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Hochwasser-Bericht aus den Regionen:
Stand: Mittwoch, 24. August, 19.35 Uhr
Am prekärsten blieb die Hochwasserlage heute in der Innerschweiz sowie in Bern und im Berner Oberland. Durch das Berner Mattequartier floss weiterhin die Aare. Am Mittwochabend beschloss der Regierungsstatthalter, sämtliche Bewohnerinnen und Bewohner aus ihren Häusern zu holen (Blick Online berichtete).
Im übrigen Kanton Bern entspannte sich die Lage ein wenig. Fieberhaft wurde in allen Überschwemmungsgebieten an der Wiedereröffnung von Verkehrswegen gearbeitet. Von der Umwelt abgeschnitten blieben aber das Diemtigtal, das Oberhasli und Brienz im Berner Oberland. In der Innerschweiz waren das Melchtal, Engelberg OW, Bauen und Isenthal UR isoliert. Vielerorts muss das Trinkwasser abgekocht werden.
Im Touristenort Engelberg OW wurden 3800 Einheimische und gut 1000 Touristen weiterhin aus der Luft versorgt. Möglichst schnell sollte eine Notstrasse die zerstörte Strassen- und Bahnverbindung ersetzen. Weil aber ein Alpgebäude abzurutschen droht, ist der Bau dieser Notstrasse gefährdet.
Prekär war die Lage auch in Lungern OW: Dort gefährdete ein über 300 Kubikmeter grosser Felsblock die Gemeinde. Er wurde am Nachmittag gesprengt. 100 Evakuierte konnten darauf wieder in ihre Häuser zurückkehren.
Im nidwaldnerischen Ennetbürgen stieg der Vierwaldstättersee erneut. Die seenah wohnende Bevölkerung wurde aufgefordert, in den Häusern zu bleiben. Auch Brunnen SZ war, wie andere Anrainergemeinden des Sees, überschwemmt.
In Luzern standen weite Teile der Innenstadt unter Wasser. Gaffer behinderten die Arbeit der Einsatzkräfte. Deshalb wurde ein Steg über die Reuss gesperrt. Nur noch zwei Brücken sind uneingeschränkt offen. Im Keller des Verkehrshauses wurden unersetzbare Fahrzeuge und Archivmaterialien zerstört.
Das Reusswehr in Perlen LU drohte weiter zu bersten. Tausende Tonnen Schwemmholz drückten gegen die Konstruktion. Sollte sie nachgeben, würde eine zwei bis drei Meter hohe Flutwelle entstehen. Im Kanton Schwyz blieb die Lage in etwa gleich, in Zug trat eine Entspannung auf. Im Kanton Uri sollte die Autobahn A2 am Wochenende wieder geöffnet werden.
Im nach wie vor isolierten Brienz wird weiterhin eine Frau vermisst. In der Nacht auf den Dienstag war dort eine ihrer Töchter ums Leben gekommen und die andere schwer verletzt worden.
Im halbzerstörten Oey konnten 200 Personen nicht in ihre Häuser zurück. Strom und Wasser gab es nicht. Das Diemtigtal war abgeschnitten. In Reichenbach wurde ein Ortsteil zerstört. Am Thunersee standen Teile von Spiez und Thun unter Wasser.
Auf dem Bödeli zwischen Brienzer- und Thunersee beschädigte das Hochwasser den Bahnhof Interlaken-Ost so schwer, dass er erst in Wochen den Betrieb wieder aufnehmen kann. Immerhin konnten einige Verkehrswege wieder geöffnet werden.
Die Kantonspolizei Zürich suchte am Mittwochnachmittag nach einer Person in der Töss im Zürcher Oberland. Die Rega unterstützte die Suche aus der Luft. Zeugen hatten eine Frau auf Gemeindegebiet Bauma flussabwärts in der Töss treiben sehen.
Der am Dienstag in Dürnten ZH gefundene Tote wurde als 47- Jähriger aus Hinwil identifiziert. Eine im Walensee gefundene Wasserleiche steht nicht im Zusammenhang mit dem Hochwasser. Im Weiteren entspannte sich die Lage in Zürich. Der Pegel des Zürichsees lag knapp unter Alarmwert.
In der Ostschweiz stieg der Pegel des Linthkanals weiterhin moderat. Der Kanal stand unter Beobachtung. Im Kanton St. Gallen starteten Aufräumarbeiten. Diese dürften Wochen dauern, etwa in Weesen, wo meterhoch Schutt liegt.
Auch in Klosters und Susch GR setzten die Arbeiten ein. 160 Personen blieben evakuiert. Die am Dienstag in Küblis GR von der Landquart mitgerissene 72-Jährige wurde nicht gefunden.
Die Lage im Aargau beruhigte sich zusehends. Wie in St. Gallen konnten Evakuierte nach Hause zurück. Überall wo das Hochwasser zurückging, wurde das Schadenausmass deutlich.
Weiterhin standen in den Katastrophengebieten neben den zivilen Kräften rund 1000 Armeeangehörige im Einsatz. Der Bundesrat zeigte sich vom Aussmass der Überschwemmungen «schockiert». In den kommenden Tagen dürfte sich die Lage beruhigen. Dank eines Hochs rechnen die Meteorologen mit einer raschen «Austrocknung».