
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Donnerstag 2. März. Morgens um 11.00 Uhr klingelt das Telefon in unserem Zimmer im Hotel Melia Las Palmas auf den Kanarischen Inseln. Claude Covassi ist am anderen Ende der Leitung. «Treffpunkt um 14.00 Uhr in der Hotellobby», sagt der V-Mann des Inlandgeheimdienstes und hängt auf.
Bei der Begrüssung überreicht er uns einen Briefumschlag und sagt: «Mein Spionage-Rapport aus Syrien.» Das Papier hat es in sich. Auf fünf Seiten, versehen mit Fotos, listet Claude Covassi seine Kontakte, Begegnungen und Besuche in Syrien auf.
Schweizer Inlandgeheimdienst spioniert in Syrien
Offiziell ist der «Dienst für Analyse und Prävention» (DAP) ausschliesslich für das Inland zuständig. Er darf keine verdeckten Ermittler im Ausland einsetzen. Was soll da also ein V-Mann im Ausland?
Claude Covassi: «Die Schweiz erhielt eine vom libanesischen Geheimdienst abgefangene Botschaft. Darin stand, dass eine Gruppe französischer «Salafisten für Predigt und Kampf» (GSPC) via Genf und Syrien in den Irak reisen werde. Diese habe auch Kontakte zum Islam-Zentrum in Genf», sagt Claude Covassi.
Sein Führungsoffizier beim Inland-Geheimdienst, Patrick S.*, für den er die Muslime in der Genfer Moschee ausspionierte, habe darin «die Chance gesehen, das Zentrum und dessen Leiter als Rekrutierungsbasis für Irakkämpfer zu beschuldigen», behauptet der V-Mann. Covassi sollte in Syrien entsprechende Beweise finden.
«Ich bin im Februar 2005 kurz vor der GSPC-Gruppe abgereist. Von dieser habe es nur der in Genf wohnhafte Algerier Rachid H.* bis Damakus geschafft. Alle anderen blieben in der Türkei hängen. Sie hatten Probleme mit ihren Papieren», schildert Covassi seinen Syrien-Einsatz.
Kurz darauf kam es zwischen dem DAP und Claude Covassi zum Streit. «Dieser Rachid H. zog es vor, nicht in den Irak zu gehen. Mein Kontaktmann flippte deswegen total aus. Er behauptete, H. sei im Irak und ich erzähle nicht die Wahrheit. Indem ich Rachid H. telefonisch mit meinem Kontaktmann verband, stoppte ich das hysterische Getue. Da wussten sie, ihr Plan funktioniert nicht», sagt Claude Covassi.
Schweizer auf Du und Du mit den Folterknechten
Nicht bloss bei verbotenen Auslandeinsätzen scheint es der DAP mit den Vorschriften nicht so genau zu nehmen. Auch bei der Wahl der «Berufskollegen» scheint man wenig Hemmungen zu haben. «Ich weiss, dass es neben Syrien und Libanon auch Kontakte zu Geheimdiensten von Algerien, Marokko und Tunesien gibt. Alles Staaten, die Folter anwenden», erzählt Claude Covassi weiter.
Agenten dieser Staaten seien auch mit Wissen des Inland-Geheimdienstes bei uns tätig (gestern im BLICK). «Mein Kontaktmann Patrick S. kennt sie alle. Und er war auch bei einem Treffen mit Ex-Führern der Islamischen Heilsfront (FIS) und der CIA dabei», sagt Claude Covassi.
Und was sagt der Inland-Geheimdienst zu den Vorwürfen ihres Ex-Mitarbeiters? Sprecherin Danièle Bersier vom Bundesamt für Polizei: «Zu konkreten Fällen äussern wir uns weder negativ noch positiv. Dies um allfällige Informationsquellen nicht zu gefährden.»
*Namen der Redaktion bekannt.