Schweigegeld. Das nimmt Roland Nef zum Anlass, Klage wegen Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte einzureichen. «Weitere Klagen gegen andere Medien behalte ich mir vor», sagt Nef. Muss er wohl, denn andere Zeitungen kommen
zu der gleichen Einschätzung.
«Jetzt reichts!» schimpft Nef. «Ja, meine Damen und Herren, ich bin eine Person des öffentlichen
Interesses. Aber ich lasse mir nicht alles gefallen. Ich dulde es nicht als Privatperson.»
Vorwürfe gegen ihn hält Nef für nahezu staatsgefährdend: «Man schiesst auf mich, zielt auf den Bundesrat, vergiftet die Brunnen unserer staatlichen Institutionen.» Nef muss sich verteidigen – und sieht gleich die Schweiz in Gefahr.
Doch von einem Rücktritt will er nichts wissen. «Ich habe nie auch nur daran gedacht», sagt der an-
geschossene Armeechef. Und kündigt an, die Sache lieber auszusitzen. «Ich habe Zeit und Geduld.»
Privat ist Nef mit sich im Reinen: «Ich bin ein glücklich verheirateter Mann. Ich lebe sehr zurückgezogen mit meiner Familie – draussen im Grünen», sagt er vor den Medien.
Und für seine Armee sieht Roland Nef erst recht kein Problem: «Es ist doch keine Krise!», ruft er aus. «Es gibt nichts, aus dem eine Krise entstehen könnte.»
*Name von der Redaktion geändert.