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Schlumpf-Mania: Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf wurde am Freitag auf dem Bundesplatz von 12000 Demonstranten frenetisch gefeiert. Sieben Bodyguards sorgten für ihren Schutz. (Foto: Dick Vredenbregt)
Das hat Leon Schlumpf (83) und seiner Frau Trudy gut getan: Rund 300 Personen stellten sich am Donnerstagabend in der Aula von Felsberg GR auf die Seite ihrer Tochter Eveline Widmer-Schlumpf (52). Das ganze Dorf verteidigte die Bundesrätin, die von der SVP ausgeschlossen und aus dem Bundesrat geworfen werden soll. Gerne wäre der rüstige alt Bundesrat Schlumpf tags darauf nach Bern gereist, an die grossen Solidaritätskundgebungen für die Bundesrätin. «Ich musste aber bei meiner Frau Trudy bleiben. Sie ist psychisch sehr angeschlagen», sagte er zu SonntagsBlick. Grund für ihren schlechten Zustand: «Wir haben Angst, unsere zweite Tochter zu verlieren. Das macht besonders meiner Frau schwer zu schaffen», so Schlumpf. Die Bundesrätin bestätigt: «Meine Mutter macht sich grosse Sorgen um mich. Ihr geht die Sache nahe. Mein Vater kümmert sich aber liebevoll um sie.»
In den letzten Wochen kamen Trudy Schlumpf schlimme Erinnerungen hoch. 1983 erlitt sie den schwersten Schicksalsschlag, den eine Mutter überhaupt treffen kann: Ihr jüngstes Kind Carmen verunglückte bei einem Autounfall tödlich. Vater Schlumpf brauchte lange, bis er seine Handorgel wieder hervornahm und mit den Kindern musizierte. Die musikalische Carmen war im Familienorchester eine wichtige Stütze. Trudy Schlumpf hat das brutale Los nie ganz überwunden. Zu SonntagsBlick sagt sie tapfer: «Ich nehme Baldrian, nichts Stärkeres.»
Für sie und ihren Mann ist in den letzten Wochen eine Welt zusammengebrochen. Die beiden können nicht verstehen, warum die eigene Partei ihre Tochter als Verräterin diffamiert. Leon Schlumpf gehörte 1971 zu den Gründungsmitgliedern der SVP, die sich aus der Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei formierte. «Wie können sich Menschen gegenüber unserer Tochter nur so verhalten?» fragt Trudy Schlumpf. Zu schaffen machen ihr und Leon Schlumpf auch die wüsten Drohungen. So musste die Bundesrätin die Teilnahme am Zürcher Sechseläuten absagen. Sie erhielt Todesdrohungen; der Aufwand für ihren Schutz: zu teuer! Erfreut ist die Familie jetzt aber über die Solidarität, die mit der Demonstration vom Freitag auf dem Bundesplatz ihren Höhepunkt erreichte. «Wir bekommen jeden Tag einen zehn Zentimeter hohen Stapel Briefe. Mit ganz wenigen Ausnahmen sind alle positiv», sagt Christoph Widmer (51), Ehemann der Bundesrätin. Seit die SVP Widmer-Schlumpf abschiessen will, ist die politische Schweiz im Ausnahmezustand:
• Auf der Internetseite des Frauendachverbandes Alliance F protestierten bis gestern Samstag 115200 Menschen gegen die SVP-Attacken. Auch Zeitungsinserate verurteilen die Methoden der SVP.
• Am Freitag strömten 12000 besorgte Bürger auf den Bundesplatz, um sich mit Widmer-Schlumpf zu solidarisieren. Am Freitagabend verfolgten 516000 Zuschauer die «Arena» im Schweizer Fernsehen. Das ist einer der höchsten Werte seit dem Start der Polit-Diskussionssendung im Jahr 1993.
Auch SVP-Vertreter werden nun nachdenklich. Nationalrat Peter Spuhler (49) distanziert sich von der SVP-Forderung, Widmer-Schlumpf müsse als Bundesrätin zurücktreten. Das hat sie aber sowieso nicht vor. Anfang April bezog Widmer-Schlumpf ihre neue Wohnung in der Berner Altstadt. Diese wurde in den letzten Wochen umgebaut und renoviert. An diesem Wochenende verbringt sie die Zeit zum ersten Mal gemeinsam mit ihrem Mann Christoph Widmer in ihrer neuen Bleibe.
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Support: Trudy Schlumpf unterzeichnet eine Petition für ihre Tochter Eveline. (Foto: Dick Vredenbregt)