
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Basel, Lausanne, Yverdon, Freiburg: Das die Liste der Städte, die das umstrittene Anti-Minarett-Plakat nicht dulden, weil es diskriminierend sei. Anders wirds in Zürich, Genf, Winterthur, St. Gallen, Biel und Luzern eingeschätzt: Hier distanzieren sich die Stadtväter zwar auch vom Inhalt, gewichten aber das Recht auf Meinungsfreiheit höher. Das umstrittene Motiv: Vor einer Schweizer Fahne steht eine Frau in einer schwarzen Burka. Aus der Fahne ragen drohend raketenähnliche, schwarze Minarette.
Teilweise noch offen ist die Haltung der grossen Verlage. Während die NZZ noch zuwartet und TA-Media die Entscheidung den einzelnen Titeln überlässt, hat sich der Ringier-Verlag (in dem auch BLICK erscheint) festgelegt: «Das vorliegende Inserat setzt Minarette und den Islam mit Gewalt gleich. Dies ist eine Herabwürdigung, weshalb wir dieses Inserat ablehnen», erklärt Ringier-Sprecher
Stefan Hackh. Eine Haltung, die auch von Medienminister Moritz Leuenberger geteilt wird. Er schrieb gestern in seinem Blog: «Ich habe Verständnis für ein Verbot des Plakates.»
Die Plakat-Debatte wird auch unter Politikern heftig geführt. Während der freisinnige Genfer Regierungsrat Pierre Maudet gegen ein Verbot ist, plädiert sein Lausanner Kollege und Parteifreund Olivier Français dafür. Auch links gibts keine einheitliche Meinung. SP-Nationalrat und Kandidat für den Zürcher Regierungsrat Daniel Jositsch meint: «Statt auf Plakatverbote setze ich lieber auf eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der Initiative.» Anderer Meinung ist der Rechts-Experte der Grünen, Daniel Vischer: «Würde ein ähnliches Plakat bezüglich Synagogen aufgehängt, würde niemand an einem Verbot zweifeln.»
Freuen können sich die Anti-Minarett-Kämpfer. Klagten sie noch vor kurzem über zu wenig Geld, haben sie jetzt die öffentliche Debatte gratis erhalten. Für Vischer aber kein Grund gegen ein Verbot: «Jede Minderheit verdient Schutz vor Diskriminierung, unabhängig davon, ob das der SVP nützt oder schadet.»