Wegen Stadionverbot Hooligans bedrohen Familien der Klubfunktionäre

ST. GALLEN – Oft werden Hooligans aus dem Stadion geworfen und erhalten Stadionverbot. Das wird zuweilen wieder rückgängig gemacht – weil die Schläger die Klubfunktionäre bedrohen.

  • Aktualisiert am 14.01.2012
Der Dorn in der Ferse des Fussballs: gewaltbereite Fans.- Reuters

Gewalttätige Fans vermiesen dem normalen Stadiongänger den Spass am Fussball. Am liebsten würden die Klubs die Hooligans für immer aus den Stadien verdammen. zu verbannen. Doch gegen das Stadionverbot haben die Hooligans ein einfaches – aber erschreckendes – Mittel gefunden.

Die St. Galler Justizdirektorin Karin Keller-Sutter sagte im Interview mit der «Mittellandzeitung»: «Ich weiss, dass Vereinsfunktionäre massiv bedroht wurden, damit sie Stadionverbote zurücknehmen.»

Familien werden bedroht

Laut Insidern würden Funktionäre am Telefon bedroht oder sogar zuhause aufgesucht. Dort würden die Hooligans auch vor Gewaltandrohung gegen die Familien nicht Halt machen, um wieder ins Stadion zu gelangen.

Mit Erfolg: Aus Angst werden die Hooligans dann trotz Verbot wieder in die Stadien gelassen. Gegenüber der «Basellandschaftlichen Zeitung» bestätigt Roger Müller von der Swiss Football League diese Vorfälle. Er fügt an, dass in bestimmten Fällen das Stadionverbot auch nicht durchgesetzt werde, weil sonst die Situation am Eingang zu eskalieren drohe.

Knast statt Busse

Die Justizdirektorin Karin Keller-Sutter will diese Situation nicht mehr hinnehmen und fordert seit einiger Zeit eine härtere Gangart. «Es gibt einige Punkte im Strafgesetz, die man rasch ändern könnte, ohne alles über den Haufen zu werfen.» Sie kritisiert die ausgesprochenen Geldstrafen bei Gewaltdelikten. «Da braucht es einen Freiheitsentzug.»

Die Erfahrung zeige, dass es richtig sei, die Täter aus ihrem Umfeld zu nehmen. Die Schnellrichter im St. Galler Stadion seien eine gute Sache: «Diese Sprache verstehen die Ultras.» Karin Keller-Sutter erzählt von einem Rädelsführer der Hooligans der üblen Sorte, der in der Untersuchungshaft plötzlich ganz leise geworden sei und mit seinem Mami habe telefonieren wollen.

St. Gallen solle Vorbild für den Rest der Schweiz werden. «Wir haben in der Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren die Staatsanwaltschaften aufgefordert, sich über einheitliche Strafrahmen und Bussenkataloge zu verständigen.» (num)

Die Justizdirektorin von St. Gallen Karin Keller-Sutter wurde schon selbst von Ultras bedroht. Sie will den Hooligans mit härteren Strafen endlich den Riegel vorschieben.- Keystone

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