Warum ruft die Migros so oft Produkte zurück? Hat der Konzern Pech – oder ist er einfach ehrlicher?

Allein im August musste die Migros dreimal ein Produkt aus dem Verkehr ziehen. Trotzdem gibt es Lob für die Produktsicherheit.

  • Publiziert: 01.09.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Matthias Pfander

Schwimmflügeli von der Migros halten nicht, was sie versprechen. Die Nähte können platzen. Deswegen ruft die Migros jetzt die Schwimmhilfen zurück. Ein Kind ist zum Glück nicht ertrunken.

Vor zwei Wochen der Reisdrink: Auf der Verpackung steht «laktosefrei». Doch die Spuren von Milch darin waren ein Risiko für Allergiker.

Anfang August Listerien im Gorgonzola. Die Bakterien können für den Mensch gefährlich werden.

Hat die Migros ein Qualitätsproblem? Immerhin kam es in diesem Jahr bereits zu acht Rückrufaktionen. Und in den letzten beiden Jahren über 20 Mal.

«Wir kehren einfach nichts unter den Tisch. Sobald es um Leib und Leben gehen könnte, rufen wir ein Produkt sofort zurück», heisst es bei der Migros.

In der EU gehören Meldungen über gefährliche Produkte zur Tagesordnung. Wöchentlich gibt es zwischen 40 bis 50 Warnungen in der Datenbank für Produktsicherheit RAPEX.

Das Sortiment der Migros umfasst 40 000 Artikel. Da scheinen acht Rückrufaktionen wenig zu sein.

Nur: Bei Coop, mit einem vergleichbaren Sortiment, ist die Zahl der Rückrufe viel kleiner. In diesem Jahr ist bis jetzt ein Fall bekannt: Pétanque-Kugeln, die platzen können.

8 zu 1 für Coop? Für Sara Stalder, Geschäftsführerin der Stiftung für Konsumentenschutz, ein Grund für Skepsis: «Die Migros übernimmt bei der Produktsicherheit in der Schweiz eine Vorreiterrolle. Dass es bei Coop viel weniger Vorfälle geben soll, kann ich mir schlichtweg nicht vorstellen.»

Coop wehrt sich: «Wir nehmen in jedem Fall unsere Sorgfaltspflicht wahr und richten uns nach dem Gesetz.»
Ein plausibler Grund für den Unterschied: Die Migros führt mehr Eigenmarken. Wenn bei Coop ein Markenartikel Mängel aufweist, ist der Hersteller selbst in der Pflicht. So fällt der Mangel nicht auf Coop zurück.

play Konsumentenschützerin Sara Stalder. (Keystone)

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