Lolita und der Bundesrats-Kandidat Herr Lüscher, ist dieses Foto eine Fälschung?

  • Publiziert: 14.09.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Ralph Grosse-Bley und Simon Spengler

Bundesratskandidat Christian Lüscher und seine Ex, Lolita Morena – was ist zwischen diesen beiden bloss vorgefallen? Der FDP-Politiker behauptet, «es gibt kein einziges gemeinsames Foto von uns». Ist das Bild unten etwa eine Fälschung?

Es war sicher nicht schmeichelhaft, was Lolita Morena (48) am Samstag im BLICK über ihren Ex-Lover Christian Lüscher (45) preisgab. Lüscher sei «zu rechts», ihm «fehlt die Sensibilität, nicht nur für die Menschen, auch für die Tiere», und ausserdem möge er «die Ausländer nicht».

Illustriert hatte BLICK das Interview mit einem Foto, das Lüscher mit Lolita zeigt, aufgenommen am 21. Januar 2009 an der Eröffnung einer Edel-Uhrenboutique in Genf. Der Fotograf ist Michel Perret von der welschen Tageszeitung «Le Matin» (veröffentlicht wurde das Bild in der online-Ausgabe der Zeitung). Es zeigt Lolita, Lüscher und rechts daneben die Miss Suisse Romande 2008, Marianne de Cocatrix.

Im Interview mit der Zeitung «Sonntag» sagt Lüscher auf den Hinweis, er gelte als Frauenheld: «Das ist total falsch. Nehmen Sie die Geschichte mit Lolita Morena: Natürlich hatte ich eine Geschichte mit Lolita, aber es gibt kein einziges Foto von uns.»

Auf den Hinweis, es gebe ein solches Foto aber im BLICK vom Samstag, antwortet Lüscher: «Das ist wohl eine Fotomontage oder ein bearbeitetes Bild.» Weiter betont Lüscher, er habe «nie mit einer Freundin für ein Foto posiert».

Ist das Foto aus Genf also eine Fotomontage? Das Foto ist natürlich authentisch!

Warum kann oder will Lüscher sich nicht an den Auftritt mit Lolita erinnern? Telefonisch war er für BLICK nicht zu sprechen. Per Mail lässt er uns wissen, das Interview mit dem «Sonntag» sei auf Französisch geführt worden – so als sei die fragliche Passage ein Übersetzungsfehler.

Er habe gesagt, das Bild sei eine Fotomontage oder ein Ausschnitt aus einem Bild mit mehreren anderen Personen. Was wahr ist, daran kann (oder will) sich Lüscher nicht erinnern, sonst wüsste er, dass es keine Fotomontage ist. Und dass es eben doch ein gemeinsames Foto mit Lolita gibt (auch wenn noch eine andere Frau mit auf dem Bild ist).

Lüscher mit Lolita, die rechte Hand um ihre Hüfte, die linke um die Hüfte der Miss Suisse Romande. Das Foto ist völlig harmlos, nett und unverbindlich – was Lüschers Problem damit ist, bleibt sein Geheimnis.

Vielleicht erklärt es sich aber so: Er sei früher, sagt Lüscher im «Sonntag»-Interview, nur «Bling-Bling, Glamour und Lolita» gewesen. Lüscher weiter wörtlich: «Bis mir klar wurde, dass ich selbst für mein Image verantwortlich bin.»

Lolita ist aus dem Image (und der Erinnerung?) des Mannes, der diese Woche Bundesrat werden will, gestrichen.

Ein Bild von einem Mann

Kommentar von Ralph Grosse-Bley, Chefredaktor a. i.

Was unterscheidet Christian Lüscher von Cristiano Ronaldo? Nein, nicht die Sache mit dem Glamour. Aber Ronaldos Chancen, diese Woche in der Schweiz zu gewinnen, sind deutlich höher als Lüschers.

Immerhin, Lüscher kann gewinnen, genau wie der FCZ gegen Real. Und je greifbarer die Chance scheint, desto nervöser wird der Kandidat, bemüht um äusserste Seriosität. In einem Interview am Sonntag liess er die Schweiz wissen, dass er an einem kompletten Image-Wechsel arbeite. Kein «Bling-Bling» mehr, wie er es nennt.

An Glaubwürdigkeit habe er «wieder gewonnen», sagt Lüscher. Und lobt sich selbst. «Kein einziges gemeinsames Foto» gebe es von ihm und Lolita. Obwohl er «natürlich eine Geschichte mit Lolita» hatte. Richtig clever klingt das.

Natürlich gibt es ein Foto mit Lolita, natürlich ist es keine Fotomontage. Und natürlich weiss Lüscher das. Dass er öffentlich so tut, als könnte das Bild eine Fälschung sein, spricht für seine Nervosität.

Lolitas Attacke gegen ihren Ex im BLICK («Er ist zu rechts») war sicher nicht sehr charmant. Aber auch eine Ex-Miss darf ihre politische Meinung sagen, ob man sie nun mag oder nicht. Entscheidend ist Lolitas Meinung sicher nicht. Entscheidend ist, ob Bundesratskandidat Lüscher kompetent ist. Und ehrlich. Sein Image kann er wechseln. Nur seine Vergangenheit nicht. Dazu gehört «die Geschichte mit Lolita». Punkt.

Was also haben Ronaldo und Lüscher diese Woche gemeinsam? Beide können gewinnen. Wenn Sie ehrlich spielen, haben sie es verdient.

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