
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
play
Führte das erste Interview mit Roland Nef (l.) nach eineinhalb Jahren: Markus Gilli. (Blick)
Blick.ch: Herr Gilli, gestern Abend konnten Sie mit Roland Nef sprechen – haben Sie der Tagesschau alle Zuschauer abgeknöpft?
Markus Gilli: (lacht) Die Quote war tatsächlich sehr gut, ja.
Das hat Sie aber nicht überrascht, oder?
Nein, ich habe gespürt, welche Resonanz das Interview auslösen wird. Das ist wohl auch der Grund, weshalb ich dabei literweise Adrenalin vergoss. Es war ein enormer Druck da. Das TalkTäglich ist heute überall Gesprächsthema – meine
Mailbox ist randvoll.
Das Interview war also auch für Sie speziell?
Ja, natürlich. Ich habe das Ganze jetzt noch nicht verarbeitet. Man muss sehen: Das ist ein Interview von einem medial geprügelten Mann, der nach langer Zeit an die Öffentlichkeit tritt, um seine Sicht der Dinge darzustellen. Die Sendung war für mich eine Gratwanderung zwischen Verständnis für den Menschen Roland Nef und journalistischen Prinzipien.
Ganz ehrlich, wie fanden Sie Roland Nefs Auftritt?
Das Einzuordnen fällt mir schwer, im Studio steht man unter Druck. Aber zum Beispiel hat Patrick Rohr heute im Radio gesagt: Nef habe seine «Standings» beim Schweizer Volk nicht verbessert. Oder auf Blick.ch hat heute Toni Bortoluzzi gesagt, Nef solle endlich seine «Klappe» halten. Das ist schon hart. Denn ich persönlich muss sagen: Jeder hat eine zweite Chance verdient.
Nef ging es gestern aber hauptsächlich darum, sich als Opfer hinzustellen.
Er hat ein Drei-Säulen-Prinzip verfolgt: Erstens als Medienopfer, zweitens als Opfer einer politischen Strategie, und zuletzt als Opfer von Neidern in der
Armee.
Aber seine persönlichen Verfehlungen sind ja nicht von der Hand zu weisen.
Und das ist die Krux: Durch die Stillschweigevereinbarung mit seiner Ex-Freundin konnte er nicht darüber sprechen. Was ihn vielleicht entlasten würde. Man muss die rechtsstaatlichen Prinzipien beachten: Roland Nef ist ein unbescholtener Mann – es existiert kein Gerichtsurteil gegen ihn.
Sie glauben ihm also?
Ich bin nicht Richter, deshalb masse ich mir kein Urteil an. Die Gewaltentrennung ist
für mich die Basis eines demokratischen Rechtsstaates. Es kam nie zum Prozess, wo er beweisen könnte, ob er schuldig oder unschuldig ist.
Stichworte Sex-Inserate und Stalking: Sind Sie enttäuscht darüber, dass er nicht über die Vorfälle mit seiner Ex-Frau gesprochen hat?
Nein, das wusste ich. Das darf er ja auch nicht. Wir haben ja schon im Vorfeld längere Gespräche zusammen geführt. Und nach dem Interview hat er mir ein gutes Feedback gegeben.
Obwohl Sie teilweise harte Worte fanden?
Er wusste worauf er sich einlässt. Wenn jemand zu mir kommt, weiss er, dass ihn keine Streicheleinheiten erwarten. Roland Nef wurde von mir fair und mit Respekt behandelt.
Wie ging es Nef nach dem Auftritt?
Roland Nef ist kein Mann, der grosse Emotionen zeigt. Er war ziemlich ruhig, ging nachher nach Hause zu seiner Familie zum Essen. Er zeigte sich zufrieden und ich spürte bei ihm auch eine gewisse Erleichterung.