Italiener, Albaner, Serben und Portugiesen. Das waren mal Problem-Migranten. Heute beschäftigen sich die Integrationsförderer mit einer ganz anderen Ausländergruppe: den Deutschen.
In Zürich lebten vor zehn Jahren 10 000 Deutsche, 2007 waren es schon über 25 000. Auch gesamtschweizerisch hat sich ihre Zahl in derselben Zeit mehr als verdoppelt. Tendenz steigend.
Und das ist ein Problem. «Wir spüren immer stärkere Ressentiments von Schweizern gegenüber den Deutschen», sagt Christof Meier, Leiter der Integrationsförderung der Stadt Zürich. Man müsse sich mit diesem Thema auseinandersetzen.
In Zürich gibts nun Integrations-Veranstaltungen speziell für Deutsche. An den Tageskursen werden die Probleme der deutsch-schweizerischen Beziehung besprochen. Meier: «Es wäre gut, wenn ein Deutscher den Schweizer Dialekt versteht – sprechen muss er ihn nicht.» Man versuche auch vermehrt, mit Deutschen ins Gespräch zu kommen.
Warum sind die Deutschen bei uns eigentlich so unbeliebt? «Viele Deutsche sind hoch qualifizierte Arbeitskräfte, sie kommen an Topjobs. Die Schweizer hingegen sind sich nicht gewohnt, einen Ausländer vor die Nase gesetzt zu bekommen», erklärt Meier.
Die Verständigung sollte eigentlich kein Problem sein – könnte man meinen. «Schweizer sprechen nicht so gerne Hochdeutsch, schon gar nicht mit jemandem, der es besser kann als sie selber», sagt Meier. Deutsche Zuzüger aber verstehen den Schweizer Dialekt kaum.
Dabei gefällts den meisten bei uns. Obwohl sie zum Teil mit Vorurteilen konfrontiert werden. Christof Meier: «Sie fühlen sich grundsätzlich integriert, aber nicht als Teil der einheimischen Gesellschaft akzeptiert.»
Eleonore Wettstein berät Ausländer und bietet auch Kurse extra für Deutsche an (siehe Interview.) Sie kennt eines der schlimmsten Fettnäpfchen, in das ein Deutscher treten kann: die Verniedlichungen. «Wir sagen zwar Trämli oder Hüsli. Oder Kafi. Aber Fränkli, Soldatli oder Schwiizerli finden wir überhaupt nicht lustig.»
Schweizer bekommen das in den falschen Hals. Sie denken, der Deutsche wolle sie nachäffen. «Dabei meint er es gar nicht so. Es ist viel mehr der Versuch einer liebevollen Annäherung.»
Wie schwer es Deutsche in der Schweiz haben, beschreibt Jens-Rainer Wiese in seinem Blog Blogwiese.ch. Er weiss auch warum: «Das grösste Problem der Deutschen ist ihre Ahnungslosigkeit in Sachen Schweiz. Ein Swissness-Kurs könnte allen das Leben leichter machen.»
Erschwerend sei auch das Grund-Missverständnis zwischen den beiden Kulturen: «Ein Deutscher muss lernen, zwischen höflich und freundlich zu unterscheiden», sagt Wiese.
Ist ein Deutscher höflich, meine er das auch freundlich. Hingegen klinge vieles höflich, was Schweizer sagen, sei aber nicht freundlich gemeint. Wiese: «‹Könnten Sie bitte das Auto von meinem Privatparkplatz wegfahren?›, heisst in Wirklichkeit: ‹Wenn Ihre Karre nicht gleich von mei-nem Parkplatz verschwindet, lasse ich sie abschleppen›.» Jawoll, tamminomal!
