Herr Villiger, was sollen wir denn wollen?

  • Publiziert: 17.04.2009, Aktualisiert: 02.01.2012
play Stolzer Buchautor: alt Bundesrat und neuer UBS-Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger. (Keystone)

ZÜRICH – Kaum als Verwaltungsratspräsident gewählt, präsentiert sich Kaspar Villiger als Buchautor. Und möchte damit einen Schlussstrich als Politiker ziehen. Nur wird nicht so ganz klar, was der Titel aussagen will.

«Eine Willensnation muss wollen», heisst Kaspar Villigers Werk. Heute stellt er es vor. Um ein Zeichen zu setzen: «Ich wollte mit dem Buch einen Schlussstrich unter meine politische Tätigkeit ziehen», sagte Villiger. Er wolle kein «politischer» UBS-Präsident sein, sagte der ehemalige Vorsteher das Finanz- und Militärdepartements.

Ganz werde ihm dies wohl nicht gelingen. «Aber ich will nicht der Besserwisser sein», sagte Villiger. Den grössten Teil seines Buches schrieb Villiger vor seiner am 4. März bekanntgegebenen Entscheidung, Verwaltungsratspräsident der UBS zu werden.

Kritik an Blocher

Obwohl derzeit vor allem die Wirtschaft dominiere, setzte Villiger in seinem Buch den Akzent auf der Politik und der Analyse des politischen Systems der Schweiz: «Ich glaube, man muss auch jetzt Grundsätzliches nicht aus den Augen verlieren», sagte er.

Was er geschrieben habe, solle auch noch in einem Jahr und darüber hinaus Gültigkeit haben. Villiger sieht nämlich die «Willensnation Schweiz» auf der Probe. Doch es gebe keine Alternative zu den tragenden Pfeilern der politischen Kultur der Schweiz, der direkten Demokratie und der Konkordanz.

In diesem Sinne rechtfertigte Villiger auch die Kritik an alt Bundesrat Christoph Blocher, mit dem er in seinem Buch als einer der wenigen namentlich hart ins Gericht geht: «Ich hatte eine Sorge, bei der es nicht um die Person ging: Die Sorge, dass der Bundesrat wirklich im Interesse des Landes agiert.»

In den letzten Jahren ist diese Vorgabe durch parteipolitisches Handeln unterminiert worden, so Villigers Meinung. Die Abwahl Blochers sei daher seines Erachtens nicht nur gegen dessen Person gerichtet gewesen.

Für Verständnis der Schweiz

«Das Buch schrieb ich für ein bisschen für mich selber, auch um mit mir ins Reine zu kommen», sagte Villiger. Er hoffe, dass sein Buch in der Schweiz wie auch im Ausland gelesen werde und zum besseren Verständnis der Schweiz beitrage. Bleibt zu hoffen, dass die Schweizer auch den Titel verstehen…(SDA)

Villiger nimmt Bundesrat in Schutz

Villiger verteidigte die Politik des Bundesrats, auch die UBS-Staatshilfe. Diese sei ein Beispiel dafür, dass eine Regierung manchmal unkonventionell handeln müsse: «Das ist unschön und nicht gut aus Sicht des Parlamentes.» Solche Interventionen dürften nicht die Regel sein.

In wirtschaftlicher Sicht verfüge die Schweiz indessen über gute Rahmenbedingungen und sei konkurrenzfähig. Das zeige schon der Zuzug ausländischer Unternehmen in die Schweiz.

«Die Kritik am Bankgeheimnis ist auch ein Versuch, den Bankenstandort Schweiz zu schwächen», sagte Villiger. Der Bundesrat versuche, eine Lösung zu finden, die langfristig tragfähig sei. Standortbedingungen spielten eine wichtige Rolle im internationalen Konkurrenzkampf, auch für die UBS.

Villiger musste bei der Buchpräsentation die Frage gefallen lassen, ob er als ehemaliger Finanzminister immer richtig gehandelt habe. «Ich habe damals nicht realisiert, dass man in guten Zeiten grössere Polster haben muss», sagte Villiger im Blick auf die gesetzlichen Regelungen zur Kapitalausstattung der Banken.

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