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BLICK: Holocaust-Leugner und römisch-katholischer Bischof – wie passt das zusammen?
Bischof Kurt Koch: Das passt überhaupt nicht zusammen. Den Holocaust zu leugnen ist historisch ignorant und völlig inakzeptabel. Die Kirche kann das niemals hinnehmen!
Der Lefèbvre-Anhänger Roger Williamson leugnet aber den Holocaust und wurde trotzdem wieder als katholischer Bischof offiziell anerkannt.
Nein, er ist nach wie vor nicht anerkannt als Bischof der katholischen Kirche. Der Papst hat zwar die Exkommunikation der Lefèbvre-Bischöfe aufgehoben. Das ist nur der allererste Schritt, um überhaupt ein Gespräch zu ermöglichen. Das ist noch lange nicht die Versöhnung, sondern nur der Beginn eines Weges, der noch sehr lang sein wird.
Mit der Aufhebung der Exkommunikation hat der Papst die umstrittenen Bischöfe doch rehabilitiert?
Das stimmt eben nicht. Die vier Bischöfe sind weiterhin suspendiert und dürfen ihr Bischofsamt nicht ausüben. Das bleibt. Die Wiedervereinigung ist das Ziel, sie ist aber heute noch nicht in Sicht.
Wie kann denn der Dialog mit einem Holocaust-Leugner weitergehen?
Es gibt nur eine Möglichkeit: Er muss seine Aussagen widerrufen, und zwar klar und glaubwürdig.
Die Traditionalisten sind in der Schweiz stark verbreitet, die Bewegung ging von Ecône im Wallis aus. Was ändert sich im Verhältnis zwischen offizieller Kirche und Pius-Bruderschaft?
Gar nichts. Die vier Bischöfe sind nach wie vor in dieser schismatischen Gruppierung. Der Papst hat jetzt die Türe geöffnet für eine Versöhnung. Die nächsten Schritte müssen sie machen.
Hat der Papst die Tür nicht zu weit geöffnet? Schon der Gründer der Bruderschaft, Bischof Lefèbvre, hat immer wieder gegen «Juden, Kommunisten und Freimaurer» gewettert.
Die Leugnung des Holocaust durch Williamson ist tatsächlich nur die Spitze des Eisbergs. Viele Mitglieder der Bruderschaft haben nie einen Hehl daraus
gemacht, dass sie die Erklärung des Konzils zu den nicht-christlichen Religionen und besonders zu den Juden ablehnen. Ohne die Annahme dieses zentralen Konzilsdokuments und der positiven Einstellung zum Judentum ist keine Versöhnung möglich.
Auch die Konzilserklärungen zu Ökumene und Gewissensfreiheit lehnen die Traditionalisten ab. Müssen sie hier ebenfalls einlenken?
Bernard Fellay, der Obere der Bruderschaft, hat dem Papst geschrieben, er wolle das Lehramt der Kirche anerkennen. Dazu gehören aber alle Konzilien, auch das Zweite Vatikanum.
Warum hat der Papst nach dem Skandal-Interview nicht die Notbremse gezogen?
Ich kann mir das nicht richtig erklären. Durch Indiskretion wurde im Vorfeld bekannt, dass die
Aufhebung der Exkommunikation geplant sei. Dann erschien genau zu dem Zeitpunkt das skandalöse Interview von Roger Williamson. Das Dekret war wohl schon unterzeichnet. Rom konnte oder wollte den Prozess nicht mehr stoppen.
Bedauern Sie das?
Ja, sehr. Weil es in der Öffentlichkeit derartige Irritationen ausgelöst hat.
Haben Sie Verständnis für die Reaktionen von
jüdischer Seite?
Ja, ich verstehe deren Irritation und entschuldige mich bei unseren jüdischen Mitbürgern. Kein Verständnis habe ich aber für Reaktionen von sogenannt kritischen Theologen wie Hans Küng. Er tut so, als ob sich der Papst mit der Aufhebung der Exkommunikation definitiv mit den Traditionalisten versöhnt hätte. Dabei weiss er genau, dass das falsch ist. Er redet wider besseres Wissen. Das ist verantwortungslos.
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Bischof Koch «Die vier Bischöfe sind weiterhin suspendiert und dürfen ihr Bischofsamt nicht ausüben.» (RDB/Keystone)