
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Eine markant höhere Nachfrage nach Notschlafplätzen verzeichnen die Sozialwerke Pfarrer Sieber in Zürich. Mediensprecher Mark Wiedmer erklärt, das Notwohnprojekt und die Notwohnungen seien ständig ausgebucht. Teilweise müssten Leute abgewiesen werden. Einen Grund sieht Wiedmer im langen und harten Winter.
Zahlbare Wohnungen fehlen
Zudem treibt die Krise Menschen in die Notangebote. Die Klientel der Sozialwerke sind nicht mehr nur die bisher als «klassisch» geltenden Drogensüchtigen und Alkoholiker. Und das wichtigste überhaupt: In Zürich fehlen günstige Wohnungen.
Christina Stücheli, Kommunikationsbeauftragte beim Stadtzürcher Sozialdepartement, pflichtet dem bei. Ihr Departement musste 2008 die Familienherberge ausbauen. Diese Herberge nimmt Familien auf, bevor sie in eine Notwohnung können. In den fast 300 Notwohnungen der Stadt lebten rund 1300 Menschen – eine leichte Zunahme.
Mit ein Grund hierfür: Am nicht mehr funktionierenden Wohnungsmarkt gibt es eine strukturelle Diskriminierung. Ausländerinnen und Ausländer kommen zuletzt an ein Logis. In der eigentlichen Notschlafstelle Zürichs waren die vorhandenen Kapazitäten von 20 000 Übernachtungen mit 10 500 nicht ausgeschöpft.
Jede Matratze belegt
Dauernd «plätschvoll» hingegen ist das Passantenheim der Heilsarmee in Bern. Sein Leiter Franz Dillier erzählt, jede Matratze und sogar die Sofas seien regelmässig belegt. Auch dort gibt es Verschiebungen in der Klientel.
Dillier beherbergt derzeit viele Schwarzafrikaner. Diese seien legal in der Schweiz und gingen einer Arbeit nach. Sie fänden aber keinen anderen Platz zum Schlafen, ein Indiz für eine Diskriminierung am Wohnungsmarkt.
Felix Wolfers, Leiter des Sozialamts Bern, spricht von ausgelasteten niederschwelligen Strukturen. Die Notwohnungen seien zu 90 Prozent belegt. Auf der Strasse müsse niemand gegen seinen Willen leben. Problematisch seien jene, die nur schwer in normale Wohnsituationen integriert werden könnten.
Wechsel der Klientel
In Basel verzeichnete die Notschlafstelle 2008 rund 13 600 Übernachtungen nach 9800 im Vorjahr. Alfred Trechslin, Leiter der Abteilung Intake – ihr obliegt der Zugang zur Sozialhilfe, erklärt das mit einem Wechsel der Klientel.
Die Zunahme und Angleichung von Sommer- und Winterzeit sei zu mehr als der Hälfte durch Asylbewerber mit Nichteintretensentscheid oder in der Nothilfe begründet, erklärt Trechslin. Zudem landeten viele Alleinstehende, die ihre Wohnung verloren haben, vorübergehend in der Notschlafstelle.
Negativ-Rekord bei den Notschlafstellen
Für sie – einige sozial zerrüttet – bietet die Sozialhilfe mit privaten Partnern zunächst begleitetes Wohnen an. Sind wieder Wohnkompetenzen vorhanden, wird eine Wohnung gesucht. Allgemein macht sich auch in Basel der Mangel an günstigen Wohnungen bemerkbar.
Die Stadt Luzern registrierte 2008 einen Rekord an Übernachtungen in ihrer Notschlafstelle: Über 4100. Gegenüber dem Vorjahr sind das 50 Prozent mehr. Viele Klienten blieben längere Zeit auf die Notschlafstelle angewiesen. Der Trend findet 2009 seinen Fortgang. Auch in Luzern fehlen günstige Wohnungen. (sda/lec)