Im April schreibt die Zeitung, was sie will

  • Aktualisiert am 13.01.2012

ZÜRICH – April, April! Unzählige Zeitungen versuchten heute die Leserschaft hinters Licht zu führen. Beliebteste Motive: Peitschen-Peer Steinbrück und Tiere. Bei Blick.ch haben wir uns bei Barack Obama bedient.

Der «Tages-Anzeiger» machte die strengen Massnahmen publik, mit denen Polizeidirektor Hans Hollenstein die Hundehäufchen auf den Trottoirs bekämpfen will: Eine Hunde-DNA-Datenbank nach israelischem Vorbild müsse her, meldete die Zeitung.

Die Gratiszeitungen «20 Minuten» und «News» übernahmen den 1. April-Scherz, den der Ferienvermarkter Schweiz Tourismus ausheckte. Markante Berggipfel müssten dringend von Vogelkot befreit werden, um die drohende Flaute im Tourismus abzuwenden, meldete dieser. Zu Bürsten und Eimer sollen Freiwillige greifen, als Mitglieder des neu gegründeten Felsenputzer-Vereins.

Einen grossen Fang meldete der «Zürcher Oberländer»: Im Naturschutzgebiet Rälliker Ried am Greifensee sei ein Prachtsexemplar von einem Biber eingefangen worden. Das Tier sei 1,55 Meter lang, stattliche 40 Kilo schwer und vom Fangtrupp auf den Namen «HH1» (»Holz-Hacker») getauft worden.

Ganz brisante Informationen lagen «Radio Top» vor: Der Sender fand heraus, dass der Deutsche Finanzminister Peer Steinbrück möglicherweise Steuern in der Schweiz hinterzieht. Seine Frau Gertrud besitze in Seuzach bei Winterthur einen Zweitwohnsitz. Die Seuzacher Steuerbehörde prüfe nun eine Untersuchung. Steinbrück selber habe trotz mehrmaliger Anfrage leider keinen Kommentar abgeben wollen.

Auf dem Bahnhofplatz Solothurn haben Archäologen das Skelett eines riesigen Amtsschimmels ausgegraben. Diesen Aprilscherz liess sich das «Solothurner Tagblatt» einfallen.

Internationale Beachtung finden will offenbar Olten. Der Stadtrat soll grünes Licht für den Bau einer Formel-1-Rennstrecke erteilt haben. So vergaukelte das «Oltner Tagblatt» seine Leserschaft.

Die «Berner Zeitung» berichtete über eine Initiative des Naturhistorischen Museums Bern zur Rettung der Nashörner. Die vom Aussterben bedrohten Tiere sollen gezielt gezüchtet werden. Ein Testbetrieb im Emmental sammle bereits erste Erfahrungen mit einem Nashorn namens «Babeli».

«Der Bund» berichtete, dass im Kanton Bern dutzende von Ortsnamen geändert würden. Die Referendumsfrist gegen diese Ortsnamen-Harmonisierung sei unbenutzt verstrichen. Ortschaften mit «igen» in ihrem Namen würden neu auf «ingen» umgetauft, also Bollingen, Frutingen, Steftingen oder Vechingen. Den «Bund»-Artikel zierte ein Foto, auf dem der neue Bolli(n)ger Gemeindepräsident und «Bund»-Redaktor Rudolf Burger stolz die neue Ortstafel präsentierte. $

Peer Steinbrück lasse in Deutschland das Schweizer Produkt «Aromat» verbieten, weil es dick mache, heisst es im «Anzeiger Luzern». «Mit unserer Streuwürze scheint nun, nach dem Bankgeheimnis, ein zweites Opfer gefunden zu sein.»

Rentier Cosmos, das Anfang 2009 auf der Melchsee-Frutt ausgerissen war und während Wochen das Leben in der Freiheit dem in einem Gehege vorzog, kommt unter den Hammer. Der örtliche Tourismusverein berichtet, der Besitzer des Tieres wolle den Erlös der Versteigerung dem Zivilschutz Obwalden spenden.

Die Graubündner Kantonalbank vollziehe einen radikalen Systemwechsel, meldete «Die Südostschweiz» auf der Frontseite. Private und Behörden könnten künftig Einblick in alle Kundendaten nehmen. Das Bankgeheimnis werde es nur noch auf Verlangen (»Confidentiality on demand») und gegen Registrierung geben, wird Bankchef Alois Vinzens zitiert. (SDA)

Unser Aprilscherz

Auch Blick.ch führte seine geschätzte Leserschaft hinters Licht. So solle US-Präsident Barack Obama heute in die Schweiz auf Überraschungsbesuch kommen und gemeinsam dem Spiel der Nati heute Abend beiwohnen. Der Schweizer Parodist Patric Schäfler telefonierte als begeisterter Bundespräsident Hans-Rudolf Merz mit uns.

Hier zum nachlesen: Was Obama angeblich in der Schweiz machen soll.

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