Holenweger sagt Sorry

  • Publiziert: 11.09.2007, Aktualisiert: 03.01.2012

ZÜRICH – Mit seinem wilden Flipchart-Gekritzel zog Ex-Bankier Holenweger zahlreiche Personen in den «Fall Roschacher» hinein. Das tut ihm nun leid.

Beim angeblichen «Komplottplan» zur Absetzung von Bundesanwalt Valentin Roschacher handelt es sich laut dem früheren Privatbankier Oskar Holenweger um «persönliche Orientierungshilfen». Holenweger entschuldigte sich in einer Stellungnahme von heute bei allen auf der so genannten «H-Liste» aufgeführten Personen.

Diese Personen seien völlig zu Unrecht in den Strudel von Verdächtigungen gezogen worden, schreibt Holenweger. Die Flipcharts hätten als persönliche Orientierungshilfe gedient und seien ausschliesslich im Rahmen von familieninternen Diskussionen oder bei Telefonaten mit seinem Anwalt verwendet worden.

Kein einziger Strich darauf stamme von einer Drittperson. «Die unterschiedliche Schriftweise erklärt sich damit, dass ich teilweise stand, sass oder gleichzeitig telefonierte», erklärt Holenweger.

Auch die «H-Liste» sei eine persönliche, unsystematische Orientierungshilfe. Keine der aufgeführten Personen habe davon gewusst. «Es war weder ein Komplottplan, noch wurden die in Frage stehenden Parlamentarier zu irgendeinem Zeitpunkt über einen angeblichen Plan informiert oder waren sie gar darin involviert», schreibt der Ex-Bankier weiter.

Diese Liste enthalte Namen von Parlamentariern, die sich vor dem 1. Juni 2006 zur Bundesanwaltschaft oder zur Person Valentin Roschacher geäussert hätten.

«Falls es jemals ein Komplott gegen Bundesanwalt Roschacher mit dem Ziel, ihn des Amtes zu entheben, gegeben haben sollte, wären die dafür verantwortlichen Personen bei der Bundesanwaltschaft und/oder der Bundeskriminalpolizei zu suchen», hält Holenweger fest.

Tatsache sei, dass aus diesen Kreisen seit Dezember 2004 systematisch Schlüsselnachrichten, die zum späteren Eklat geführt hätten, an die Medien gelangt und von diesen verbreitet worden seien.

Sein letztes Gespräch mit Bundesrat Christoph Blocher hat Holenweger nach eigenen Angaben 1988 geführt. Silvia Blocher habe er letztmals an einer Klassenzusammenkunft Ende der 1990er-Jahre gesehen.

Für sein Verhalten entschuldige er sich: Das Herumführen der persönlichen und unsystematischen Listen und Notizen habe zur heutigen politisch vergifteten Atmosphäre geführt und bewege ihn sehr. Holenweger wies erneut sämtliche gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück. (AP/hhs)

«Persönliche Lageanalyse»

An ihrer Medienkonferenz vergangenen Donnerstag hatten SVP-Vertreter Holenwegers Unterlagen als Telefonliste und persönliche Lageanalysen dargestellt (Blick Online berichtete). Diese waren im vergangenen Frühjahr bei der vorübergehenden Festnahme von Holenweger in Stuttgart sichergestellt worden. Am 11. Dezember 2003 war er unter Geldwäschereiverdacht verhaftet und fast sieben Wochen in Untersuchungshaft genommen worden. Seine Tempus Privatbank AG wurde unter dem Druck der Affäre verkauft.

SVP sieht Geheimplan gegen Blocher entlarvt

Das angebliche Komplott zur Absetzung von Bundesanwalt Valentin Roschacher ist Teil des Geheimplans zur Abwahl von Bundesrat Christoph Blocher. Davon ist die SVP überzeugt. Sie glaubt gar, dass Bundesratsmitglieder beteiligt sind.

Der Geheimplan existiere, sagte SVP-Präsident Ueli Maurer vor den Medien in Bern. Leider könnten die eigentlichen Drahtzieher nicht genannt werden. Der Plan zur Abwahl Blochers sei ein langfristiges Projekt der andern Parteien. Seit der Wahl in den Bundesrat werde versucht, Blocher zu diskreditieren und loszuwerden.

Namentlich die Präsidentin der GPK-Subkommission, Lucrezia Meier- Schatz (CVP/SG), habe mit ihren «Fehlaussagen» zum angeblichen Komplott gegen Roschacher «im Sinne des Geheimplanes gewirkt», sagte der Zürcher Nationalrat Christoph Mörgeli. Er schliesse nicht aus, dass auch Mitglieder des Bundesrates Teil des Geheimplanes seien.

Die SVP habe an der Medienkonferenz keine neuen Fakten vorgebracht, stellt derweil die CVP fest. Der Wahlleiter der SVP Schweiz, Nationalrat Toni Brunner, sei über sämtliche Interna der Subkommission seit über einem Jahr detailliert im Bild, schreibt die CVP in einem Communiqué: «Und da will man daraus einen ‹Geheimplan› konstruieren?».

Der SVP fehlten offensichtlich klare Argumente, um ihre Theorie zu stützen. Mit dem Auftritt von heute breche die Verschwörungstheorie in sich zusammen. (SDA)

Top 3

1 Drei Tote im Kandertal Heli touchierte Drahtseilbullet
2 BLICK zitiert den Luzerner Staatsanwalt «Die kaltblütigste IV-Betrügerin!»bullet
3 Die niedergeschossene Spar-Filialleiterin «Es ist ein Wunder, dass...bullet

Schweiz