Fifa-Präsident Sepp Blatter über seinen Auto-Crash: «Ich verstehe das ganze Theater nicht»

  • Publiziert: 01.11.2008, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Karin El Mais aus Israel und Benno Kälin

Während Joseph S. Blatter in Israel gefeiert wird wie ein Superstar, kritisiert man ihn in der Schweiz wegen seines mysteriösen Autounfalls. Im SonntagsBlick nimmt der Fifa-Chef jetzt zum ersten Mal Stellung.

In der VIP-Lounge des Dan-Hotels in Tel Aviv (Israel) trifft SonntagsBlick am vergangenen Montag Joseph S. Blatter zum exklusiven Interview.Der Fifa-Chef hat starke Knieschmerzen, doch die Frage, ob er sich beim Autounfall vor zehn Tagen verletzt habe, wehrt er vehement ab. Dabei handle es sich um ein schon viel älteres Leiden. Im Gegenteil, es gehe im gesundheitlich ausgezeichnet.

Die Aufregung um seinen Unfall kann der 72-Jährige überhaupt nicht verstehen. Schliesslich könne so etwas doch jedem einmal passieren! Und über die Spekulationen, dass er selber die Nummernschilder des Mercedes abgeschraubt habe, kann Blatter nur lachen. Dazu habe es überhaupt keine Veranlassung gegeben. Denn ohnehin seien die Schilder nicht auf ihn persönlich, sondern auf die Fifa eingelöst. Mit diesem Firmenfahrzeug fuhren auch andere Personen. Die Berner Kantonspolizei habe ihm nur einen einzigen Gefallen getan: Ihn auf den nächsten Polizeiposten chauffiert, da sein Mercedes nicht mehr fahrtüchtig gewesen sei. Dort habe ihn später seine Tochter abgeholt und ins Wallis gefahren.

Zum genauen Unfallhergang darf Blatter keine Angaben machen, da die Ermittlungen immer noch laufen. Dies bestätigt auch der zuständige Untersuchungsrichter: «Die Polizei hat eine Anzeige bei mir eingereicht», sagt Matthias Wiedmer (40) und geht sogar einen Schritt weiter: «Hätte Blatter kein Gesetz verletzt, hätte die Polizei mir lediglich einen Bericht zugestellt.» In den kommenden Tagen wird Wiedmer die Akten genaustens studieren, um zu entscheiden, für welches Verfahren er sich entscheidet: «Ob ich Blatter zur Einvernahme vorlade, wird sich zeigen», so der Untersuchungsrichter.

D. R. (21)*, Fahrer des VW Golf, den Blatter abgeschossen hat, will sich nicht zum Unfall äussern. Nach Aussagen seines Vater habe er sowieso kaum etwas vom Unfall mitbekommen: «Es ging alles so schnell», weiss A. R. (51)*. Sie beide hätten jedoch volles Vertrauen in die Justiz und Blatter werde seine gerechte Strafe schon erhalten.

*Namen der Redaktion bekannt

Exklusiv-Interview mit Sepp Blatter in Tel Aviv

Herr Blatter, wie geht es Ihnen nach dem Unfall?
Joseph S. Blatter:
Wie Sie sehen, geht es mir ausgezeichnet.

In der Schweiz läuft die Gerüchteküche heiss.
Ich verstehe das ganze Theater nicht! Ein Unfall kann leider jedem einmal passieren. Wichtig ist doch nur, dass niemand verletzt wurde.

Hier in Israel werden Sie gefeiert wie ein Superstar. Woher kommt diese Popularität?
(Lacht) Ich wurde tatsächlich sehr herzlich empfangen. Doch ich bin nicht als Privatperson, sondern im Auftrag der Fifa hier. Wir haben in Palästina das erste internationale Fussballstadion finanziert. Doch als beim Eröffnungsspiel die 7000 Zuschauer immerzu «Fifa, Fifa, Fifa!» riefen, bekam ich schon Gänsehaut.

Weshalb investiert die Fifa in ein Land, das von politischen Problemen dominiert wird?
Die Fifa unterstützt 388 Projekte durch das GOAL-Programm weltweit. In den Palästinensergebieten bemüht sich die Fifa, den Menschen durch den Fussball Hoffnung zu geben.

Hatten Sie keine Angst, in die besetzten Gebiete zu fahren?
Nein, eigentlich nicht. Natürlich wurde mir ein VIP-Service zuteil und das Passieren der «Check-points» lief sehr unproblematisch ab. Aber als ich nach Bethlehem fuhr, hatte ich beim Anblick der Mauer schon ein sehr bedrückendes Gefühl.

Sie haben den israelischen Präsidenten Shimon Peres getroffen. Was haben Sie mit ihm besprochen?
Ich bin kein Politiker, also habe ich versucht, auf ihn als Fussball-Diplomat einzuwirken. Damit wenigstens die Sportler ein einfacheres Leben erwartet. Denn bis jetzt ist es zum Beispiel einem palästinensischen Fussballspieler nicht erlaubt, ins Ausland zu reisen. Mein Motto ist: «Lasst doch die Kinder Fussball spielen anstatt Steine werfen.»

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