Heute ist Welt-Aids-Tag – Michèle Meyer erzählt vom Alltag mit dem Virus «HIV kann nicht mein ganzes Leben sein»

Michèle Meyer (51) ist HIV-positiv. Seit 22 Jahren lebt sie mit dem Virus. Mit viel Mut und Durchhaltewillen hat sie ihren Weg zum Glück dennoch gefunden.

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Chemiewolke über Pharma-Stadt? Schüler müssen wegen Rätsel-Gestank...
2 Kleinflugzeug in Basel abgestürzt Flughafen bestätigt Todesopfer
3 Schon sechs tote Büsi innert wenigen Tagen Katzenseuchen-Alarm im...

Schweiz

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
8 shares
4 Kommentare
Fehler
Melden

Michèle Meyer (51) ist einer von rund 20’000 Menschen in der Schweiz, die den HI-Virus in sich tragen. Vor 22 Jahren steckte sie sich über ihren damaligen Ehemann an. Nach der zermürbenden Diagnose kämpfte sie sich die letzten Jahre zurück ins Leben – mit Erfolg!

Ihre Leidensgeschichte beginnt mit dem simplen Wunsch, Mutter zu werden. Das Problem: Der Ehemann ist HIV-positiv. Trotzdem wird Meyer nach einiger Zeit mit 29 Jahren schwanger.

Doch die Freude währt nicht lange, das ungeborene Kind stirbt. Zehn Tage später erhält die junge Frau die Diagnose: Sie hat sich mit HIV angesteckt. Nur wenige Monate später stirbt der Ehemann – an Aids.

Neue Behandlungsmethoden

Trauer, Wut und Verzweiflung überkamen Meyer. «Ich war wütend auf mich selbst und auf ihn – dass er mir noch gezeigt hat: Man kann daran sterben.» Die Ärzte geben ihr maximal sieben Jahre bis zum Ausbruch von Aids, dann im besten Fall noch zwei Jahre bis zum Tod. Nicht nur diese Prognose wiegt schwer – sondern auch der unerfüllbare Kinderwunsch.

«Die Frage war: Willst du sterben oder leben?» Michèle Meyer trifft eine mutige Entscheidung: Sie setzt auf die damals neuen Behandlungsmethoden. «Die Medikamente haben mich körperlich fertig gemacht», sagt Meyer. Sie kämpft mit Nebenwirkungen. 

Sie wird arbeitslos, vom Arbeitsamt als nicht vermittlungsfähig eingestuft – Meyer wird zum Sozialfall: «Für mich ist eine Welt zusammengebrochen.»

Neuer Partner

Nach Jahren rafft sie sich wieder auf. Meyer macht sich auf die Suche nach einem neuen Partner – eine heikle Mission. Sie habe sich immer rasch als HIV-positiv geoutet. «Die meisten nehmen Reissaus wegen der Angst vor der Ansteckung. Oder sie wollen keine Beziehung mit jemandem, der ihnen wegsterben könnte.»

Doch dann findet sie Mic Meyer. Seit 13 Jahren sind sie ein Paar. «Viele Leute fragen mich, ob ich keine Angst vor einer Ansteckung habe», erklärt Meyer. Seine Antwort ist klar: «Nein. Mit dem muss man einfach richtig umgehen, das ist kein Schrecken.»

Neue Schwangerschaft

Michèle Meyer findet zurück ins Leben: Sie ist nicht mehr sexuell infektuös – und darf deshalb Kinder bekommen. Sie wird mit 37 Jahren Mami. «Das war ein Riesengeschenk», sagt die zweifache Mutter.

 

Auch eine neue Karriere hat Meyer ins Auge gefasst: Sie wird Clown. «Ich will auf die Bühne, das wäre mein grösster Traum.» Im März feiert sie Premiere mit einem eigenen Stück.

«Vielleicht ist das verrückt, mit 51 noch den Fokus auf Clown zu setzen. Vielleicht etwas spät – aber das macht nichts», sagt Meyer. «HIV kann nicht mein ganzes Leben sein. Ich hatte nicht nur Schwein zu überleben, sondern auch das Glück, gut zu leben.»

Publiziert am 01.12.2016 | Aktualisiert am 06.12.2016
teilen
teilen
8 shares
4 Kommentare
Fehler
Melden

4 Kommentare
  • Michael  Tomov aus Koror
    02.12.2016
    Wer mit jemandem ungeschützten Sex hat, von dem er oder sie weiss, dass er oder sie HIV-positiv ist, muss nachher nicht über die Folgen jammern.
  • Sonja  Zwicker 02.12.2016
    Tut mit Leid! aber für den Mutterwunsch kann ich kein Verständnis aufbringen! Schön, dass sie den Mut hat zu leben, und leben darf... Aber sie bekam ja schon bei ihrem ersten Mann mit, wie schnell sich das ändern kann.
    Trotz dieser Ungewissheit ein Kind in die Welt zu setzen, ist verantwortungslos und egoistisch!
  • Lucio Silva  Safnanno aus San Vito Lo Capo
    01.12.2016
    In vielen Ländern kennt die Bevölkerung HIV nicht. Man lebt bis man stirbt. Aus die Maus. In 100 Jahren wird man denn mal erstaunt sein, mit welchen unentdeckten Krankheiten wir im Jahr 2016 umherliefen.
  • Luca  Prenner , via Facebook 01.12.2016
    Es ist richtig, dass diese Frau nun doch noch ein geselliges Leben führen darf und dies vor allem als Mutter!

    Zum Glück leben wir in einer Zeit in welcher wir gut mit diesem Virus umgehen können!

    Alles Gute weiterhin :)