Hip-Hopper verwüsten Speisewagen

  • Publiziert: 05.02.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Fredy Herren
play So stellt sich Blick-Illustrator Kravarik die Verwüstung vor. (Illustration: Kravarik)

Die Schwarzfahrer kamen in einer Hundertschaft — Polizei und Kontrolleure kapitulierten.

Es ist der ICN-Zug Biel–Lausanne, Nummer 1604. Der erste in diesen frühen Morgenstunden am Sonntag vor zwei Wochen. Doch kurz nachdem er abfährt, ist in den Waggons der Teufel los.

In Neuenburg stürmt eine hundertköpfige Horde überwiegend schwarzer Hip-Hopper die Zweitklasswagen. Viele betrunken, die meisten aggressiv. Verängstigte Passagiere flüchten vor dem Mob in die Erstklasswagen.

Die Kontrolleure merken gleich: Kaum ein Hip-Hopper hat ein Billett. Zwar fahren zwei Bahnpolizisten mit, doch die Zugbegleiter müssen kapitulieren. Die Schwarzfahrer geben den Beamten zu verstehen: Ihr habt hier nichts mehr zu melden. Ein Reisender zu BLICK: «Die Kontrolleure traten richtig deprimiert den Rückzug an.»

In Yverdon steigt ein Drittel des Pöbels aus. Aber ruhiger wird es nicht. Im Gegenteil. Einige stehen auf dem Trittbrett herum, verzögern die Abfahrt. Die Bahnpolizisten werden mit Schneebällen beworfen. Ein Polizist muss sich mit Pfefferspray verteidigen. Zwischen Yverdon und Lausanne zeigt sich, dass die Randalierer den Speisewagen aufgebrochen und geplündert haben. Bier, Cola, Esswaren – alles weg.

Der Angestellte, der den Speisewagen in Lausanne übernimmt, bekommt eine Meldung. Doch als BLICK
beim Speisewagenbetreiber Elvetino nachfragt, ist man überrascht: Auch zwei Wochen später ist dort vom Vorfall noch nichts bekannt.

Bei der SBB liegt ein Rapport der Ereignisse vor. Doch den verschweigt die Bahn kleinlaut. «Gegenüber so vielen Schwarzfahrern können unsere Leute nichts ausrichten», so ein Sprecher.

Pech für Schwarzfahrer, die vielleicht nur vergessen haben, ein Billett zu lösen. Seit neustem müssen sie nicht nur 80 Franken Busse bezahlen – sie werden von den SBB auch für zwei Jahre registriert. Und beim zweiten Mal gnadenlos verklagt.

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