
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Herr Dr. Wunderli, haben sie Angst vor der Schweinegrippe?
Bisher nicht, nein.
Wenn ein Virologe das sagt, bin ich beruhigt.
Man muss aber aufmerksam sein und die Entwicklung verfolgen.
Das heisst, die Pandemie kommt?
Sie ist jedenfalls auf gutem Weg.
Dann nehme ich an, Sie haben sich mit Tamiflu eingedeckt?
Nein nein, aber ich habe noch an Lager – wegen der Vogelgrippe. Aber aus beruflichen Gründen.
Gestern ist ja ein Viren-Behälter im Intercity explodiert – wie kann das passieren?
Das nenne ich Künstlerpech. Der Kurier hat das Trockeneis falsch gelagert. So kam es zum Malheur.
Aber damit wurden Schweinegrippe-Viren freigesetzt!
Nein, das waren Viren, die dem Menschen noch nicht angepasst waren. Also ein relativ kleines Risiko.
Wieso wurden dann die Leute im Zug medizinisch untersucht?
Eine reine Vorsichtsmassnahme. Theoretisch hätten die Menschen angesteckt werden können. Allerdings besteht dieses Risiko immer – im Tram, im Bus, überall wo sich viele Menschen aufhalten.
Aber ist es nicht ungeschickt, gerade jetzt und gerade diese Viren im Öffentlichen Verkehr zu transportieren?
Nun, ich will die Kollegen nicht kritisieren.
In Genf entwickelt man also mit ungefährlichen Viren einen Test zur Diagnose von Schweinegrippe – wie geht das?
Die gefährlichen Sequenzen erhält das Labor von der WHO. Dann werden sie zusammengeführt und der Test entwickelt.
Aber es dauert so lang. 10 Tage!
Das müssen Sie verstehen. Das sind nicht Sequenzen, die man mal eben im Regal stehen hat. Da müssen verschiedene Tests durchgeführt werden.
Gut, haben wir noch etwas Geduld. Zurück zum Verschicken von Viren per Post – ist das alltäglich?
Ja natürlich. Das Institut für Virologie versendet etwa 20 bis 30 Proben pro Jahr – im Gegenzug erhalten wir Tausende Proben.
Tausende gefährliche Viren per Post? Ich bin entsetzt.
Das müssen Sie nicht. Da gibt es Vorschriften für die Versendung. Ausserdem sind ja die wenigsten gefährlich. Wenn natürlich der Verdacht von, sagen wir, Lassa-Fieber besteht, wird die Probe von einem Spezialkurier gebracht.
Herr Dr. Wunderli, vielen Dank fürs Beruhigen.
Gern geschehen.
play
Fachmann: Werner Wunderli, stv. Leiter des Instituts für Medizinische Virologie der Uni Zürich. (Stephan Engler / RDB)