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Die besorgten Eltern fahren am Freitag mit ihrem fünf Monate alten Söhnchen zum Kinderarzt. Es hat hohes Fieber, Husten, Schnupfen. Klassische Grippesymptome.
Der Arzt untersucht das Baby. Er verschreibt ein Antibiotikum. Diagnose: Harnwegsinfekt.
Schnell geht es dem Kleinen etwas besser. «Er trank wieder», erklärt Dominik Schorr, Kantonsarzt beider Basel, gestern an der Pressekonferenz.
Der Säugling hatte es nie einfach in seinem kurzen Leben. Seit Geburt litt er an einem Herzfehler und einer Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte, im Volksmund «Wolfsrachen». Atmen und Schlucken fielen ihm schwer. Wochen blieb er nach der Geburt im Spital.
Doch nun war das Baby daheim bei den Eltern in Oberwil BL. Ein Monitor neben seinem Bettchen überwachte Atmung und Herzfrequenz.
In der Nacht auf Sonntag schlägt der Monitor Alarm. Der Bub kriegt keine Luft mehr. Der Vater nimmt ihn auf. «Noch in seinen Armen hörte er auf zu atmen», sagt Jürg Hammer, Leitender Arzt der Intensivpflegestation im Basler Uni-Kinderspital.
Verzweifelt versuchen die Eltern das Baby zu reanimieren. Mit der Hilfe des nebenan wohnenden Grossvaters des Buben. Er ist Sanitäter.
Um 4 Uhr bringt die Ambulanz das Baby ins Kantonsspital Bruderholz. «Doch die Pupillen des Säuglings waren erweitert. Er war bereits tot», sagt Hammer.
Der akute Verlauf habe ihn stutzig gemacht, so der Lungenspezialist. «Ich nahm darum eine Sekretprobe aus Mund und Nase und schickte sie ins Labor.»
Am Dienstag die Bestätigung: Der Säugling hatte die Schweinegrippe! Er ist das erste Todesopfer in der Schweiz. Die Obduktion zeigt: Die Viren verursachten eine Lungenentzündung. Hammer: «Das Kind hatte akut zu viel Schleim und erstickte daran.»
Doch wo steckte sich das Baby mit dem H1N1-Virus an? Beide Eltern zeigten keinerlei Grippe-symptome, wie Dieter Leutwyler vom Kantonalen Krisenstab Baselland bestätigt.
«Der Bub war nach dem Spitalaufenthalt isoliert zu Hause», so Hammer. Steckte sich das Baby beim Kinderarzt an? Oder bei einer Untersuchung im Spital?
Eine Nachfrage gestern zeigt: Im Kinderspital haben sich bis gestern von den 831 Ärzten, Pflegern, Krankenschwestern und sonstigen Mitarbeitern 213 gegen die Schweinegrippe geimpft. Nur ein Viertel der Belegschaft!
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In Zeiten der Schweinegrippe ist die Betreuung von Babys im Spital besonders heikel. (Keystone)