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«Ein Haufen von Hysterikern bei der WHO!», schimpft der Berner Immunologe Beda M. Stadler.- ZVG
Blick.ch: Jetzt haben wir den ersten Schweinegrippe-Toten in Europa! Macht Ihnen das Angst?
Prof. Dr. Beda M. Stadler*:Nein, überhaupt nicht! Eigentlich müsste die Schlagzeile heute Morgen lauten: Die Schweinegrippe ist so harmlos, dass es erst jetzt eine tödliche Infektion in Europa gab.
Erst die Vogelgrippe (250 Tote weltweit), jetzt die Schweinegrippe (150 Tote). Und morgen vielleicht die Büsi-Grippe. Werden wir von ständig neuen Grippe-Arten bedroht? Wird das immer schlimmer?
Nein, das ist nichts Neues. Das ist Evolution pur.
Aber dann müssten Sie doch die nächste Grippe voraussagen können!
Können wir im Prinzip auch. Die Grippeviren und ihre Kombinationen sind bekannt. Wir können die Ausbruchs-Szenarien immer besser berechnen. Auch das Schweinegrippe-Virus war entlarvt, bevor es die Aufregung in der Öffentlichkeit gab.
Sie verstehen die Aufregung nicht?
Überhaupt nicht. Das war höchstens in den ersten drei Tagen gerechtfertigt. Es schien, als ob das Virus sich explosionsartig vermehren und Todesfälle verursachen würde. In den USA gabs 20 Fälle, dann verdoppelte sich das auf 40. Aber jetzt flacht das ab.
Trotzdem. Letzten Donnerstag hat die WHO (Weltgesundheitsorganisation) Pandemiealarm 6 ausgerufen, die höchste Stufe. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat sofort nachgezogen. Gleichzeitig teilen beide Behörden mit, das Virus sei eher harmlos. Massnahmen für die Schweiz sind nicht vorgesehen. Da kommt doch niemand draus!
Genau. Dieser Pandemie-Alarm ist ein absoluter Blödsinn. Das kann niemand ernst nehmen. Und damit fügen die WHO-Bürokraten den Pandemie-Plänen und auch der Vorsorge-Idee schweren Schaden zu. Aus einem harmlosen Virus eine Weltbedrohung zu konstruieren – das ist ein Haufen von Hysterikern bei der WHO!
Aber die Leute bei der WHO und im BAG sind ja nicht unzurechnungsfähig. Sie müssen doch einen Grund haben, diesen Alarm auszulösen.
Das ist ein rein technisches Vorgehen. Wenn Infektionen auf allen Kontinenten gleichzeitig auftreten. Nach diesem Kriterium müsste allerdings noch viel häufiger Stufe-6-Alarm gegeben werden. Aber die Schweinegrippe ist jetzt ein Mega-Thema, und da verlieren die WHO-Leute die Nerven. Ihnen gehts nur darum, dass man ihnen ja keinen Vorwurf machen kann, sie hätten nichts unternommen. Aber mit ihrem Alarmismus verspielen sie ihre Glaubwürdigkeit. Sie sollen aufpassen, aber die Leute mit der Panik in Ruhe lassen.
Also alles nicht mal halb so schlimm?
Genau. Je nach Berechnung zählen wir jeden Winter 400 bis 1000 Tote durch die normale Grippe in der Schweiz. Die Schweinegrippe ist vier- bis zehnmal harmloser. Das zeigt sich auch daran, dass wir mit den derzeitigen Tests gar nicht alle Fälle erfassen können. Die Dunkelziffer dürfte recht hoch sein. Viele Menschen merken einfach nichts davon. Auch sonst sterben eher Kleinstkinder, Alte und Kranke. Die Schweinegrippe trifft vor allem Menschen, deren Immunsystem durch Krankheiten schwer geschädigt ist.
Trotzdem sehen wir in den Medien jeden Tag Menschen, die mit Masken herumlaufen. Was müsste denn geschehen, damit Sie den Menschen raten würden, Tamiflu zu nehmen, im Tram eine Atemmaske aufzusetzen und auf die Reise in die USA zu verzichten?
Solche Massnahmen sind für den Ernstfall. Da es zur Zeit keinen Impfstoff gibt (denn Tamiflu ist keiner!), sollte sich jeder freuen, der die Schweinegrippe hat, da wahrscheinlich dadurch ein Restschutz für eine nächste gefährlicher Variante des Virus aufgebaut wird!
Dieses möchte ich noch anmerken: Die Schweinegrippe verbreitet sich jetzt um die ganze Welt. Ist aber noch harmlos. Das könnte den Vorteil haben, dass wir, ohne jetzt viele Tote beklagen zu müssen, rund 30 Jahre Pause bis zur nächsten Pandemie haben. Das andere Szenario, dass sich dieses Virus mit einem anderen Menschen- oder Vogelgrippevirus vermählt, ist der einzige Grund weshalb man die Situation weiterhin beobachten muss.
*Prof. Dr. Beda M. Stadler (59) ist Direktor des Instituts für Immunologie der Universität Bern.