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Sieben Tage sind vergangen, seit Beat E.* und Mike B.* als Erste am Ort des Bootsdramas vom Bielersee Hilfe leisteten. «Die Bilder des Unfalls lassen uns nicht mehr los», sagt Beat E.* (56) zu SonntagsBlick. Mike B.* (35) ist derart traumatisiert, dass er die Nacht von Freitag auf Samstag im Berner Inselspital verbrachte.
Die zwei Freunde waren am vergangenen Sonntagnachmittag zum Bräteln auf die St. Petersinsel gekommen. Sie wollen gerade mit dem Dessert beginnen, als sie
die Hilferufe des Freundes von Angela A.* hören. Es ist 18 Uhr.
Kurz zuvor war ein 55- bis 65-jähriger Mann mit einem schnellen Motorboot und mehreren Passagieren auf das gelbe Gummiboot von Stephan F.* (26) und Angela A. zugerast. Das Pärchen versuchte verzweifelt, auf sich aufmerksam zu machen, rief und winkte. Vergeblich. In ihrer Not springen beide ins Wasser. A. wird überfahren, F. bleibt unverletzt.
«Als wir die Hilfeschreie hörten, stiegen wir sofort in unser Boot», erzählt Beat E. Fünf Minuten dauert es, bis sie beim gelben Gummiboot des jungen Pärchens sind. Auf dem See herrscht dichter Verkehr.
Dann sichten die zwei Helfer Stephan F., der seine Freundin Angela in den Armen hält: Ihre Beine sind abgetrennt, zerfetzt von der Schraube des Luxusboots. «Sie lag auf seinen Knien, er fühlte immer wieder nach ihrem Puls und versuchte, sie zu reanimieren», sagt Beat E.
Der junge Mann ist verzweifelt: Minutenlang hat er um Hilfe geschrien – doch niemand hat angehalten. «Viele Bootsführer müssen ihn gehört haben und fuhren einfach weiter», entrüstet sich Mike B. «Wir waren die Einzigen, die sofort reagierten. Das macht uns aber nicht zu Helden – wir haben nur getan, was getan werden musste.»
Beat E. alarmiert noch auf dem See die Polizei. Endlich hält ein zweites Schiff am Unfallort, eine Ärztin ist an Bord. Die Frau müsse sofort an Land gebracht werden, habe sie eindringlich verlangt.
Beherzt springt Helfer Mike B. ins blutige Wasser. Körperfetzen treiben auf der Seeoberfläche. «Ich befestigte ein Seil am Gummiboot», erklärt er. Dann nahmen Beat E. und Mike B. das gelbe Schlauchboot mit ihrem Motorboot ins Schlepptau und zogen es ans Ufer der St. Petersinsel.
Stephan F., der Freund der toten Angela A., steht immer noch unter Schock. «Der Zustand meines Sohnes ist miserabel, aber er wird betreut», sagte sein Vater gestern zu SonntagsBlick.
Die Eltern von Angela A., die während des Dramas in den Ferien waren, hätten sich «an einen ruhigen Ort» zurückgezogen. Zuerst hatten sie noch den Unfallort besucht. Traurig fügt der Vater von F. an: «Ich glaube nicht, dass der Motorbootfahrer noch gefunden wird.»
Skeptisch ist Verkehrspsychologe Martin Keller (54) vom Institut für Rechtsmedizin in St. Gallen: «Die Flucht selber kann panisch sein, aber wenn man sich nachher nicht meldet, ist das Kalkül.» Besitze der Motorbootfahrer tatsächlich ein derart teures Boot, stehe für ihn wohl «noch viel mehr auf dem Spiel», so Keller. Damit sinke die Wahrscheinlichkeit, dass er sich selber stellt.
Vielleicht ist das auch gar nicht nötig: Seit dem Unfall haben sich Dutzende Zeugen bei der Kantonspolizei Bern gemeldet. Eine Motorbootlehrerin und ein weiterer Zeuge wollen zwei Tage vor dem Unfall am Bielersee ein Luxusboot gesichtet haben, das dem Unfallboot gleiche.
Der Fahrer habe gesagt, er komme aus Yverdon VD. Er habe so ausgesehen, wie die Polizei den flüchtigen Freizeitkapitän in ihrem Fahndungsaufruf beschreibt.
Die Ermittlungen bleiben knifflig. «Wir haben noch nichts Konkretes, aber die Suche nach dem Flüchtigen geht weiter», sagte Kapo-Sprecher Michael Fichter am Samstag zu SonntagsBlick.
* Namen der Redaktion bekannt