Baby-Pause für Väter – Doris Leuthard setzt Wirtschaft unter Druck «Ich will mit gutem Beispiel vorangehen»

  • Publiziert: 08.01.2007, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Simon Spengler

BERN – CVP-Bundesrätin Doris Leuthard (43) macht Ernst mit Familienförderung. Auf eigene Faust führt sie in ihrem Departement den Vaterschaftsurlaub ein – ab sofort. Die Grossväter im Bundesrat quengeln – und werden nachziehen müssen.Während andere schöne Reden über eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf schwingen, macht Wirtschaftsministerin Doris Leuthard Nägel mit Köpfen: Sie baut ihr Departement zu einem familienpolitischen Musterbetrieb um. «Mein Departement ist mit 2600 Beschäftigten auch ein grosser Arbeitgeber. Wir wollen mit gutem Beispiel für die gesamte Wirtschaft vorangehen», sagte sie gestern an ihrer Jahrespressekonferenz.Gleich ein ganzes Bündel von Massnahmen kündigte sie an, damit ihre Mitarbeiter künftig Beruf und Familie besser unter einen Hut bringen können. Bezahlen will sie das mit Einsparungen bei externen Beraterhonoraren. Der spektakulärste Leuthard-Coup: Ab sofort gibts eine Woche Vaterschaftsurlaub. Fünf Arbeitstage werden bezahlt, bis 20 Tage können zusätzlich unbezahlt eingezogen werden. Doch damit nicht genug: 50 Prozent der Kosten für Krippen oder Tagesmütter werden übernommen. Mittelfristig will sich Leuthard das eine Million Franken kosten lassen. Das Amt hilft zudem bei der Suche nach Betreuungslösungen. Alle Stellen werden mit der Möglichkeit zur Teilzeitarbeit ausgeschrieben, auch Kaderjobs. Jobsharing soll auf allen Stufen möglich sein. Die Arbeitszeit soll flexibler werden. Neu gilt im EVD das Modell Jahresarbeitszeit. Telearbeit wird möglich: Bis zwei Tage pro Woche können Angestellte daheim am eigenen PC ihren Job erledigen, sofern Präsenz im Büro nicht dringend nötig ist.Mit dem neuen Vaterschaftsurlaub geht Doris Leuthard weit über das hinaus, was bisher beim Bund gilt. Die Personalverordnung schreibt nämlich bloss zwei Tage Urlaub für frischgebackene Väter vor. «Aber jeder Departementschef kann darüber hinausgehen», wie die Sprecherin des Personalamtes Regula Rebecchi betont. Zwar stünde das Thema Vaterschaftsurlaub schon länger in der Verwaltung an, wurde aber laut Rebecchi bisher nicht konkret diskutiert. «Bundesrätin Leuthard spielt nun eine Vorreiterrolle und hat die Messlatte gelegt. Jetzt liegt natürlich ein gewisser Druck auf den anderen Departementen und der Bundesverwaltung», so Rebecchi.Druck kommt bereits vom Personalverband. Generalsekretär Hans Müller (58) findet Leuthards Massnahmen zwar vorbildlich, aber sie müssten für das ganze Bundespersonal gelten. «Es kann nicht sein, dass es in jedem Departement andere Regelungen gibt», so Müller. Das findet auch der oberste Personalchef des Bundes, Bundesrat Hans-Rudolf Merz (64). «Eine familienfreundliche Personalpolitik ist auch in meinem Sinne», sagt Merz. Aber das einseitige Vorpreschen Leuthards passt ihm nicht: «Es gibt noch Diskussionsbedarf im Gesamtbundesrat», sagt Merz.Frohlocken dafür bei der CVP. Sie will schliesslich Familienpolitik zum Schwerpunkt im Wahlkampf machen. «Wenn unsere Bundesrätin jetzt eine Vorreiterrolle einnimmt, wird uns das natürlich helfen», freut sich Generalsekretär Reto Nause.

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