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Cyberwelt David und sein virtueller Freund Palantir aus dem Spiel «World of Warcraft». (Sabine Wunderlin)
Heute kann David Saunders (27) einigermassen gelassen vor dem Bildschirm sitzen. Darüber ist er glücklich. Denn mit seinem PC verbindet ihn eine lange Leidensgeschichte. Der Sale-Supporter aus Basel war süchtig. Zwei Jahre lang hielt ihn die virtuelle Welt des Computerspiels «World of Warcraft» gefangen. Insgesamt – so hat er ausgerechnet – verbrachte er rund 4500 Stunden vor dem Bildschirm, täglich acht bis zehn.
Vor etwas mehr als zwei Jahren liess sich David von seinen damaligen Mitbewohnern überreden, mit ihnen gegen die Monster des populären Elektronikspiels zu Felde zu ziehen. Per Internet kämpften sie gegen Drachen, Zwerge und Blutelfen. Sein Ehrgeiz wurde David bald zum Verhängnis. «Es war wie im Sport: Je länger ich trainierte, umso besser wurde ich.»
Schleichend verwandelte sich seine Begeisterung in eine Sucht. Auch während der Arbeit dachte er immer an seine Spielfiguren und ignorierte die Realität: «Mich hat alles genervt, was mich vom Spielen abhielt. Ich lebte nur noch online.»
Nächtelang sass David vor dem Computer und lebte von Junk-food. Immer öfter meldete er sich bei seinem Arbeitgeber krank. Beinahe wurde er von dem Basler Internetprovider entlassen. Seine Freunde erkannten bald, dass David krank war. «Sie wollten mir mehrmals den PC wegnehmen», erinnert er sich heute. Aber nicht einmal von seinen Eltern liess er sich helfen.
«Als ich einen Monat lang weder ein SMS noch einen Telefonanruf erhalten hatte, merkte ich, dass mir etwas fehlt.» Den Ausschlag zum Entzug gab schliesslich ein Foto: «Ich war völlig schockiert, als ich sehen musste, wie mich die Sucht verändert hatte. Ich wog plötzlich 95 Kilogramm, 25 mehr als vorher.»
Am 1. Januar 2008 löschte er das Spiel von seinem Computer und suchte den Weg zurück ins normale Leben. Doch der Ausstieg aus der «World of Warcraft» war hart. «So verwahrlost, wie ich aussah, traute ich mich nicht mehr auf die Strasse. Es war sogar schwierig, mich wieder mit meinen alten Freunden zu treffen», sagt David über die qualvolle Zeit. Aber er gab nicht auf: «Ich löste das Abo für den Fitnessklub und begann wieder zu kochen.»
Fast zehn Monate ist David nun «clean». Und stolz, dass er den Ausstieg aus der gefährlichen Sucht ganz alleine geschafft hat. Obwohl der Entzug ihn viel Kraft gekostet hat, ist er überzeugt: «Es war eine der wichtigsten Entscheidungen in meinem Leben!»