Immer Ärger mit der Waffe

  • Publiziert: 18.03.2008, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Martin Meier
play «Wir geben die Waffe ab». Von links: Soldat Othmar, Wachtmeister Lorenzo Biasio, Soldat Michi und Soldat Sebastian. (Toini Lindroos)

Im Zürcher Zeughaus deponiert Wachtmeister Lorenzo Biasio (21) mit Gleichgesinnten sein Sturmgewehr — den Zeughäuslern passts nicht.

Zwei Vorkommnisse haben Wachtmeister Lorenzo Biasio geprägt: «Da war mein Untergebener, der seine Taschenmunition nicht nach Hause nehmen wollte», erinnert sich der Unteroffizier. «Er erzählte mir, dass er im selben Zimmer schlafe wie sein Bruder. Und mit Tränen in den Augen, dass er Angst habe, dass sein Bruder mit der Waffe und der Munition einmal eine Dummheit anstellen könnte.»

Doch der zuständige Adjudant wimmelte ihn ab. «Geht nicht.»

«Dann passierte der Mord auf dem Hönggerberg an dem 16-jährigen Mädchen», sagt Biasio. «Das ist mir eingefahren.»

Biasio studiert in der Nähe des Tatorts an der ETH. «Ich bin täglich am Blumenmeer vorbeigefahren.»

Gestern macht Lorenzo Biasio ernst. Er fährt zum Zürcher Zeughaus. In seiner Sporttasche verstaut er sein Sturmgewehr. Begleitet wird der Wachtmeister von mehreren gleichgesinnten Soldaten.

Aufregung im Militärgebäude. Die Waffe könne nicht einfach so hinterlegt werden, sagt der Zeughäusler. Der Chef, Bundesrat Samuel Schmid, habe diesbezüglich klare Vorgaben gemacht.

Jetzt kommt der Chef des kantonalen Amts für Militär- und Zivilschutz. «Sie geben hier gar nichts ab», sagt Anton Melliger. «Es gibt keine kollektive Waffenabgabe.»

Soldat Severin interveniert: «Ich habe ein Gesuch gestellt, um meine Waffe im Zeughaus zu hinterlegen. Es ist abgelehnt worden.» Der Chef: «Also, dann ist das erledigt.» Gedroht wird mit Sanktionen, der Polizei. Doch die Wehrmänner bleiben hart. Sie füllen – wie vom Militär verlangt – ein Gesuch aus und sagen: «Wir lassen die Waffe jetzt hier im Zeughaus.» Der Chef: «Dann werden wir das auf unsere Art regeln.»

Säuberlich angeschrieben deponieren die Armeeangehörigen ihre Sturmgewehre auf dem langen Korpus. «Die sind nicht hinterlegt», sagt Melliger. «Die Waffen sind einzig juristisch konfisziert.»

Angst vor einer Strafe? «Die Waffen sind im Zeughaus sicherer aufgehoben als bei uns zu Hause», sind die Wehrmänner überzeugt. «Wir sorgen für mehr Sicherheit. Dafür kann uns doch niemand bestrafen.»

Nur wenige geben Waffe ab

Nur im Kanton Genf dürfen die Soldaten ihre Waffe abgeben — aber die meisten hängen an ihrem Gewehr.

Sei dem 2. Januar steht das kantonale Zeughaus in Genf seinen Soldaten als Waffenlager zur Verfügung. Bis gestern nutzten das Angebot nur 68 Dienstmänner. 5 gaben die Pistole ab, 63 das Sturmgewehr.

Dabei wäre in den neuen Gestellen für 60 000 Franken Platz für 1300 Sturmgewehre. «Wir haben mit viel mehr gerechnet», sagt Yves Bezençon, Direktor des Kantonalen Zeughauses Genf.

Er findet die Zurückhaltung bei der Waffenabgabe gut: «Wir sind positiv überrascht. Schweizer Soldaten nehmen ihre Verantwortung ernst.» Der Herr über den einzigen Gratis-Waffenschrank der Schweiz schätzt, dass künftig pro Tag 2 bis 3 Waffen abgegeben werden. Er glaubt, dass viele Soldaten dies erst nach dem diesjährigen WK tun werden.

Dem Beispiel von Genf will einzig der Kanton Wallis folgen. Bern, Thurgau und Zürich schieben die Verantwortung ab nach Bundesbern.

Streng nach Gesetz darf sich nur von seiner Waffe trennen, wer sich im Ausland aufhält, wer oft den Wohnort wechselt oder seinen Wohnsitz im Ausland hat. Die Waffen-Initiative der SP und der Grünen will diese Regelung durchbrechen.

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