Hilfs-Organisationen findens ethisch bedenklich Jetzt hagelts Kritik an der «Ice Bucket Challenge»!

Roger Federer tats, Mark Zuckerberg machte mit und sogar Lady Gaga war sich nicht zu schade: Die «Ice Bucket Challenge» ist bei Promis weltweit hoch im Kurs. Ein Schweizer Fundraising-Experte ist von der Spendenaktion weit weniger begeistert.

Auch Federer macht mit beim Ice Bucket Challenge!

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Die «Ice Bucket Challenge» erobert das Netz. Waren es in der Schweiz bislang vor allem Promis, die sich einen Kübel Eiswasser über den Kopf giessen, macht mittlerweile vom Schüler bis zum Professor fast jeder mit. Roger Tinner, Geschäftsführer von Swissfundraising, des Berufsverbands der Schweizer Fundraiser, und einer Kommunikationsagentur, erklärt, wie es zum Erfolg der Spende-Aktion kam. Und nennt die Haken.

Herr Tinner, Menschen auf der ganzen Welt schütten sich eiskaltes Wasser über den Kopf und rufen damit zum Spenden auf. Über 30 Millionen Franken hat die ALS Association offenbar bereits eingenommen. Ein Geniestreich?
Ein Video, das sich plötzlich rasant im Netz verbreitet - das ist kein neues Phänomen. Im Zusammenhang mit einer Spendenaktion ist die grosse virale Verbreitung für die Organisation aber ein Riesengeschenk. Sie steht jetzt wohl vor einem wahrlichen Luxusproblem: Wie kann all das Geld sinnvoll eingesetzt werden? Mit den vielen flüssigen Mitteln umzugehen, kann für die Organisation ein grosses Problem darstellen.

Wie konnte es dazu kommen, dass sich die Aktion so schnell herumsprach?
Die Spendenaktion funktioniert ganz nach der Logik, nach der auch Social-Media-Kanäle wie Facebook, Instagram oder Twitter selbst ticken: Es geht um die Selbstdarstellung der User. Die Aktion ist an sich harmlos, dennoch braucht es Überwindung. Man kann sich inszenieren, sich gegenseitig mit kreativen Ideen übertrumpfen. Das gefällt.

Und wenn man artig mitmacht, muss man eigentlich ja auch gar nichts spenden.
Genau das ist der Trick: Durch die Nominierung ist man einem öffentlichem Druck ausgesetzt. Man muss sich erklären, will man nicht mitmachen. Und macht man mit, dann kann man sein Image gleich noch einmal verbessern, indem man trotzdem spendet. Man zeigt: Ich bin ein cooler Typ - und spende auch noch! Das macht die Aktion so clever.

Sie schwärmen von der Aktion. Keine Kritikpunkte?
Doch, ganz klar. Die Mitglieder unseres Verbands arbeiten nach klaren ethischen Richtlinien. Eine davon besagt, dass wir keinen Druck aufbauen wollen. Dieser Regel widerspricht die Aktion. Auch muss man beim Fundraising stets aufpassen, dass der Event und der Spass dabei letztlich den Zweck nicht völlig überlagern. Im Falle der «Ice Bucket Challenge» besteht diese Gefahr ganz klar: Man weiss wohl, dass es sich bei ALS um eine schlimme Krankheit handelt. Aber mit dem Thema befasst man sich nicht wirklich - zu wenig hat es mit der Aktion an sich zu tun. Ausserdem ist der verschwenderische Umgang mit dem global knappen Gut Wasser fragwürdig.

Wird die Aktion dazu führen, dass etablierten Schweizer Hilfswerken Spenden verloren gehen?
Grundsätzlich wird der Spendenkuchen nicht grösser, auch durch aussergewöhnliche Spendenaktionen nicht. Das ist so. In diesem Fall glaube ich jedoch, dass die Challenge tendenziell Menschen anspricht, die sonst eher nicht spenden. Weniger angesprochen wird der Typ Spender, dem die Transparenz einer Hilfsorganisation wichtig ist. Und das sind die meisten derjenigen Menschen, die sonst für Hilfsorganisationen spenden. Ausserdem sind Schweizer Spender relativ treu. Hier ist es wie in der Wirtschaft: Wenn man immer an einem bestimmten Ort einkaufen geht, wird man im Normalfall auch dort bleiben. (lha)

Publiziert am 28.08.2014 | Aktualisiert am 28.08.2014
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Roger Tinner, Fundraising-Experte, glaubt nicht, dass andere Hilfswerke wegen der «Ice Bucket Challenge» weniger einnehmen. play

Roger Tinner, Fundraising-Experte, glaubt nicht, dass andere Hilfswerke wegen der «Ice Bucket Challenge» weniger einnehmen.

ZVG
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18 Kommentare
  • Urs  Seeland aus Seeland
    28.08.2014
    Es HAGELT Kritik. Also wegen einem Steinchen, das vom Himmel fällt, hagelt es noch lange nicht.
  • Bea  Müller 28.08.2014
    Super einer der sich wichtig macht, hat aber null Ahnung. Weiss gar nicht wieso der gefragt wird. Ein weltweiter Erfolg und die Schweiz und deren "Experten" motzen wieder. Unglaublich wie intolerant wir alle sind und ich bin doch ein Füdli-Bünzli. Schade eigentlich. Hoch lebe die Schweiz.
  • rita  tresch 28.08.2014
    Man darf auch ohne Dusche spenden. Wir die ALS-Betroffenen in der Schweiz und auf der ganzen Welt sind um jeden Rappen froh. Vielleicht bedeutet dann in einigen Jahren die Diagnose ALS nicht mehr das Todesurteil.
  • Esther  Bosshart , via Facebook 28.08.2014
    Ich finde diese Aktion, auch wenn sie gut gemeint ist dumm. Niemand, der das macht, denkt daran, dass es Menschen gibt, die kein Wasser haben und verdursten.
    • Urs  Seeland aus Seeland
      28.08.2014
      Ok, dann mach doch mit !! Statt was zu Spenden darfst du einen Eimer Wasser vorsichtig nach Afrika schleppen und ihn an durstige Menschen verteilen. Solange di Challange nicht an Orten praktiziert wird, an denen das Wasser mangelware ist, gibts doch kein Problem, ausser bei den Dauernörgelern.
    • Luz  Erner 28.08.2014
      Am Schluss ist es bei Leuten wie dir ethisch bedenklich, wenn Wasser den Bach, runter ins Meer läuft.
  • Walter  Portmann 28.08.2014
    Dachte schon, ich sei der Einzige, der dies lächerlich findet.
    Ich spende sehr oft, muss das aber nicht mit einer Spinnerei verbinden oder immer an die grosse Glocke heften.
    • Urs  Seeland aus Seeland
      28.08.2014
      Bitte Beitrag lesen. Dann sehen sie, dass eben mit solchen Aktionen eine andere Zielgruppe zum Spenden animiert wird. Was soll da lächerlich sein ?