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Eintönig rauscht die Kleine Schliere unten im Tobel. «Sie war schon lauter. Damals am Montagabend, am 22. August», erinnert sich Walter Albert. Aber es war nicht der Bach, der die Bewohner der beiden Seewli-Höfe ängstigte. Es waren die Risse und Rutsche im Hang über den Häusern. Es war die zerstörte Zugangsstrasse. Und der Erdrutsch, der einen alten Stall 200 Meter von Alberts Hof wegfegte.
Erst vor drei Jahren baute der ledige Bauer einen neuen Stall, ein Silo – für 300000 Franken. «Da flossen öffentliche Gelder. Wir glaubten an die Zukunft. Die Gemeinde hat auch die Zufahrtsstrasse gebaut», sagt der Alpnacher Gemeindepräsident Josef
Jöri (55).
Und jetzt das. Die Sintflut vom August hat das potenzielle Rutschgebiet zum akuten Gefahrengebiet gemacht. «Das hier ist kein Lebensraum mehr und kann infolgedessen nicht mehr bewohnt werden», sagt der Gemeindepräsident nüchtern.
Täglich schaut Albert zu seinen 45 Rindern im Stall. Seit dem Unwetter gibt es rund um den Stall nicht mehr genug Weideland. Er kommt zu Fuss über die Wiesen. Die Zufahrtsstrasse zu reparieren würde die Gemeinde Millionen kosten.
«Ohne Strasse macht auch die Bewirtschaftung eines Hofes keinen Sinn mehr», sagt Walter Albert. Die Nächte im Gefahrengebiet verbringen möchte er schon gar nicht. «Wenn es dunkel ist und regnet, fühle ich mich nicht mehr sicher hier oben», gesteht er.
Jetzt musste er mit seinen Eltern nach Alpnach ziehen. «Ich bin dankbar. Immerhin wohnen wir in einem Holzhaus, wie wir es gewohnt sind, und nicht in einem Zementklotz. Aber ich vermisse meine Tierli so sehr», erzählt sein Vater, Walter Albert senior, traurig. Zwei von seinen drei ehemaligen Nachbarn hatten weniger Glück. Sie leben in einem Wohnblock.
Und jetzt droht den von der Natur Vertriebenen auch noch eine finanzielle Katastrophe. Weder die Emmental-Versicherung noch die Helvetia-Patria ist bereit, Entschädigungen für Häuser zu bezahlen, die noch nicht kaputt sind, sondern erst unbewohnbar. «Einen solchen Fall wie hier müssten die Versicherungen doch als Spezialfall behandeln. Die Gemeinde wäre bereit, anderswo Ersatzbauten zu erstellen. Aber das ist alles eine Frage der Finanzierung», sagt Jöri. Dann hat er eine Idee: «Die Glückskette könnte doch hier gemeinsam mit den Versicherungen eine Lösung versuchen.»